Winter taugliches WC

Es bleibt bei der Winternutzung der Toiletten auf dem Badegelände Seewinkel. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme (13:12) konnten sich bei der jüngsten Herrschinger Gemeinderatssitzung die Befürworter durchsetzen. Der frostsichere Betrieb, der eine Tieferlegung des Kanals erfordert, ist der Kommune knapp 40.000 Euro wert. Vor der Beschlussfassung lieferten sich Befürworter und Gegner eine teilweise emotionsgeladene Debatte um die Frage, ob es überhaupt einen Bedarf für ein frostfestes WC an dieser Stelle gibt.

Denn der Behindertenbeirat hatte erst vor Kurzem mitgeteilt, dass die Toilettennutzung in den Wintermonaten nicht unbedingt erforderlich wäre. Dagegen war von der Seniorenvertretung zu vernehmen, dass eine Öffnung auch außerhalb der Badesaison begrüßt werde. Zur Wiedervorlage im Gemeinderat kam das bereits beschlossene Kapitel aber nicht deshalb, weil sich verschiedene Gruppen mit Sinn und Zweck eines Winterbetriebs befasst haben, sondern weil jüngst vor dem Bauausschuss Jürgen Roll, zuständig bei dem Projekt für die Sanitär-, Heizungs- und Elektroanlagen, zu der Feststellung gelangte, dass das vorhandene Kanalnetz nicht frostsicher ist. Daraufhin wurde die Entscheidung kurzerhand an den Gemeinderat überwiesen (wir berichteten). Wie Roll dem Gremium erklärte, genügt die bislang geplante Kanaltiefe von einem Meter nicht und muss um mindestens 40 Zentimeter tiefer ins Erdreich gelegt werden. Dazu hat Architekt Uwe König verschiedene Varianten skizziert, auch mit dem Hintergrund, dass sich möglicherweise der Gemeinderat gegen einen Winterbetrieb aussprechen könnte. Die Debatte um das Für und Wider einer Mehrbelastung für die Gemeindekasse wurde auch vor dem Hintergrund geführt, dass die Kommune in den nächsten Jahren deutlich weniger Steuereinnahmen erwartet. Einen „sparsameren Umgang“ mit den Steuergeldern verlangte deshalb Christiane Gruber (BGH/FW). „Das ist rundherum einfach zu teuer.“ In das selbe Horn stieß auch Anke Rasmussen (Grüne), die nahezu eine Verdopplung des Preises (ursprünglich 20.841 Euro; d.Red.) als „unverhältnismäßig“ bezeichnete. An die vom ehemaligen Gemeinderat gesteckten Klimaziele erinnerte Christine Hollacher (BGH/FW), zumal die Toiletten in diesem Bereich touristisch nicht so von Bedeutung seien. Und auch „umweltpolitisch ist das äußerst fragwürdig.“ Werner Odemer (SPD) sprach sich komplett gegen Winter-WC’s aus, „wir haben die Gastronomie entlang der Promenade, das Kurparkschlösschen und die Minigolfanlage“. Statt viel Geld in die Hand zu nehmen, sollte sich die Gemeinde lieber mit einem Wirt in diesem Bereich zusammentun. Nichts da, hieß es aus den Reihen der Befürworter. Allen voran Josef Heiss (FBU) ärgerte sich einmal mehr darüber, dass „jedes Mal längst Beschlossenes wieder aufgerollt und zerpflückt werden muss“. Die vergangene Frostperiode habe es gezeigt, „wenn Eis auf dem See ist, dann kommen auch die Leute. Und die müssen auch mal aufs Klo“. Vor einer teueren Nachrüstung warnte wiederum Klaus Pittrich (CSU), „wir sprechen hier von einem Betrag von zehn Prozent der Bausumme“. Tatsächlich verdoppelt sich nahezu der Preis für das winterfeste Gebäude mit einem entsprechenden Kanal (mit Hebepumpe 7.900 Euro und Anschluss Strandbar 3.000 Euro), einem Erdgasanschluss (3.600 Euro) und dem Einbau dreier Lüfter (à 500 Euro) gegen Schimmelbildung. Die (winterfeste) Holzfaserdämmung für das WC-Gebäude kommt auf zusätzliche 1.600 Euro, die Isolierung aus demselben Material für den Kiosk (Sommerbetrieb) auf weitere 900 Euro. Damit nicht genug: Weitere Ausgaben von etwa 7.000 Euro drohen, sollte man bei den Bohrungen auf Grundwasser stoßen, das abgepumpt werden muss. Und für das von den Behörden erneut verlangte Schallschutzgutachten muss die Gemeinde ebenfalls selbst aufkommen. Durch die jetzt beschlossenen Bauausführungen, die wiederum mit deutlichen Mehrheiten (18:7, 17:8, 21:4) gefasst wurden, hat sich der Preis für die beiden Gebäude auf knapp 400.000 Euro erhöht. Zum Vergleich: 2007 hätte die Kommune für annähernd dieselbe Summe einen kompletten Winterbetrieb bekommen – was damals als zu teuer aber abgelehnt wurde.

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