Weichenstellung für Verkehr im Würmtal

Mehr als 100 Bürger waren ins Rathaus gekommen und hörten sich im Sitzungssaal in Planegg die ausführlichen Debatten des Gemeinderats über die Staatsstraße 2063 neu an. An diesem Abend wurden nach jahrelangen Diskussionen und auf Basis mehrerer Verkehrsgutachten die Weichen für die Entwicklung des Straßenverkehrs nicht nur in Planegg sondern im ganzen Würmtal gestellt.

In der Eröffnungsrede fasste Bürgermeisterin Annemarie Detsch die wichtigsten Eckdaten noch einmal zusammen: Bereits vor zehn Jahren hatten die Planegger sich gegen eine neue Staatsstraße von der Lindauer Autobahn A96 bis zur Münchner Straße ausgesprochen. In den folgenden Jahren wurde das Planfeststellungsverfahren von Oberbayern mehrfach bearbeitet. Vor allem die Gemeinden Gräfelfing und Planegg diskutierten, wie die Interessen beider Kommunen berücksichtigt werden können und entwickelten gemeinsam das Verkehrskonzept „Nördliches Würmtal“, das unter anderem eine komplette Sperrung der M21 von der Autobahnanschlussstelle Germering Richtung Planegg bis zur Sanatoriumsstraße und eine Weiterführung der neuen Staatsstraße nach Süden bis Neuried vorsah. Diesem Plan stimmte der Gemeinderat Planegg 2005 zu. Beides scheiterte allerdings am Veto der Obersten Baubehörde. In einem weiteren Gutachten wurden die komplexen Verkehrssituation im Würmtal und mögliche Lösungsvarianten rund um die 2063 neu nochmals dargestellt und Anfang Oktober im Gemeinderat Planegg ausführlich diskutiert (wir berichteten). Dieses Gutachten zeigte, dass Gräfelfing mit seinem erweiterten Gewerbegebiet von einer neuen Umgehungsstraße profitiert, während die stark belasteten Verkehrsadern in Planegg davon kaum entlastet würden. Bürgermeisterin Detsch berichtete außerdem, dass die jüngsten Gespräche mit der Regierung Oberbayern sowie mit der Obersten Baugehörde ergeben hatten, dass aufgrund leerer Haushaltskassen die Kommunen die Kosten für eine 2063 neu als Sonderbaulast überwiegend selbst tragen müssten: „Auf Planegg kämen mindestens rund 6,8 Millionen Euro Kosten zuzüglich Neben- und Grunderwerbskosten zu. Auch den erweiterten Lärmschutz für die betroffenen Wohngebiete müssten wir selbst finanzieren und wie die Gutachten und Prognosen zeigen, würden unsere Straßen kaum entlastet.“ Andererseits war an diesem Abend schon klar, dass Gräfelfing aller gutnachbarschaftlichen Beziehungen zum Trotz in dieser Frage einen Alleingang nicht scheut. Bürgermeister Christoph Göbel ließ bereits wissen, dass Gräfelfing den Teil der 2063 neu, der auf Gemeindegebiet liegt und eine bessere Verkehrsanbindung des erweiterten Gewerbegebiets bringt, auch ohne Planegg eine Umgehungsstraße bauen will, die an der Würmtalstraße endet. Die Zustimmung seines Gemeinderats dafür hat er schon. Und auch die Obersten Baubehörde signalisiert grünes Licht für den Gräferfinger Alleingang, wie Peter Weywadel, Leiter des Straßenbauamts München, den Planegger Kommunalpolitikern auf der Ratssitzung offen darlegte: „Wir finden das Gräfelfinger Konzept ausgereift und schlüssig und werden die Pläne unterstützen.“ Auch wenn das in der Folge mehr Verkehrs auf den Planegger Straßen bedeutet, räumt er eine Klage dagegen wenig Erfolg ein. Auch die Hoffnung der Planegger Bürgerinitiative auf eine Rückstufung der stark belasteten Germeringer Straße von einer Kreis- zur Gemeindestraße und ein dadurch mögliches Durchfahrtverbot seitens der Kommune für Lkw machte Weywadel zunichte: „Maßnahmen, mit denen sich die Verkehrssicherheit auf der Kreisstraße erhöhen lässt, sind möglich und das werden wir gern prüfen, aber eine Rückstufung kann schon mangels Alternativen nicht erfolgen.“ Außerdem zeigte das jüngste Gutachten, dass die Verkehrsbelastung auf der Germeringer Straße weniger dem Durchgangsverkehr zuzuschreiben sondern als Nah- und Zielverkehr berwiegend hausgemacht ist. Nach stundenlangen Debatten lehnte der Planegger Gemeindrat am Ende der Marathonsitzung die Staatsstraße 2063 im laufenden Planungsfeststellungsverfahren mehrheitlich ab. Die Gemeinderäte stimmten auch gegen eine eigene Planung der Staatsstraße in kommunaler Sonderbaulast. Die Kommune will sich stattdessen verstärkt um ein einheitliches Verkehrskonzept für das Würmtal bemühen und hofft dabei auf die Mitarbeit aller betroffenen Gemeinden. Ein schöner Traum, fürchten Experten. Denn längst ist klar, dass es für die Interessen von Germering, Krailling, Gräfelfing, Planegg inklusive Martinsried bis hin zu Stockdorf und Gauting keine Patentlösung mehr gibt. Was den einen nützt, bringt den anderen wenig oder gar nichts. Und solange jede Kommune nur bis zur eigenen Gemeindegrenze denkt, werden das Würmtal und alle angrenzenden Ortsteile weiter unter zunehmendem Straßenverkehr leiden.

Auch interessant

Meistgelesen

"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
Klinikum Starnberg: Telemedizinische Anbindung mit NIDA
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
ASTO-Erfolgsgeschichte geht weiter: Richtfest für Marriot Hotel
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus
Klaus Götzl: Drei Jahrzehnte für den Tourismus

Kommentare