Viel Leben in der Stadt

Illuminierte Einkaufstüten dienten bei der „7. Tutzinger Kulturnacht“ als Wegweiser zu den Veranstaltungsorten. Foto: Jaksch

„Ganz erstaunlich, was heute Abend hier alles geleistet wird“, sagt Kulturreferent Gernot Abendt, als die mittlerweile „7. Tutzinger Kulturnacht“ am Freitag gegen 18 Uhr offiziell startet. Im Roncalli-Haus können sich die Besucher zum Auftakt gleich mal am Musical „Ritter Rost“ erfreuen, das der Jugend- und Kinderchor St. Joseph unter der Leitung von Helene von Rechenberg und Andrea Hassler extra noch mal aufgeführt haben.

Der feuerspeiende Drache, den das Burgfräulein Bö am Ende zum handsamen Hausdrachen zähmt, hat nur einmal kurz „pyrotechnische Probleme“, als ihm das feuerrote Seidentuch in den Drachen-Anzug rutscht. Dafür hat er aber auch die Lacher im Publikum auf seiner Seite. Mit den vielen tollen Kostümen und der schmissigen Musik ist „Ritter Rost“ gleich einer der Höhepunkte der Kulturnacht. Unterdessen hat auch die Realschule mit ihrem Chor, den „Benedict Diamonds“ und „Ben´s Spirit“ unter Leitung von Barbara Schätzlein ihre Beiträge begonnen. Später werden hier noch das musikalisch illustrierte Lustspiel „Olaf lernt fliegen“ (einstudiert von Elisabeth Ruisinger, Beate Zietsch und Brigitte Schmid-Burgk) folgen sowie „A little bit of Hamlet“ der von Denise Röhl geleiteten „English Drama Group“ der Schule. Alle Veranstaltungen sind gut besucht, und vor allem die älteren Schüler warten bereits gegen 19 Uhr auf das Konzert der Schulband „Rockz-Sockz“ zum Abschluss. Man kann am Abend beobachten, dass manche Eltern, die vielleicht Kinder auf verschiedenen Schulen haben, von der Realschule direkt zum Gymnasium hinüber schlendern: Dort werden die Besucher auf dem Platz vor der Calle-Villa von stimmungsvoll illuminierten Einkaufstüten empfangen, die bis zur Schul-Aula als Wegweiser dienen: „Eine einfach umzusetzende Idee, und wir haben es uns zunutze gemacht, dass die Schüler gerne shoppen“, kommentiert ein gut gelaunter Schulleiter Thomas Franz die Aktion. Drinnen in der Aula zeigen die Mittel- und Oberstufen-Schüler unter anderem selbst verfasste assoziative Szenen zu einem Bild des amerikanischen Malers Edward Hopper. In dieser „7. Tutzinger Kulturnacht“ ist viel Leben in der Stadt, was man auch an den vollgeparkten Straßen rund um die Schulen, das Rathaus und die beiden Kirchen erkennen kann. Endlich einmal regnet es nicht, und so kann man vor allem in der Volksschule mit seinem 90-minütigen „Bunten Kultur-Programm“ enormen Andrang verzeichnen. Die Eltern haben, offenbar Teil der Renovierungsmaßnahmen, die Wände mitgestaltet, und auf der Bühne führen an der Seite von Kathrin Knauer gleich drei kleine Moderatorinnen aus der dritten und fünften Jahrgangsstufe durch einen Abend mit viel Musik und Theater. „Möglichst viele sollen sich ja beteiligen“, sagt Brigitte Grande, die das Gesamtgeschehen der „Kulturnacht“ koordiniert, „und es sollen sich die Amateure einbringen, nicht so sehr die Profis.“ Der rege Zu-spruch vor allem in der Volksschule lässt auch bei Gernot Abendt erkennbar das Herz höher schla-gen: „Ich habe gerade ein T-Shirt mit der Aufschrift ‘Abitur 2021’ gesichtet – das sind doch Zielsetzungen!“ Währenddessen haben die Kirchen ihre Konzerte begonnen, die ebenfalls gut besucht sind: Das Oratorium „Kugel im Licht“ der Missionsbenediktinerinnen unter der Leitung von Schwester Franziska Lehmann in der Klosterkirche, die „Lieder aus Taizé“ im evangelischen Gem-eindehaus. Später tritt nebenan in der evangelischen Kirche noch der Gospelchor „Rock´n Water“ auf – inzwischen ein fester Bestandteil der Kulturnacht. Einige begeisterte Besucher wechseln nur die Räumlichkeit, andere wandern gegen 20 Uhr hinüber in die Katholische Kirche St. Joseph, um die sehr berührenden armenischen Gesänge der Sopranistin Anahit Abgarjan zu hören. Sie wird von Susanne Schieder an der Orgel begleitet und sagt unten im Kirchenschiff sogar noch selbst das Pro-gramm an, ehe sie auf die Empore hinaufsteigt. „Boarisch gredt“ wird unterdessen auf der Rathaustenne, wo die Tutzinger Stub´n-Musik (ebenfalls eine feste Säule der „Kulturnacht“) mit Gedichten und Musik aufwartet – hier geht es so besinnlich zu, dass sich auch die Rathaus-Katze schnurrend auf der Tenne tummelt. Die Tutzinger Sängerinnen waren leider krankheitsbedingt kurzfristig ausgefallen, ebenso die Sketche der Heimatbühne im Roncalli-Haus. Dort klingt der Abend mit der Reise-Lesung „Auf Jakobswegen zum Ende der Welt“ aus, während es im evangelischen Gemeindehaus bei „Oldies & More“ noch rund gehen soll und zum Tanz gebeten wird. Und wer dann noch „kulturhungrig“ ist, der kann sich „open end“ im „Tutzinger Keller“ noch das Konzert mit „Soul“ und „No Big Deal“ gönnen. Der kleine feuerspeiende Drachen vom frühen Abend dürfte sich da schon längst schlafen gelegt haben.

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