Ex-Security auf der Anklagebank

Vorbestrafter Untermieter macht Starnberger Rentnerin das Leben schwer - Gericht verhängt Freiheitsstrafe

Security
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Ein vorbestrafter Sicherheitsmann musste unlängst wegen Körperverletzung auf der Anklagebank des Starnberger Amtsgerichts Platz nehmen (Symbolbild).

Starnberg - Der Ärger mit dem Untermieter ging für eine Starnberger Rentnerin (75) um einiges zu weit. Dieser Tage musste sich der 42-jährige Mann wegen zwei Fällen der Körperverletzung vor dem Starnberger Amtsgericht verantworten. 

Zunächst verstand sich die Rentnerin gut mit ihrem neuen Untermieter, der im Sommer 2019 in ihr Haus einzog und ihr durchaus hier und da zur Hand ging. „Er hat getan, als ob er mir wirklich helfen wollte. Dann hat er immer mehr bestimmt im Haus“, so die Rentnerin, die mit den Grobheiten des arbeitslosen Security nur schwer klarkam: „Ich hatte dann auch Angst. Er hat mir gedroht, er tue mir alles Mögliche an und dass ich ihn nicht rausklagen könne. Ich habe mich zurückgezogen, damit ich meine Ruhe habe.“ 

Zu zwei Übergriffen kam es dennoch. Als die Rentnerin Anfang Dezember 2019 ihr Bügeleisen im Zimmer des Angeklagten suchte, fühle dieser sich offenbar gestört. „Er stand plötzlich auf, ging auf mich zu und hat mich geschubst.“ Die kleine Frau stolperte rückwärts über die Türschwelle und fiel auf die Nase. „Ich hatte fürchterliches Nasenbluten“, so die Rentnerin, der ein Nasenbeinbruch glücklicherweise erspart blieb. 

Ein zweiter Vorfall vom Mai 2020 brachte das Fass zum Überlaufen. Diesmal befand sich der Angeklagte im Sonneneckchen der Terrasse und fühlte ich offenbar von der Rentnerin gestört, als diese näher kam und mit dem Gartenschlauch die Pflanzen goss. „Plötzlich stand er auf, ich merke wie ich gepackt werde – meine Arme mit einer Hand am Rücken.“ Mit der anderen Hand drückte der kampfsporterfahrene Ex-Sicherheitsmann die zerbrechliche Frau am Nacken runter. „Ich dachte, jetzt drückt er mich mit dem Gesicht in die Steine rein. Das hat wahnsinnig weh getan.“ Aufgrund der durch die rüde Behandlung entstandenen Schmerzen begab sich die 75-Jährige kurz nach dem Vorfall in Behandlung und ist seither Dauer-Patientin beim Physiotherapeuten. „Nach dem Vorfall hatte ich zwei Wochen lang eine Halsmanschette. Vorher hatte ich überhaupt kein Problem mit dem Nacken.“

Zu Beginn seines Prozesses leugnete der 42-Jährige beide Vorfälle. Im Laufe der Verhandlung ließ er allerdings dann doch ein gewisses Zugeständnis in Sachen Anklageschrift durchblicken. Die Festsetzung des Strafmaßes für den 15fach vorbestraften Angeklagten machte sich Richterin Christine Conrad nicht leicht: „Da hat die Justiz schon alles versucht. Einige JVA-Aufenthalte, Geldstrafen, Bewährungsstrafen – aber nichts Einschlägiges bei den Vorstrafen.“ Die jetzt verhängte siebenmonatige Freiheitsstrafe setzte das Gericht mit einigem Goodwill nochmals zur Bewährung aus und fügte dem Urteil ein 360 Euro teure Geldauflage an. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Nach ihrem Richterspruch gab es für den Angeklagten noch eine Lektion in Sachen Zwischenmenschlichkeit. „Gerade wenn Sie als Sicherheitsmann gearbeitet haben, dann geht das gar nicht. Das ist das eine Erniedrigung“, so die Amtsrichterin.

Nilda Frangos

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