Weßling: Absichtlich Auffahrunfall provoziert  

+

Weßling – Bremsen, Beschleunigen, Bremsen – der Maßregelungsversuch eines Autofahrers für einen seiner Ansicht nach zu dicht aufgefahrenen Hintermann ging im September 2015 so lange, bis es auf der Weßlinger Hauptstraße schließlich krachte.

Ein 25-jähriger BMW-Fahrer aus München wurde jetzt vom Starnberger Schöffengericht zu 14 Monaten auf Bewährung,3.600 Euro Geldauflage und 18 Monaten Führerscheinentzug verurteilt.

Das Gericht sah den angeklagten gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr ebenso als erwiesen an wie eine damit einhergehende vorsätzliche Körperverletzung: Im damals hinten draufgebrummten „Sprinter“ hatte sich der 15-jährige Beifahrer am Knie verletzt. Der durch den Auffahrunfall entstandene Sachschaden belief sich auf mindestens 7.800 Euro beim BMW des Unfallverursachers und nochmals mindestens 7.000 Euro beim Transporter – der Geschädigte war nun per Nebenklage vertreten und will den Schaden per Zivilklage ersetzt haben, den er selbst sogar auf 10.000 Euro bezifferte. Im nunmehr fortgesetzten Starnberger Strafverfahren wurden die Aussagen der Hauptbeteiligten vom 1.9.2016 verlesen und nur noch mündlich ergänzt - sie gingen diametral auseinander: Der BMW-Fahrer, ein Anlagenmechaniker mit einer Voreintragung wegen Nötigung, gab an, der LT sei ihm von Gilching kommend ab dem Kreisverkehr am Ortseingang Weßling dicht aufgefahren, habe Lichthupe und schließlich Dauer-Hupe gegeben und derart bedrängt, dass er sich dazu entschlossen habe, „einen Parkplatz zu suchen, weil ich mich der Situation entziehen wollte“. Diese Darstellung stützte auch seine Ehefrau: Sie habe ihren damaligen Freund gebeten, „den vorbei zu lassen“, weil sie es mit der Angst bekommen habe. Der Fahrer des „Sprinter“, ein 57-jähriger Haustechniker aus Weßling, berichtete eine längere Vorgeschichte: Der BMW habe ihn schon an der Spur-Verengung bei der Ausfahrt der A 96 Richtung Weßling „ausbeschleunigt und die Vorfahrt erzwungen“, als er den an der Ampel bei Grün stehenden Wagen links überholen wollte. Er habe hinter dem BMW einscheren müssen, dieser habe dann „ohne Anlass“ immer wieder gebremst, bis hinein nach Weßling: Dort, so der Nebenkläger, habe der Fahrer des BMW ab einer Verkehrsinsel „vier Mal beschleunigt“ und anschließend wieder zum Stillstand abgebremst – bei der letzten dieser jähen „Bremsattacken“ sei er dem Vordermann dann hinten aufgefahren. Ein neutraler Zeuge hatte vom Straßenrand aus die Manöver des BMW gesehen, war aber auch vom Dauer-Hupen des „Sprinters“ erst auf die Szene aufmerksam geworden. Dessen Fahrer sagte aus, der Unfallverursacher habe nach dem Crash die Position seines Wagens „verändert“ und alles per Adressenaustausch regeln wollen, er habe jedoch darauf bestanden, die Polizei zu holen. Der gegenüber hatte das Paar aus dem BMW vor Ort jegliche Angaben verweigert, weil es angeblich „unter Schock“ stünde, berichtete der Beamte, der damals den Unfall mitten in Weßling aufgenommen hatte: „Auf mich wirkten die aber relativ normal.“ Ein Unfallsachverständiger errechnete, dass auf der 187 Meter langen Strecke zwischen Verkehrsinsel und Unfallstelle nicht nur vier, sondern sogar sieben solcher Beschleunigen-Bremsen-Beschleunigen-Manöver theoretisch möglich gewesen wären - dies untermauerte letztlich die Beobachtung des neutralen Zeugen und die Aussage des geschädigten Weßlingers. Der Münchner habe den Unfall „absichtlich herbeigeführt“, sagte die Schöffengerichtsvorsitzende Brigitte Braun zur Urteilsbegründung: Ausschlaggebend für diese Einschätzung seien die Angaben des neutralen Zeugen gewesen sowie der Umstand, dass der BMW-Fahrer erst kurz vor dem Weßlinger Geschehen wegen einer Nötigung im Straßenverkehr verurteilt worden war. mps

Auch interessant

Meistgelesen

Zahl der Zweitjobber im Kreis Starnberg auf 5.800 gestiegen
Zahl der Zweitjobber im Kreis Starnberg auf 5.800 gestiegen
Tempolimit aufgehoben
Tempolimit aufgehoben
17-Jähriger zieht Messer
17-Jähriger zieht Messer
Eine gelungene Kooperation
Eine gelungene Kooperation

Kommentare