Neues vom Starnberger Umwelt-, Energie- und Mobilitätsausschuss

Von Querungshilfen, Tempo-Limits, Fahrbahnmarkierungen und Ausdünnung des Schilderwalds 

Der Mobilitätsausschuss des Starnberger Stadtrat will den Verkehrsschilderwald im Stadtgebiet ausdünnen (Symbolbild).
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Der Mobilitätsausschuss des Starnberger Stadtrates will den Verkehrsschilderwald im Stadtgebiet ausdünnen (Symbolbild).

Starnberg - Im Mobilitätsausschuss hatte sich gewissermaßen einiges „angestaut“, was innerörtliche Verkehrsthemen anging. Aus der virtuellen Bürgerversammlung galt es mindestens ebenso viele Anträge abzuarbeiten wie es Vorschläge der verschiedenen Stadtratsfraktionen gab, entsprechend lang geriet dann die Sitzung: Das von der früheren Bürgermeisterin Eva Pfister angeführte Bündnis Mitte Starnberg (BMS) sorgt sich schon länger um die Fußgängersicherheit in der Stadt und hatte allein zehn Anträge zur Schaffung sogenannter Querungshilfen eingebracht – doch lassen sich diese Fußgängerfurten wie auch Zebrastreifen laut Rathausverwaltung nur unter bestimmten Voraussetzungen verwirklichen.

So müssen an den fraglichen Stellen im Stadtgebiet zu Hauptverkehrszeiten mindestens 50 Fußgänger und 200 Fahrzeuge innerhalb von einer Stunde nachgewiesen werden, um die Einrichtung eines Zebrastreifens zu rechtfertigen. Außerdem muss auf beiden Seiten der Straße ein Gehweg vorhanden sein. Im Ausschuss abgelehnt wurden dann prompt die meisten der von der BMS ins Spiel gebrachten Querungshilfen, sei es weil in der Nähe bereits welche existieren, sei es aus Bedenken heraus, die auch die Polizei hatte - an der Hanfelder Straße, Einmündung Josef-Fischhaber-Straße, fürchtet man beispielsweise für Fußgänger einen Effekt der „trügerischen Sicherheit“, wie Bürgermeister Patrick Janik (UWG) es ausdrückte: An dieser Stelle kommt der bergab fahrende motorisierte Verkehr mit einem gewissen Tempo daher, so dass ein Zebrastreifen an diesem starken Gefälle-Abschnitt der Hanfelder Straße den querenden Fußgängern nicht unbedingt mehr Sicherheit garantieren würde.

Ähnlich wurde die Lage an der Einmündung Bozener Straße und an der Heimgartenstraße beurteilt sowie an der Söckinger Straße/Einmündung Josef-Fischhaber-Straße und an der Max-von-Dziembowski-Straße/Einmündung Alter Berg und Auersberg. Immerhin ging ein Antrag von Franz Sengl (Grüne) durch, die Breite der Hanfelder Straße am Ortseingang Starnberg zwecks Tempo-Drosselung zu verringern. Eine von der BMS ebenfalls beantragte Querungshilfe für die Riedeselstraße, Höhe Alersberg, zieht wenigstens eine Prüfung nach sich, ob weiter Richtung Andechser Straße eine Alternative möglich ist.

Bürger-Anträge hatten an etlichen Stellen des Starnberger Stadtgebiets Tempo-Beschränkungen gefordert: So wünschen sich viele Anwohner für die Andechser Straße in Söcking schon länger Flüsterasphalt und zudem stadteinwärts „Tempo 30“ ab dem Ortseingang. Die Stadt will solche Vorschläge im Rahmen des „Integrierten städtebaulichen Konzepts“ (ISEK) mit den Bürgern zumindest diskutieren. Gemeinsam mit der Polizei geprüft werden soll „30“ auch für Landstetten, doch Bremssschwellen lehnt die Stadt dort ab. Umstritten ist offenbar die künftige Geschwindigkeitsregelung zwischen Ortseingang Starnberg (Kreisverkehr) und Waldkreuzung: Während Landratsamt, Straßenbauamt Weilheim und Polizei ab dem Kreisel stadtauswärts einheitlich „Tempo 100“ zulassen wollen, halten viele Stadträte maximal „Tempo 70“ für angemessen, so wie es ab Taubenhüll bis zur Waldkreuzung ohnehin gilt: Nach Starnberg rein sei das „eine brandgefährliche Ecke, wenn da einer mit 100 Sachen kommt“, warnte Tim Weidner (SPD), „da zuckeln Laster rum“, und der ortskundige Starnberger würde „nicht im Traum daran denken, dort auf 100 zu beschleunigen!“ Die Entscheidung liege indes bei der übergeordneten Verkehrsbehörde, man könne wohl nur ein Zeichen setzen, meinte Rathauschef Janik und stimmte als Jurist gegen den seiner Ansicht nach rechtswidrigen „70“-Antrag. Ein weitere Bürgerantrag, an der Fußgängerunterführung Ecke Bahnhofstraße (Richtung Seepromenade) eine „sichere Querung für Familien“ zu schaffen, wurde als Einzelmaßnahme abgelehnt mit dem Hinweis, dass die Bahnhofstraße im Zuge des innerstädtischen Gesamtkonzepts ohnehin sicherer gestaltet werden solle.

Auch die normaler Weise Orientierung gebenden Fahrbahn-Markierungen waren ein umfangreiches Thema im Mobilitätsausschuss: So wünscht sich die Stadt am Seufzerberg Richtungspfeile für Linksabbieger auf die B 2 (Richtung Pöcking) sowie zusammengefasst für die Geradeaus-Spur (Richtung Söcking) und die Rechtsabbieger (Richtung München). Am Verkehrsknotenpunkt Tutzinger-Hof-Platz wiederum soll es künftig Monitor-Überwachung geben, um mittels dieser „Stau-Kamera“ bei Rot in die Kreuzung einfahrende (und dort damit Staus auslösende) Verkehrsteilnehmer leichter zur Rechenschaft ziehen zu können. Eine bessere Linksabbiegespur ortsauswärts erhält die Abzweigung von der Hanfelder Straße zur Riedeselstraße, die Bahnunterführung Richtung Perchastraße darf künftig auf eigens markierter Spur auch von Mofa-Fahrern genutzt werden. Aufstellflächen für Radlfahrer, die wie etwa an der Einmündung der Söckinger Straße in die B 2 nicht genutzt werden können, werden entfernt, überflüssige Verkehrsschilder wie z.B. das „Vorfahrt gewähren“ an der ohnehin nicht vorberechtigten Lüderitzstraße oder die „Aufhebung Tempolimit“-Beschilderung an der Einmündung der Ferdinand-Maria-Straße in die Hauptstraße ebenso – der notorisch wuchernde Schilderwald wird mal wieder ein wenig ausgedünnt.

Thomas Lochte

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