Ausbau-Gegner treffen sich an Weßlinger Umfahrung

Widerstand gegen Straßen-Projekte

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Weßling – Statistisch fahre jeder Autofahrer fünf bis sechs Kilometer, sagte Naturschützer Manfred Lehner. Damit stellte er in Frage, ob eine Umgehungsstraße wie in Weßling wirklich notwendig oder viel Verkehr einfach nur hausgemacht sei.

Das eigene Auto könnten Car-Share-Modelle, das Fahrrad oder Öffentliche Verkehrsmittel ersetzen. Einst gaben die Grünen den Deutschen mit „Wer Straßen sät, erntet Verkehr“ einen Denkanstoß auf den Weg. Die Erfahrungen von Kurt Heine gehen noch weiter, denn Straßenbau bringe unwillkürlich Projekte wie neue Gewerbegebiete mit sich, bekräftigte am Sonntag der Ortsvorsitzende von Bund Naturschutz (BN) Wörthsee und zementierte die Aussage mit einer Statistik: „In Bayern verschwinden jeden Tag 18 Hektar Natur unter Beton und Teer.“ Rund 50 Interessierte und Gegner der hiesigen Verkehrspolitik trafen sich am frühen Nachmittag unter dem Motto „Tatort Heimat – Do woa I dahoam“ an der sich im Bau befindenden Bahnunterführung südlich der Bahntrasse.

Die Weßlinger Umfahrung werde man nicht mehr verhindern können, bedauerte Heine. Dafür biete sich die Trasse als Sinnbild und gleichzeitig Mahnmal für zerstörte Naherholungsgebiete oder Lebensräume der Tierwelt zugunsten von Autofahrern an. Am Bauzaun waren Gedichte mit dem Thema Naturzerstörung befestigt. In einem erhob König Ludwig II. in Reimen den Zeigefinger und warf einen wahrlich treffenden Blick in die Zukunft, in der man sich „nach einem Lande“ fernab von moderner Technik, Lärm, Habgier und Hetze sehne. Oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts der französische Schriftsteller Paul Claudel, der die heutige Situation auf einen Satz reduzierte: „Bevor man die Welt verändert, wäre es vielleicht wichtiger, sie nicht zugrunde zu richten.“

Auch die Anwesenden konnten auf einer Tafel ihre Gedanken festhalten. Karin Guse aus Taufkirchen hinterließ darauf ihr Entsetzen darüber, „wie die Natur zerstört wird.“ Ein anderer stellte die Frage: „Noch lebt die Natur mit uns – wie lange noch?“ Die lokalen Umgehungsstraßen würden ohne überregionale Konzepte gebaut, prangerte Martin Hiemesch vom BN an. Und Spaziergängerin Marlies Pfob aus Steinebach betrauerte den wunderbaren Rundweg, der fortan im Norden ein abruptes Ende finden werde. Heine verwies auf die Zeichnung von Lehner, der dem Straßenbau ein Bild widmete. Von sechs Seiten wird darin eine Grünfläche von gierigen Autoviren angefressen. Beschriftet sind die Fressmonster mit „Ober-Unterbrunn“, „Ausbau der A96“ oder „Entlastungsstraße Inning“, die wieder im Gespräch ist. Weßling werde vom Sportplatz bis zur Umgehung irgendwann gewerblich bebaut sein, prognostizierte er. mk

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