Weßlinger Mitmachprojekt für Kinder während dem Lockdown

Nachbarschaftshilfe Weßling
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Justus Kuhlmann (von links) und Finja Kaspar dekorieren den Schaukasten vor der Nachbarschaftshilfe.

Weßling - Vor gut vier Wochen brachte die Kulturgruppe von Weßlings Nachbarschaftshilfe (NBH) „die große Suchaktion“ auf den Weg. Ab sofort startet das Nachfolgeprojekt „die große NBH-Mitmachaktion“. Die Ehrenamtlichen geben Eltern und Kindern monatlich ein Thema vor, das sie kreativ umsetzen. Später können sie mit ihren Werken in Weßling Schaufenster dekorieren.

Der Stresspegel in den Familien steigt und die Kinder verbringen deutlich mehr Zeit am Computer, stellt Ulrike Roos fest. „Ich höre von vielen Eltern, dass ihre Kinder nur noch vor dem Computer sitzen. Eine Mutter zweier Geflüchteten sagte, sie kriege die Jungs nicht mehr dazu, die Hausaufgaben zu machen“, erzählt Roos, Mitglied der Kulturgruppe. Besonders für die Fremdsprachigen sei die Schule zu Hause eine Herausforderung. 

Die pensionierte Lehrerin weiß, dass Kinder „nicht nur Zuhause sitzen, sondern etwas bewirken wollen“. Und ein fertiges Kunstobjekt schaffe in den Heranwachsenden eine Befriedigung. Anfang Januar beschloss sie, die Kinder mit um den See versteckten kreativen Säckchen, „zu motivieren, kreativ zu werden und an die frische Luft zu gehen“. Gedacht war das Projekt als eine Art Ventil für aufgestauten Frust. Kunst kann heilsam sein, stellte Roos bereits bei geflüchteten Jugendlichen und Kindern fest, mit denen sie seit 2015 malt, Skulpturen schafft, Filme dreht oder Improvisationstheater auf die Beine stellt. Besonders an den Gemälden ließe sich ablesen, dass sich etwas in ihnen verändere, sagt Roos. Triste Werke mit untergehenden Schiffen und auseinandergerissenen Familien lösten Impressionen ab, die ihr buntes Zuhause in Deutschland zeigten. Übertragbar sei das auf die Kinder, die derzeit darunter litten, dass sie nicht mit den Freunden herumtollen dürfen, damit sich das Virus nicht weiter ausbreitet.

Justus Kuhlmann (12) und Finja Kaspar (15) behängen Ende Januar den Schaukasten vor Weßlings Seehäusel mit bunten Papierfächern. Damit geben sie den Startschuss zum Mitmachprojekt, im Rahmen dessen die Nachwuchskünstler jeden Monat ein vorgegebenes Thema malen oder in Objekten darstellen können: Bis Mitte Februar ist das Motto Fasching, es folgen Fische unter dem Eis, Vögel im Winter, Frühlingsblumen und schließlich Schmetterlinge. „Mit ihren Werken gestalten sie die Schaufenster vor dem Parkettladen, dem Amselcafé, dem Café am See, dem Acoustic Corner und der Nachbarschaftshilfe“, erklärt Roos. Material bekommen sie diesmal nicht. Vielmehr sollen die Familien aktiv werden und gemeinsam Blätter, Steine oder Stöckchen sammeln und verarbeiten. Oder Zuhause auf die Jagd nach Lumpen, ausgedienten Wäscheklammern oder alten Zeitungen gehen, die sie anschließend in Form bringen.

Justus besucht die sechste Klasse einer Waldorfschule. Die Schule Zuhause funktioniere gut, sagt er und fände Homeschooling als Dauerzustand gar nicht schlecht. Die Gymnasiastin fände „eine Woche zu Hause und eine Woche in der Schule“ gut. Auf was sie sich freuen? Finja: „Auf die Gemeinschaft mit meinen Freunden.“ Justus: „Auf den Abi-Streich.“ Bis es bei ihm soweit ist, dürften tatsächlich wieder normale Zeiten eingekehrt sein.

 Mehr Informationen auf der Webseite www.nbh-wessling.de oder telefonisch unter 08153 / 37 00 beziehungsweise per E-Mail info@nbh-wessling.de.

 Michèle Kirner

 

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