Verkehrskonzept

"Herrsching ist sehr Kfz-dominiert"

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Herrsching – Eine Novelle der Straßenverkehrsordnung hat einen Paradigmenwechsel eingeläutet – was der Herrschinger Verkehrsplanung in die Hände spielt.

Seit April muss die Verkehrssicherheit des Schwächsten am intensivsten geschützt werden. Heißt: Die Fußgänger und Radfahrer sollen in zukünftigen Projektierungen stärker als bisher berücksichtigt werden. Am vergangenen Mittwoch stellte Projektleiter und Verkehrsplaner Ralf Kaulen rund 200 Bürgern und Bürgerinnen in der Martinshalle den momentanen Stand des Gesamtkonzepts vor und beantwortete die zahlreichen Fragen der Bürger. Rund 800 Herrschinger hatten bei einer Befragung ihren Bedürfnissen und auch ihrem Unmut über die momentane Verkehrssituation Luft gemacht. „Jeder auf der Straße hat einen individuellen Blickwinkel“, fasste Kaulen das Ergebnis zusammen. Ob Fußgänger, Radler, öffentlicher Verkehr, Lastwagen oder PKW: Alle Verkehrsteilnehmer sollen im Konzept bedacht werden. Allerdings, fügte er hinzu und belegte das mit anschaulichem Bildmaterial, ist Herrsching momentan noch sehr „Kfz-dominiert“. Er sprach von schlecht beleuchteten Straßen und zu engen oder gar keinen Gehsteigen, zum Beispiel in der Seestraße. Aber auch Radfahrer werden an vielen Stellen vernachlässigt, finden sich vom Radweg plötzlich auf der öffentlichen Straße wieder und müssen sich in den vorbeirollenden Verkehr einordnen. Auch die Nutzer der MVV sollen von überdachten Haltestellen und besseren Fußwegen profitieren. Ein Schwerpunkt allerdings liegt auf den dicht und schnell befahrenen Staatsstraßen, also der Seefelder-, Mühlfelder- und Rieder Straße. Schwer zu überqueren seien jene, warfen zwei Mütter ein. Mona Remde wohnt an der Seefelderstraße und fährt notgedrungen jeden Meter mit dem Auto. Aus Sicherheitsgründen, denn ihre Kinder kämen nicht über die viel gefährliche Straße. Auch Elke Bezold sieht keine andere Möglichkeit, ihre Kinder sicher von A nach B zu bringen. Das Problem sei, dass viele Autofahrer optisch nicht wahrnehmen, dass sie innerorts fahren. „Wir arbeiten an einer Insellösung“, versprach Bürgermeister Christian Schiller. Im Arbeitskreis diskutierten sie über eine optische Veränderung des Straßenbildes. Mehr Grünflächen und Inseln führten automatisch dazu, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen eingehalten würden. Weitere Wortmelder forderten Tempo 30 auch auf den Staatsstraßen. Daran arbeiteten sie, versicherte der Verkehrsexperte, allerdings liege das in den Händen des Staatlichen Bauamts – und jenes sperre sich noch. Auch das geplante Gymnasium soll in die Verkehrsplanung mit einbezogen werden. Diesbezüglich wandte der Herrschinger Thomas Dalibor ein. „Vor dem Gemeindekindergarten ist Tempo 50, vor der Volksschule Tempo 50. Das ist in unserer Zeit ein Unding“, ärgerte er sich. Außerdem regte er, wie zuvor auch schon Thomas Hamaus, noch einmal die von der SPD ins Gespräch gebrachte Begegnungszone an. Fußgänger haben dort stets den Vorrang. Das Problem sei noch, dass diese Vortrittsregelung nicht gesetzlich geregelt und somit auch nicht geahndet werden könne, entgegnete Kaulen. Durchaus vorstellbar seien jedoch autofreie Bereiche, ausreichend Parkraum im Außenbereich und ein vom Landkreis gesteuerter Auto- und Fahrrad-Verleih. Christine Ackermann schlug intelligente Ampeln vor, die sogenannte Pförtnerampel, die bei eingehaltener Geschwindigkeit den Fahrer mit grün belohnt, zu schnelles Fahren mit rot bestraft. Axel Schreiner gab außerdem zu bedenken, dass in Wartaweil noch zusätzlich zum normalen Verkehr der Pendelverkehr zur S-Bahn hinzukomme. Alfred Plötz aus Breitbrunn sprach das Thema Radweg nach Herrsching an: Er ist einer der Grundbesitzer, die sich gegen die Abgabe ihres Grundes wehren. „In den 70er Jahren mussten wir schon mehrere tausend Quadratmeter abgeben.“ Der war als Parkmöglichkeit für Badegäste gedacht, die nicht mehr kommen, weil unterdessen in vielen Bereichen Badeverbot sei. „Warum diese nicht als Radweg nutzen?“ In Bayern sei für einen Radweg 5,50 Meter vorgeschrieben, erklärte Kaulen. Man diskutiere auch hier noch mit den Behörden, ob nicht 3,50 – wie in anderen Bundesländern – ausreichen würden. Ebenso Thema waren die Straßen, die als Umfahrung der Problemzonen genutzt werden. Die vielen Anregungen der Bürger würden in die Projektierung einfließen. Bis Januar 2014 soll das Konzept abgeschlossen sein. Den Vortrag können die Herrschinger auf der Gemeinde-Homepage über den Button „Verkehrskonzepte“ heruntergeladen werden. M. Kirner

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