Aus dem Gericht

Zoff unter Nachbarn auf offener Straße

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Gauting – Wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung musste sich eine 53-jährige Frau aus Cham am Starnberger Amtsgericht verantworten. Das tatsächliche Geschehen vom April 2016 in Gauting entpuppte sich in der Hauptverhandlung dann allerdings als etwas harmloser:

Die nach Angaben ihres Anwalts und Betreuers zeitweilig unter Depressionen leidende Frau hatte damals den Tod ihrer geliebten Katze zu verkraften gehabt und sich von diesem Moment an in einer Art seelischem Ausnahmezustand befunden – als gar der Notarzt für die 53-Jährige gerufen werden musste und ein Nach-bar aus ihrem Geldbeutel die erbetene Gesundheitskarte entnahm, beschuldigte die Frau diesen, er habe auch 50 Euro aus der Geldbörse gestohlen. Einige Tage später kam es wegen der völlig ungeklärten Sache sogar zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung auf offener Straße: An der Ecke Bahnhof- und Ammerseestraße ging die angeblich Bestohlene auf den Nachbarn (38) und dessen Lebensgefährtin (26) los. Es setzte ausgerissene Haare, Tritte und einen Fausthieb gegen den Mann, der eine blutende Nase davon-trug und auch deshalb Strafanzeige erstattete, weil die wütende Angreiferin auch noch mit Steinen geworfen hatte: Die erwiesen sich im Prozess nun als Kieselsteine, welche die 53-jährige Angeklagte im Blumenbeet an der Straßenkreuzung aufgeklaubt und eher nicht zielgerichtet gegen den Mann geschleudert hatte – er hatte in dem Moment nämlich seine kleine Tochter auf dem Arm. Einen blauen Fleck am Bein hatte er hinterher dennoch zu beklagen. „Zum Arzt gegangen bin ich aber nicht, weil ich nicht krankenversichert bin“, so der Geschädigte, ein arbeitsloser Musiker. Mit der Nachbarin, die ihre Diebstahlsbezichtigung zurückgenommen hatte, habe man sich inzwischen längst wieder ausgesöhnt: „Sie hat sich tausendmal bei uns entschuldigt, und wir haben das akzeptiert. Sie liebt doch unsere Tochter so“, ließ der Zeuge wissen. Auch dessen Lebensgefährtin räumte ein, bei der Keilerei auf offener Straße nicht ganz untätig geblieben zu sein: „Kann schon sein,dass ich ihr in paar Harbüschel ausgerissen habe“, so die 26-Jährige. Für die Staatsanwaltschaft und Richterin Brigitte Braun war vor allem das ellenlange Vorstrafenregister der Angeklagten ein Problem - 35 Eintragungen seit 1977. Nachdem der Verteidiger und Betreuer der Frau jedoch versicherte, sein Schützling befinde sich auf dem Weg der „psychischen Stabilisierung“, wurde im Urteil noch einmal Bewährung eingeräumt: drei Monate, ausgesetzt für drei Jahre; als Auflage hat die Chamerin 20 Sozialstunden nach Einteilung durch die „Brücke Starnberg e.V.“ abzuleisten. mps

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