IHK Empfang

Top-Themen sind Verkehr und "Brexit"

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Starnberg – Eindeutiges Votum für den B2-Entlastungstunnel: Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer in der Starnberger Schloßberghalle wurde deutlich, dass sich wohl eine große Mehrheit der Unternehmer im Landkreis Starnberg den Tunnel wünschen, um das Verkehrsproblem endlich in den Griff zu bekommen.

Per Handzeichen hatte zuvor IHK-Vorsitzender Martin Eickelschulte spontan die Gelegenheit für ein Stimmungsbild genutzt und die rund 250 geladenen Gästen abstimmen lassen – zur Frage: „Wer ist dafür, dass die Stadt Starnberg die einmalige Chance ergreifen sollte, jetzt den Tunnel vom Bund als ersten Baustein für die Verkehrsentlastung anzunehmen und dann durch weitere Bausteine zu ergänzen?“ Ja, das sollte sie, fanden die meisten der anwesenden Unternehmer. Bei der Gegenprobe streckten sich nur „vier bis sechs Arme“ nach oben. Es war zu spüren, dass es Starnbergs IHK-Chef Martin Eickelschulte ein persönliches Anliegen war, „endlich den Stau aus Starnberg heraus zu bekommen“. Die Lösung liegt für ihn auf der Hand: „Für den Tunnel gibt es Baurecht und das Geld vom Bund steht bereit“, so Eickelschulte. „Der Tunnel ist zwar kein Allerheilmittel für alle Verkehrsprobleme, aber ein sehr wichtiger Baustein“, betonte der IHK-Vorsitzende und verwies noch einmal darauf, dass er keiner politischen Gruppierung angehöre und weder Tunnel- noch Umfahrungsbefürworter sei. Eickelschulte rechnete als Inhaber eines IT-Dienstleistungsunternehmen vor, wieviel Geld der Stau die Unternehmen kostet: „Wenn 1.000 Mitarbeiter beziehungsweise Handwerker, Rechtsanwälte, IT-Techniker, Dienstleister und ähnliche Beschäftigte täglich zehn Minuten im Stau stehen, gehen bei 18 Arbeitstagen im Monat und einem durchschnittlichen Stundensatz von 65 Euro insgesamt 2,3 Millionen Euro im Jahr verloren.“ Das mache in zehn Jahren 23 Millionen Euro, die den Unternehmen entgehen und damit auch den Gemeinden, die ansonsten anteilig Gewerbesteuer einnehmen würden. Die Entscheidung der Stadt über die Realisierung des Tunnelprojekts muss laut Eickelschulte deshalb zeitnah erfolgen. Auch sein Stellvertreter Ingo Schwarz empfahl Starnberg, „das zur Verfügung stehende Geld zu nutzen“, ebenso wie Präsidiumsmitglied Michael Padberg, der appellierte, Infrastrukturprojekte voran zu treiben wie das der Landkreis bereits bei der Ausweitung des ÖPNV gemacht habe. „Stillstand ist Rückschritt“, konstatierte Padberg. Es müssten weitere Lösungen gefunden werden, damit jeder schnell und ohne viel zu stauen an seinen Arbeitsplatz komme. Padberg sprach sich in diesem Zusammenhang auch für einen Südring von München aus: „Den bräuchten wir auch.“ Landrat Karl Roth zeigte sich angesichts der Tunneldiskussion im Stadtrat beunruhigt: „Es ist fünf vor zwölf“, sagte Roth und warb dafür das Machbare zu ergreifen. Er befürchtet, dass „wir mit leeren Händen da stehen, wenn Starnberg kein Signal sendet“. Als positiv beurteilte der Landrat die Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen, die im vergangenen Jahr so „gesprudelt seien wie noch nie“. Damit liege der Landkreis bayernweit auf Rang vier und an dritter Stelle in Oberbayern. Ein dickes Danke schön bekamen die Unternehmer von Landrat Roth für ihr Engagement zur Integration von Flüchtlingen. Von den 1.800 Asylbewerbern im Landkreis Starnberg sind 300 in einem Arbeitsverhältnis. Weitere 150 absolvieren ein Praktikum und 300 besuchen Fördermaßnahmen. Wermutstropfen laut IHK-Vize Ingo Schwarz: „Manche Unternehmen haben sich ein blaues Auge geholt.“ Nachdem sie Arbeitsplätze bereit gestellt hätten kam der Abschiebebescheid. Super läuft laut Roth die Fachoberschule in Starnberg: „Wir haben wahnsinnigen Zulauf auch aus den Nachbarlandkreisen und werden mit sechs Klassen starten – jeweils mit drei im verwaltungstechnischen und drei im sozialen Bereich“, freute sich der Landrat. Die Fachrichtung Technik sei allerdings noch nicht möglich. Dazu sei ein Neubau nötig. Neben Verkehrsproblemen brennt den Unternehmen der Mangel an Fachkräften sowie an bezahlbarem Wohnraum auf den Nägeln: „Eine Fachkraft mit einem Jahresgehalt von 30.000 bis 40.000 Euro muss hier im Landkreis mit Familie wohnen können“, erklärte IHK-Chef Eickelschulte. Er warb dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu ändern: „Es muss erlaubt werden, höher und dichter zu bauen“. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, will die IHK schon im kommenden Jahr einen „Blumenstrauß an Maßnahmen vorlegen“, um eine familienfreundliche Arbeitswelt im Landkreis zu schaffen. Dazu gehörten auch Kinderbetreuung– und Teilzeitangebote. Die Verzahnung von Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik, kurz als „Industrie 4.0“ tituliert, bezeichnete Michael Padberg als Voraussetzung, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und erfolgreich zu sein. Als Festredner konnte die IHK Starnberg in diesem Jahr Professor Clemens Fuest begrüßen, einen der führenden Wirtschftswissenschaftler in Deutschland, der als Nachfolger von Hans-Werner Sinn seit einem Jahr das Münchner ifo-Institut leitet und einer der „Wirtschaftsweisen“ ist. Der 46-jährige gilt als Experte für internationale Steuerpolitik und Staatsfinanzen. In seinem Vortrag appellierte Fuest trotz der ein oder anderen „gruseligen“ Entwicklung zuversichtlich zu sein. Dem ifo-Geschäftsklimaindex zufolge hätten die 7.000 befragten Unternehmen ihre derzeitige Lage als gut bezeichnet, auch wenn sie ihre Erwartungen nach den Wahlen in den USA nach unten korrigiert hätten. Umgeben von Ländern, in denen Wirtschaftswachstum und Investitionen sinken würden, forderte Fuest von der Politik als eine Maßnahme, um sinkenden Wohlstand hierzulande zu vermeiden, mehr in Forschung zu investieren und auf Innovationen wie „E-Government“ zu setzen. Zum „Brexit“ appellierte Professor Fuest mit den Briten eine vernünftige Freihandelszone hinzubekommen und aufs „Rosinen picken“ zu verzichten, sonst werde es für den Freistaat „sehr teuer“. Denn Großbritannien sei nach den USA der zweitgrößte Auslandsmarkt für bayerische Unternehmen.aj

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