Politisches Tauziehen

Weßlinger Gemeinderat beim Thema Nachverdichtung gespalten

Weßling Nachverdichtung
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Ein Ausschuss beschäftigt sich in Weßling mit der Nachverdichtung. Das Foto ist gut ein Jahr alt.

Weßling - Der Ausschuss für Ortsentwicklung und Kommunalaufgaben ist jetzt ein knappes Jahr alt. Beteiligt sind auch Mitglieder des Ortsbildbeirates. In der jüngsten Sitzung befasste sich das Gremium mit der Nachverdichtung – ein Mittel um dem Problem des knappen Wohnraums in Weßling entgegenzuwirken. Dabei wirkte die Debatte im Pfarrstadel streckenweise wie ein Tauziehen: Während der einen ob der Bodenversiegelung das Herz blutete, plädierte der andere für gezieltes Gestalten, statt ein Verhindern.

 Eine Zusammenfassung: Das erste von fünf Bauprojekten auf der Tagesordnung hatte der Bauwerber kurzfristig zurückgezogen – und lieferte nichtsdestotrotz mehr als eine halbe Stunde Gesprächsstoff. Zu hoch, die Tiefgarage unter dem Gartenanteil statt unter dem Gebäude versickerungstechnisch keine gute Idee und überhaupt zu massiv, wiederholten einige Redner ihre Abneigung. Nur wenige Tage zuvor hatte das Gremium dem Antragsteller diese Bedenken kundgetan, nachdem er das geplante viergeschossige Mehrfamilienhaus in der Schulstraße 29 vorgestellt hatte.

Ein offenkundig zunehmend verzweifelter Bürgermeister Michael Sturm versuchte die Diskussion abzukürzen – und scheiterte. Seiner Argumentation, doch erst die neuen Pläne abzuwarten, stieß auf Widerstand. Clemens Pollok (Grüne) betonte, dass es besser sei im Vorfeld zu planen, als im Nachhinein mit „dem Hammer eines Baustopps“ eine Verstädterung abzuwenden. „Wir sollten uns klare Ziele setzen, wie in Zukunft gebaut wird“, wünschte sich Pollok.

Ähnliche Bedenken trieb die Mitwirkenden auch beim nächsten Objekt in der Schulstraße um. Allerdings etwas wohlwollender, denn der Bauherr hatte erstens ein soziales Wohnprojekt im Sinn, und zweitens bereits von drei auf zwei Gebäude reduziert. Im Rahmen der anstehenden Änderung des in die Jahre gekommenen Bebauungsplans Hauptstraße im Teilbereich Untere Seefeldstraße und Gautinger Straße einigte man sich darauf, die Anlieger vor der Änderung bezüglich konkreter Baupläne auf ihrer Liegenschaft zu befragen. Anschließend wollte der Ausschuss erneut die Köpfe zusammenstecken und sich Gedanken um eine gefällige und doch effektive Neubebauung machen. Nur der Antragsteller eines Doppelhauses und eines Mehrfamilienhauses darf unabhängig davon seine Bauwünsche einreichen, so der Beschluss.

Richtig rund ging es dann ob des Bauwunsches eines Zweifamilienhauses an der Gautinger Straße. Prof. Donata Valentien verwies auf „die typische alte Villenstruktur“. „Die alten Villen sitzen höher und blicken über alte Gärten“, malte sie ein anschauliches Bild und wehrte sich gegen das Gebäude zu Lasten des „artenreichen Gartens“. An dieser Stelle schaltete sich Andreas Lechermann ein. „Ich habe den Eindruck, dass man mit aller Gewalt eine Veränderung verhindern will“, sagte der CSU-Mann. Aber eine Bebauung sei nicht aufzuhalten und er wolle „den Wandel gestalten und nicht blockieren.“ Ähnlich sah es Pollok und sprach sich für eine „kleinere und sensiblere“ Architektur aus. Nach der Sitzung war dann vor der Sitzung: Der Ausschuss wird sich noch einmal zusammensetzen und seine Vorstellungen bezüglich einer Nachverdichtung der besprochenen Areale zu Papier bringen.

 Michèle Kirner

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