Ratgeber für Vermieter

"Und es gibt sie doch: Mietnomaden"

+

Seefeld/Hechendorf – Margita Gürtler aus Hechendorf ist im Verein „Anders Lesen Lernen“ aktiv, Journalistin, ehemalige BR-Mitarbeiterin und Autorin.

Mit „Und es gibt sie doch: Mietnomaden“ hat sie ihr drittes Buch geschrieben – und sich damit von der Seele geschrieben, was ihre Schwester erlebt hat. Mit Sack und Pack ziehen sie ein. Meistens, ohne die Kaution bezahlt und den Mietvertrag unterschrieben zu haben. Die nächsten Monate und manchmal sogar Jahre ist der Vermieter dann damit beschäftigt, den nicht zahlenden Mieter wieder los zu werden. Nicht selten folgen einem kostspieligen Prozess die ebenso kostspieligen Renovierungsarbeiten. Margarita Gürtler hat den realen Fall eines Mietnomaden am Beispiel des Schweizers Herr Vögele (Name von der Autorin geändert) dokumentiert, der im Herbst 2010 mit seiner Frau, seinem Sohn und zwei Hunden die Wohnung an der Schillerstraße 30 bezogen hat. Ohne die Kaution bezahlt zu haben. „Ein unverzeihlicher Vermieterfehler“, schreibt Gürtler. „Die Übergabe der Mietwohnung ohne Kautionszahlung.“ Dieser Fehler sei, so schreibt sie weiter, ein entscheidender. „Denn wenn der Mieter erst mal drin ist, hat er viele Rechte, die dem normalen Mieter natürlich zustehen sollen.“ Rechte, die der Mietnomade für sich zu nutzen weiß. Der Schweizer würde die vereinbarte Miete nie bezahlen und seine Vermieterin mit leeren Versprechungen vertrösten. Später klagte er über Mängel in der Wohnung. Die scheinbar nicht funktionierende Heizung führte die Beschwerdeliste an, es folgten die Geräte der möblierten Wohnung: Sie seien alt und defekt, mailte er der Wohnungsbesitzerin. Bevor er überhaupt einen Euro bezahlt hatte, verlangte er Mietminderung. „Kleines Herz“ heißt auf Chinesisch „Vorsicht“ – und Vorsicht ist bei der Wahl des Mieters durchaus angebracht. In „Und es gibt sie doch: Mietnomaden“ steht die Autorin Eigentümern mit gutem Rat zur Seite, hat über ihre Anregungen und konstruktiven Gedanken die chinesischen Zeichen für jenes „kleines Herz“ abgebildet. Bereits in der Einleitung rät sie: „Der Vermieter sollte über den potentiellen Mieter Erkundigungen einholen. Erst aus Verhaltensweisen lässt sich auf den Charakter schließen – und dann ist es beim Mietnomaden in der Regel schon zu spät.“ Der effektivste Weg sei es, mit dem vormaligen Vermieter Kontakt aufzunehmen, von ihm oder ihr eine Bank- und SCHUFA-Auskunft zu verlangen. Auf 2,2 Millionen Euro, schreibt Gürtler in ihrem Buch, beläuft sich in Deutschland der jährliche Mietausfall. Und doch erkenne der Mieterbund den Mietnomaden höchstens als „vernachlässigendes Problem“ an, sagt sie. „Erzähle ich jedoch von meinem Buch, stoße ich häufig auf Menschen, die im Bekanntenkreis oder selbst einem Mietnomaden aufgesessen sind.“ Ihr Ratgeber wirkt vorbeugend, ist mit praktikablen Ratschlägen versehen, die auf den letzten Seiten in acht Punkten zusammengefasst sind. Acht, weil diese Zahl im Chinesischen eine Glückszahl ist. Und ein bisschen Glück kann beim Vermieten nicht schaden. mk

Auch interessant

Meistgelesen

Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Das Kaufhaus Sedlmayr ist Geschichte
Das Kaufhaus Sedlmayr ist Geschichte
Die Pläne für den "Alten Wirt" erfordern einen Bebauungsplan
Die Pläne für den "Alten Wirt" erfordern einen Bebauungsplan
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare