Mit Waldbesitzern auf einer Linie

Viel Bucheckern und wenig Schnee haben die Zunahme der Schwarzwildbestände begünstigt. Foto: fkn

Die Zunahme der Schwarzwildbestände war auch bei der Pflichthegeschau der Kreisgruppe im Bayerischen Jagdverband wieder ein Thema. „2011 war ein traumhaftes Jahr für die Schwarzkittel – viel Bucheckern, wenig Schnee“, fasste der 2. Vorsitzende Hermann Bayerle die Lage zusammen. Bayerle regte deshalb bei der Hegeschau in Geisenbrunn gleich einen jährlichen „Jour fixe“ unter Beteiligung der Revierpächter und Grundeigentümer an, „damit wir uns nicht immer erst unterhalten, wenn Probleme auftreten.“ Die Jäger seien aber grundsätzlich „mit den Waldbesitzern auf einer Linie“, betonte Bayerle.

Die Pflichthegeschau dient als eine der Grundlagen für die jeweils neu festzusetzenden Abschusspläne: Aus dem abgelaufenen „Jagdjahr“ (1. April 2011 bis 31. März 2012) mussten sämtliche Schalenwild-Trophäen präsentiert werden – Geschossene und Unfallwild. Insgesamt erlegten die Jäger der fünf Hege-Gemeinschaften des Landkreises 2.395 Rehe, wobei laut Bericht 401 Rehe (16,7 Prozent) „durch Autounfall“ zu Tode kamen. „Jäger kümmern sich nicht nur um laut Jagdgesetz jagdbares Wild, sondern auch gerade um andere gefährdete Tierarten und Pflanzen – des Weiteren bergen und entsorgen sie kostenlos im Straßenverkehr verunfalltes Wild“, umschrieb Bayerle das Tätigkeitsfeld der Jägerschaft. Um auch bei der breiten Öffentlichkeit für positive Akzeptanz zu sorgen, soll es eine Plakat-Aktion und Ende Oktober in Starnberg sogar „Jägertage“ geben, ein oder zwei Tage am Wochenende, in denen die Bevölkerung über Funktionen und Bedeutung der Jägerei umfassend informiert werden soll. Ein Beispiel für dringend notwendige Aufklärungsarbeit war das vor kurzem von wildernden Hunden gerissene trächtige „Dam-Alttier“: Mit drastischen Fotos war auch in Geisenbrunn dokumentiert, was passieren kann, wenn verständnislose Hundehalter ihren Vierbeiner in Wald und Flur frei laufen lassen und den Hund nicht im Griff haben. Martin Fink von der Waldbesitzer-Vereinigung (2.000 Waldbesitzer gibt es im Landkreis) wies noch auf weitere, „zunehmende Beunruhigungen draußen in der Natur“ hin - Geo-Caching und Wildbogenschützen: Während Erstere sogar nachts durchs Unterholz brächen, um per Satellitenpeilung vorgegebene Punkte möglichst rasch zu erreichen, so Fink, schießen die Bogenschützen zwar angeblich nur auf Gummi-Tiere, aber auch damit sei Gefährdungspotential für echte Tiere verbunden. Der Landtagsabgeordnete Fink erntete bei seinem recht ausführlich geratenen „Grußwort“ nicht nur Beifall bei den versammelten Jägern, als er etwa die von Forstdirektor Markus Schmorell danach vorgetragene Grundlagenerfassung zu Waldkartierung und Abschussplänen als zu starken „gutachterlichen“ Eingriff in die Gestaltungsautonomie der Waldbesitzer kritisierte. Schmorell betonte, dass „Wald vor Wild“ komme und begrüßte ausdrücklich ein „verstärktes Engagement der Jägerschaft“ auch beim Thema Wald: Die 2009 bereits im Nachbar-Landkreis Weilheim-Schongau „revierweise“ durchgeführte Inventur zur nachhaltigen Wald-Verjüngung soll nun bayernweit „gitternetzartig“ erfasst werden – Ziel seien „gesetzeskonforme Abschusspläne“, so Schmorell: Wenn im Juni das komplette Verbiss-Gutachten zur Stellungnahme vorliegt, sind Jäger und Waldbesitzer zu gezielten Begehungen eingeladen. Man will künftig noch mehr an einem Strang ziehen.

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