Baugeschichte

Das Buch des Architekten Alfred Laut

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Häufig finden sich Sühnekreuze, auch Mordsteine genannt, auf Andechser Flur.

Erling/Machtlfing – Eine Wanderung durch Andechser Fluren gibt aufmerksamen Spaziergängern so manche Rätsel auf. Da gibt es Mords- oder auch Sühnesteine, Mauerreste oder einfach nur, wie beispielsweise im Wald zwischen Herrsching und Andechs, einen Hinweis auf einen verschwundenen Ort namens Ramsee.

Aus deren Kirche sollen die Überreste beim Bau der Andechser Friedenskapelle verwendet worden sein. Relativ häufig finden sich Sühnekreuze, auch Mordsteine genannt, die früher von Angehörigen eines Mörders am Ort der Bluttat als Zeichen der Sühne gesetzt wurden. Graf Hans Toerring von Schloss Seefeld erschlug beispielsweise Mitte des 16. Jahrhunderts im Jähzorn seinen Knecht Christian. So entstand um 1550 herum nicht nur ein Sühnestein, sondern eine Sühnekapelle zwischen Seefeld und Oberalting – dort, wo heute das ehrwürdige Krankenhaus steht. Ein gut erhaltenes Relikt eines Sühnesteins aber steht hinter dem so genannten Stephansbichl zwischen Erling und Machtlfing, nahe der so genannten Seachtn. Historiker haben festgestellt, dass es aus dem 17. Jahrhundert stammen muss. Auf der Vorderseite des Mordsteines stehen mittig in einer kreisförmigen Vertiefung die Buchstaben IHS. Über dem Buchstaben H befindet sich ein Kreuz. Die Gegend um dieses Sühnekreuz birgt allerdings weit mehr Geheimnisse. Unweit des Kreuzes steht auf dem Stephansbichl die Stephanskapelle. Sie zählt zu den ältesten christlichen Kultstätten im Ammerseegebiet. Am Stephanstag muss es früher laut dem Herrschinger Chronist Gustl Empfenzeder hoch hergegangen sein. „Aus der ganzen Umgebung sind sie her geritten, ja bis von Mamhofen bei Hanfeld sind sie gekommen, um ihre Pferde segnen zu lassen“, steht in Empfenzeders Werk mit dem Titel „Geschichte der Ammerseeheimat“. Der „Heilige Stephan“ aus der alten Kapelle aber war ein beliebtes Objekt von Dieben. Einst hatte ihn der Wirt von Perchting, nichts ahnend, dass es sich um Diebesgut handelt, käuflich erworben. Als die Figur von einem Gast gesichtet und der Wirt daraufhin mit den Worten „Wie kommst denn du zu unserem Steffl?“ zur Rede gestellt worden war, habe dieser laut Empfenzeder geantwortet: „Nimm ihn nur wieder mit. Seitdem ich den im Haus habe, hab ich kein Glück mehr“. Heute soll der Steffl von Machtlfing diebessicher verwahrt sein. Die Kapelle selbst ist mittlerweile ein leer stehender schmuckloser Bau ohne Turm und Dachreiter. Dachreiter sind auf dem Dachfirst aufsitzende schlanke, oft hölzernes, Türmchen, die häufig als Glockenstuhl dienen. Über ein weiteres Relikt aus früheren Zeiten hat Architekt Alfred Laut nun ein Buch verfasst. Titel: „St. Vitus Erling - Baugeschichtliche Rückführung vom 21. bis zum 13. Jahrhundert“. Am kommenden Dienstag wird er es im Rathaus in Andechs vorstellen. pop

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