Wahl zwischen "Pest und Cholera"

Gegen Beton mit intellektuellem Touch: Der Starnberger Kirchplatz bekommt nun doch eine Bastion aus gestocktem Beton. Foto: Jaksch

Entscheidung zwischen „Pest oder Cholera“: Bei der Diskussion im Starnberger Bauausschuss, welche Art von Beton nun für die geplante Bastion - eine Wand zwischen oberem und unterem Kirchplatz, auf der Wasser fließt - verwendet wird, zeigte sich, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können. Sorgen bereitete den Stadträten dabei ganz offensichtlich, dass sie nach der Fertigstellung des umgestalteten Kirchplatzes womöglich von den Bürgern für ihre Gestaltungs-Entscheidungen kritisiert werden könnten.

Während WPS-Stadtrat Christian Vell überhaupt keinen Beton mag und und sich aufgrund der Dringlichkeit einer Entscheidung, genötigt sah, zwischen Pest oder Cholera zu wählen, teilte sich der Rest in zwei Lager: Die einen waren für „Stampfbeton“ - die anderen für „gestockten Beton“. Ersterer war von Architekt Andreas Kicherer vorgeschlagen worden, weil sich mit diesem mit groben Steinen verbundenen Beton eine reizvolle Schichtung mit grober Struktur aus lokalen Materialien ergibt, die ornamental anmutet. Diese alte Bautechnik wurde früher oft für Brückenbauwerke eingesetzt. Das war das Stichwort für WPS-Stadtrat Benno Gantner. Er vermutete: „Da werden uns die Leute fragen, ob uns die Beton-Platten ausgegangen sind?“ Für den zentralen Platz in der Stadt brauche man eine Gestaltung, die nicht ausschaue, wie halbfertig. Den Stampfbeton bezeichnete Gantner als Lösung für Individualisten mit intellektuellem Anspruch. Überhaupt hatte so manch einer der Stadträte große Bedenken, ob die Starnberger dieses Material überhaupt verstehen - als etwas Reizvolles. Laut Gerd Weger (CSU) würde es wohl auch nichts bringen, extra Schilder zur Erklärung auf zu stellen. Einen eleganten Platz, der von allen verstanden wird, forderte auch Holger Knigge (SPD). Dagegen vertraute Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger (UWG) den geistigen Fähigkeiten seiner Starnberger: „Ich hoffe, dass sie nicht minder bemittelter sind als wir hier“, sagte der Rathauschef und plädierte für den Stampfbeton mit intellektuellem Touch. Unterstützung bekam er von Grünen-Stadträtin Martina Neubauer. Sie empfand „gestockten Beton“ (hat eine feinere und gleichmäßigere Oberfläche) als viel „zu trist und bieder“: Das sei ja wie eine Art „Friedhofsmauer“, kritisierte sie. Am Ende konnten sich jedoch die Befürworter des „gestockten Betons“ mit 7:6 knapp mit einer Stimme Vorsprung durchsetzen. Ein entscheidenden Vorteil hat das Ja für dieses Material: „Den gestockten Beton kann man notfalls besser verkleiden, wenn er einem doch nicht gefällt“, stellte Gantner trocken fest.

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