"Werden zugeschüttet mit dem Dreck der anderen"

Weßlinger wehren sich gegen Pläne des Awista, nahe Hochstadt eine Müll-Umlade-Station zu errichten

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Hochstadt wehrt sich gegen den vorgesehenen Standort für das Wertstoff- und Dienstleistungszentrum des Abfallwirtschaftsverbands (Awista): Geschäftsleiter Peter Wiedemann erklärt die Beweggründe des Verbands auf einer Demo

Weßling/Hochstadt – Blöd gelaufen: Im September 2015 war sich Weßlings Gemeinderat einig, dass er neben dem Entsorgungsunternehmen Remondis an der A96 keine Umlade-Station für den Abfallwirtschaftsverband Starnberg (Awista) genehmigen möchte. Vergangene Woche hob der Rat ebenso einstimmig, dafür zähneknirschend den Beschluss wieder auf.

Dabei sah sich Günther Wieczorek (SPD) vor der Wahl zwischen „Pest oder Cholera“ und Helmut Böhm (Grüne) entschied sich für das geringere Übel. Denn Awista plante ein Wertstoff- und Dienstleistungszentrum auf Gautinger Flur – nur grenzt das Grundstück direkt an Hochstadt. Jetzt befürchten die Weßlinger mehr Verkehr durch ihren Ortsteil und sehen das unter dem Areal fließende Grundwasser gefährdet. Die Fläche war laut Awista-Geschäftsführer Peter Wiedemann das einzige Grundstück, das ihnen angeboten wurde. Damit möchte der Verband den „diktierten Preisen vom Monopolisten“, so Michael Sturm (FW), Remondis entgegenwirken. Das Gautinger Gremium genehmigte die Pläne im Juli einstimmig. „Wie Samariter“ seien sie sich vorgekommen, fand Sturm, der den Beschluss als Zuschauer verfolgte.

Auch ein Sozialkaufhaus ist geplant

Daraufhin nahm Sturm Maß: 600 Meter von Hochstadt und 1,9 Kilometer von Oberbrunn liege die Einrichtung entfernt, in der der Landkreismüll gesammelt werde. Dort soll Platz für schwer zu entsorgendes Styropor und ein Sozialkaufhaus entstehen. Die vier Hektar große Fläche liege außerdem am Wasserschutzgebiet und 160 Meter neben den beiden Brunnen, die rund 40.000 Bürger versorgten. Obenauf schlug Google als Route von Herrsching bis zur geplanten Umlade-Station Weßling und Hochstadt vor. Entsprechend hoch schlugen die Emotionen beim Ortstermin vor Sitzungsbeginn. Rund 80 Weßlinger, Politiker, Verbandsmitglieder, aber auch Gautinger Gemeinderäte waren gekommen. Andreas Beblo aus Hochstadt stand mit einem Fuß in Gauting und mit einem Fuß in Hochstadt. Dazwischen lag die Grenze des von Awista gekauften Bereichs. Mit der Option zurückzutreten, wusste Bürgermeister Michael Muther. Ob er diese wahrnehmen wird und sich für das Gelände an der A96 entscheidet, konnte Wiedemann nach der Demo noch nicht sagen. Gerhilde Schenck-Heuck vom Bund Naturschutz hielt eine flammende Rede gegen die Awista-Pläne: Diese planten „nichts anderes als ein Gewerbegebiet“ mitten im Grünen, polterte sie. Auch der Hochstadter Anton Quanz war wütend: „Wir werden zugeschüttet mit dem Dreck der anderen.“

Weßlinger wollen weiter Widerstand leisten

Mit einem von den Bürgern entworfenen Info-Blatt wollen sie den Widerstand aufrechterhalten, bis die Pläne vom Tisch sind. Warum die Räte erst im Juni von dem im Dezember gekauften Grundstück erfahren hätten, bemängelte Petra Slawisch (Grüne) in der Sitzung. „Die Information wurde in einer nicht öffentlichen Sitzung weitergegeben“, betonte Sturm. Als erste Maßnahme gegen den Bau folgte nun also die Zustimmung für eine Umlade-Station auf der Fläche am Röchner-Knoten. Muther begründete die Rückwärtsrolle unter anderem damit, dass der Verkehr nicht mehr durch Weßling, sondern über die Umgehung führe. „Der Gemeinderat ist weiterhin vom vorgestellten Konzept überzeugt“, sagte Gautings Pressesprecherin Charlotte Riebolt gegenüber unserer Zeitung. Ob sich das nach Weßlings Beschluss ändert, konnte sie freilich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Muther sucht jetzt das Gespräch mit der Nachbargemeinde. Auch Unger versprach während der Demo unter Applaus, dass er sich für eine Diskussion engagieren werde. Vorbereitende Maßnahmen würden sofort ergriffen, so Muther. Und sobald die Verbandsversammlung dem neuen Standort zustimmt, werde ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet.

M.Kirner

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