"Wir schaffen auch Werte"

Bunt und fröhlich: Hinter dem von Kindern bemalten Bretterverschlag verbirgt sich die Nottreppe, über die im Brandfall die Mitarbeiter im Herrschinger Rathaus nach draußen gelangen. Anbau und Sanierung des Verwaltungsgebäudes sollen im Herbst beginnen. Foto: Puls

Rathauserweiterung, Schulsanierung, das neue Breitbrunner Feuerwehrhaus: Die Gemeinde Herrsching unterhält in diesem Jahr eine Reihe von eigenen Baustellen. Und dann gibt es noch den Ratsbeschluss, das Jugendhaus von der Luitpoldstraße in das alte Bahnwärterhäuschen an der Baderstraße zu verlegen. Doch wie verträgt sich das alles mit der angespannten Haushaltslage? Im Rathaus nutzte man die Sommerpause, um den Stand der Projekte sowie die Kassenlage zu ermitteln.

Es sei „alles im Rahmen“, erklärte bei einem Pressegespräch der Herrschinger Kämmerer Manfred Wörle zu den Ausgaben. Es müsse allerdings oberstes Ziel bleiben, die Großprojekte – also die energetische Sanierung samt Brandschutz der Christian-Morgenstern-Volks-schule (605.000 Euro), die Rathauserweiterung (heuer 600.000 Euro) und das Feuerwehrhaus Breitbrunn (insgesamt 1,8 Millionen, heuer 900.000 Euro) – möglichst schnell durchzuziehen. Vor allem, um die Kosten klein zu halten. Soll heißen, um etwaige Preissteigerungen bei den Materialien auszuschließen. Mit einem Haushaltsvolumen von rund 22 Millionen Euro für 2011 rechnen Bürgermeister Christian Schiller und sein Kämmerer. „Das ist sehr realistisch, wir haben auch noch nie so viele Millionenprojekte gehabt“, betonte Schiller. Mit dem Verweis, dass es sich teilweise um Pflichtaufgaben (Rathaus, Schule, Feuerwehrhaus) handle, die nun einfach anstünden. „Wir schaffen mit diesen Ausgaben aber auch Werte“, beruhigte er. Der Spagat eines ausgeglichenen Haushalts gelingt zumindest für das nächste Jahr noch durch ein Plus auf der Einnahmeseite durch eine Erhöhung der Mieten und Pachten für gemeindliche Liegenschaften. Ebenfalls sollen die Friedhofsgebühren angehoben werden. Aber auch, weil nicht alle Haushaltsposten abgerufen worden sind, sieht die Kassenlage der Gemeinde besser aus als prognostiziert. Etwa beim Grunderwerb für den Straßenbau, für den die eingestellten 100.000 Euro nicht komplett ausgegeben wurden. Selbiges gilt für die Park-and-Ride-Anlage (wir berichteten), bei der 140.000 Euro übrig bleiben. Erfreut ist man im Rathaus ebenfalls über Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer von voraussichtlich einer Million Euro. Der Ansatz lag für dieses Jahr bei 2,5 Millionen Euro. Dafür bleibt die Einkommensteuer weiter rückläufig. Trotz Dauerregens im Zeitrahmen Der Sommermonat August ist nicht nur allen daheim gebliebenen Kindern gründlich aufs Gemüt geschlagen. Auch Handwerker, Projektsteuerer und nicht zuletzt in den zuständigen Abteilungen im Rathaus dürften über Dauerregen und Hochwasser kräftig geflucht haben. Dennoch: Sowohl bei der Dachsanierung der Christian-Morgenstern-Volksschule wie auch beim Breitbrunner Feuerwehrhaus befinden sich die Arbeiten im abgesteckten Zeitrahmen. In der Schule sind mittlerweile doppelt so viele Arbeiter beschäftigt, damit bis zu Unterrichtsbeginn am 14. September neben dem Dach rechtzeitig auch der Austausch der Elektroinstallationen, die Lüftungsreparaturen und die Brandschutzmaßnahmen fertig werden. Besonders freut man sich im Rathaus auch über den großen Erfolg der Bürgervoltaikanlage. So gut wie alle Anteile sind mittlerweile verkauft. Weitere Projekte Mit der Sanierung der Ufermauer im Kurpark auf einer Länge von 30 Metern wird die Gemeinde Mitte Oktober beginnen. Neben den Ausbesserungsarbeiten soll dort eine Naturstein-Sitztreppe gebaut werden. Für das 120.000 Euro teurere Vorhaben gibt es aus dem europäischen Leader-Projekt rund 40.000 Euro an Förderung. Ebenfalls im Oktober möchte Bürgermeister Schiller zum Spatenstich für die „Rathausertüchtigung“ laden. Der Bauausschuss wird sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Ausführungsplanung und dem Bodengutachten befassen, „dann kann’s losgehen“. Um den Betrieb der Verwaltung möglichst aufrecht zu halten, soll zuerst der Anbau errichtet werden, dann erst wolle man mit der Sanierung und den Büroumbauten im alten Rathaus beginnen. „Mitte 2011 könnten wir fertig werden“, ist Schillers Hoffnung. Dagegen ist im Moment noch offen, wann mit den Arbeiten am alten Bahnwärterhäuschen begonnen werden kann. Auf etwa 430.000 Euro kommt der Kostenvoranschlag für das „Haus der Jugend“, wie es künftig einmal heißen wird. Fördermittel (unter anderem vom Landratsamt) gibt’s in aller Regel nur mit Auflagen – das Gebäude an der Baderstraße müsste barrierefrei ausgebaut werden, erklärte dazu Bauamtsleiter Gido Finster. „Das würde unsere Kosten erheblich steigern.“ Selbst mit Zuschüssen würde die Renovierung die Gemeinde noch 200.000 Euro kosten. Ursprünglich veranschlagt waren einmal von Architekt Walter Koziol 204.000 Euro. Auch, weil die jugendlichen einiges selbst renoviert hätten. Mit dem Thema beschäftigt sich der Gemeinderäte am 20. September. Nicht minderschwer liegt dem Bürgermeister eine Meldung der Herrschinger Feuerwehr im Magen. Das rund 30 Jahre alte Mehrzweckfahrzeug könnte schneller seinen Geist aufgeben als erwartet. „Wir wollten das 2012 angehen, jetzt müssen wir aber damit rechnen, dass wir schon deutlich früher Geld locker machen müssen“, so Schiller. Es geht um 100.000 Euro.

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