Die zweite Chance

Auf Einladung der Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung im Landkreis Starnberg mbH (gfw) trafen sich Ende Mai rund 30 Unternehmer aus dem Landkreis zu einer Informationsveranstaltung auf Schloss Fußberg in Gauting in den Geschäftsräumen der Firma Engel&Zimmermann AG. Das Thema des Abends: Wie kann der Mittelstand die Finanzkrise überleben?

Was tun, wenn Aufträge ausbleiben, Liquiditätsengpässe entstehen, Waren nur noch gegen Vorkasse geliefert werden, Banken weitere Kredite verweigern und die Abwärtsspirale sich immer schneller dreht? Experten erwarten bundesweit für dieses Jahr zwischen 33.000 und 40.000 Firmenpleiten. Am Amtsgericht Weilheim, zuständig für die Landkreise Starnberg, Weilheim und Garmisch, wurden im vergangen Jahr 139 Insolvenzverfahren eröffnet. Allein in den ersten vier Monaten 2009 waren es schon 68, hochgerechnet auf das Gesamtjahr könnten es fast 300 werden. Alexander Ballmann von CMS Hasche Sigle, einer deutschen Wirtschaftskanzlei mit mehr als 600 Anwälten auf dem Gebiet des Arbeits-, Bank-, Handels- und Gesellschaftsrechts und Partnergesellschaft von Rechtsanwälten und Steuerberatern, die insgesamt mehr als 1.200 Mitarbeitern in neun Großstädten beschäftigen, erklärte in Gauting, weshalb eine „geplante und gut vorbereitete Insolvenz nicht das Aus für eine Firma bedeutet“. Und dass Insolvenzen oft auch für kleine Firmen und Handwerksbetriebe eine Lösung aus der Kostenklemme sind. Ziel eines Insolvenzverfahrens ist nicht die Abwicklung sondern die Restrukturierung und Sanierung eines grundsätzlich überlebensfähigen Unternehmens. Mit der Reform des Insolvenzrechts vor zehn Jahren wurden die Bedingungen dafür verbessert. Das Arbeitsamt übernimmt erst einmal für drei Monate die Gehälter. Ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter darf alle bestehenden Verträge (wie Miet-, Leasing-, Liefer-, Kredit- und Arbeitsverträge) kündigen, notfalls Personal leichter abbauen und die sanierte Firma in geeignete Hände übergeben. Zwei Beispiele aus dem Weilheimer Insolvenzgericht: Für eine Metzgerei wurden innerhalb kürzester Zeit neue, sprich günstigere Zulieferer gefunden, eine kleine, nicht einträgliche Filiale geschlossen und der Betrieb inklusive rund acht Beschäftigten auf den Sohn des früheren Besitzers übertragen. Und der Laden läuft seither prima. Bei einer Spedition hat der Insolvenzverwalter vor allem teure Leasingverträge für die LKW gekündigt und die Mitarbeiter von sieben auf drei reduziert. Auch dieser Betrieb läuft verkleinert gut weiter. Leider, so bedauerte Ballmann, „dauert es selbst in großen Betrieben oft erschreckend lange, bis auffällt, dass sich die wichtigen Unternehmenskennzahlen wie Auftragsbestand, Cash-Flow und Gewinn verschlechtern, dass etwas nicht mehr stimmt.“ Sein Rat: Auf erste Anzeichen einer Verschlechterung achten und so früh wie möglich von einem betriebswirtschaftlich versierten Juristen beraten lassen. Ballmann: „Es ist höchste Zeit, dass die Insolvenz ihr negatives Image verliert und als sehr effektive Restrukturierungschance wahrgenommen wird.“

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