Wirtschafts-Studie Wohnen im Landkreis Starnberg

Kommunen müssen neue Wege gehen

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Stellten die Studie vor „Wohnen im Landkreis Starnberg - auch in Zukunft noch möglich?“: (v.l.) Marco Tschubel und Felix Embacher sowie Konversionsmanagerin Mandy Schwausch und Regionalmanagerin Katrin Kollmann.

Landkreis – Ist Wohnen im Landkreis Starnberg auch in Zukunft noch möglich? Die gute Nachricht: Mit 32.086 Euro verfügen die 63.709 Haushalte (Stand 2015) im Landkreis Starnberg über das höchsten Durchschnittseinkommen in der Bundesrepublik und können sich damit die die hohen Preise auf dem Immobilienmarkt leisten - statistisch gesehen.

Die schlechte Nachricht: Für Normalverdiener - auch wenn sie Vollzeit arbeiten - schaut es schlecht aus: Wenn sie nicht 40 Prozent und mehr ihres Einkommens für die Miete aufbringen - mit Folgen für die Altersvorsorge (vertretbar sind bis zu 30 Prozent für die Miete). In den kommenden 25 Jahren wird es für diese Haushalte bei einer derzeitig durchschnittlichen Quadratmeterpreis-Miete von 14,76 Euro immer schwieriger angemessenen Wohnraum zu finden - vom Kauf einer Eigentumswohnung oder dem Bau eines Hauses ganz zu schweigen. Denn wie viele andere Kommunen auch hat es der Landkreis versäumt, für genügend bezahlbare Wohnungen zu sorgen. Die Flüchtlingsthematik wird die Situation weiter verschärfen. In den nächsten 25 Jahren werden deshalb mehr als 7.000 Wohnungen im Landkreis fehlen, falls die Bautätigkeit nicht deutlich verstärkt wird. Im Auftrag der Gesellschaft zur Förderung der Wirtschafts- und Beschäftigungsentwicklung im Landkreis Starnberg (gfw) hatte das unabhängige Beratungsunternehmen bulwiengesa AG ein halbes Jahr untersucht, wohin die Reise in punkto Wohnen im Landkreis hingeht - um so den Kommunen Empfehlungen an die Hand zu geben. Aus Sicht des sozialen Gefüges geht die Bautätigkeit im Fünfseenland völlig am Bedarf vorbei: Obwohl es immer mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalte gibt, wurden im Landkreis hauptsächlich große Wohneinheiten beziehungsweise Häuser gebaut. Die Immobilien-Experten von bulwiengesa, Marco Tschubel und Felix Embacher, empfehlen deshalb ein Umdenken: „Der Landkreis braucht mehr Geschosswohnungsbau und weniger Ein- beziehungsweise Zweifamilienhäuser.“ Gerade in den vergangenen zehn Jahren ist im Landkreis nicht soviel gebaut worden, wie es der Markt erfordert. Gerade einmal 1.810 Mietwohnungen sind in diesem Zeitraum entstanden (Anteil von 21 Prozent an allen Neubauten). Zwar war mit 492 Sozialwohnungen hier der Anteil relativ hoch - dennoch reicht das längst nicht aus. Wenn hier von den Kommunen nicht gegengesteuert werde, damit sich auch Normalverdiener das Wohnen hier leisten können, kann das laut Embacher gravierende Auswirkungen für den starken Wirtschaftsstandort Landkreis Starnberg haben: „Der Mangel an Fachkräften wird dann nicht verringert werden können.“ Damit die Unternehmen qualifizierte Mitarbeiter für sich gewinnen können, müssen diese bezahlbare Wohnungen finden können. „Eigentlich muss der Landkreis Starnberg seine Bautätigkeit bis 2030 um 77 Prozent erhöhen, um den Bedarf decken zu können“, so Embacher. Grundstücke im Landkreis sind extrem teuer. Von 2008 bis 2013 sind die Quadratmeterpreis um mehr als das Doppelte gestiegen. Ein Quadratmeter Bauland kostet im Landkreis durchschnittlich 557 Euro. Bis 2030 werden neue 12.400 Wohnungen gebraucht - rechnet man die Bautätigkeit der vergangenen zehn Jahre hoch ergibt sich daraus ein Fehlbedarf von mehr als 5.000 Wohnungen. Deshalb steht für den Immobilienexperten Embacher fest: „Die Gemeinden müssen alle Möglichkeiten für den Wohnungsbau ausschöpfen - von Nachverdichtung in bestehenden Wohngebieten oder die Ausweisung von Neubaugebieten.“ Embacher forderte auch ein Umdenken bei der bisherigen Politik, Grundstücke mit höchstmöglichem Gewinn zu verkaufen: „Die Kommunen müssen bei der Vergabe von Baurechten neue Wege gehen und nicht immer an den Höchstbietenden zu verkaufen, sondern auch an denjenigen, der das beste sozialverträgliche Konzept vorlegen kann.“ Mit der Studie, die im Zusammenhang mit der Nachnutzung des Konversionsareals der Fernmeldeschule in Feldafing erstellt worden ist, will man laut Konversionsmangerin Mandy Schwausch und Regionalmanagerin Katrin Kollmann den Kommunen Argumentationshilfen liefern, warum auch Mietwohnungen mit einem nicht hochpreisigen Niveau notwendig sind.  aj

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