Ab 2014 Strom aus Erdwärme? – Geothermieprojekt ist Hauptthema bei Bürgerversammlung im Mai

Die geologischen Vorerkundungen für das Weil- heimer Geothermieprojekt sind abgeschlossen. Jetzt geht es an die Umsetzung. Mit konkreten Aussagen zur aktuellen Situation vor Ort hält sich der Geschäftsführer des Projektträgers „Erdwärme Oberland“ zurück. „Wir sind noch nicht so weit“, erklärte Dr. Markus Wiendieck vergangenen Donnerstag im Stadtrat. Kann die Geothermie außer Kontrolle geraten? Wer haftetet bei Folgeschäden an Gebäuden? W

ie viel Fläche braucht ein Bohrplatz? Wie groß der Aufklärungsbedarf in Sachen Geothermie ist, zeigte sich erneut in der jüngsten Stadtratssitzung. Wiendieck referierte ausführlich über Technik und Chancen der Erdwärmenutzung im Allgemeinen, ging auf Fragen der Stadträte ein und warb für die Geothermie in Weilheim. „Erdwärme Oberland“ ist Teil eines weltweit operierenden Konzerns mit Sitz in Neuseeland. Wiendieck schreibt dem Weil­heimer Projekt eine „Leuchtturm“-Funktion zu und betonte, dass die Region „geologisch optimale Voraussetzungen“ mitbringe. Neben den Stadträten folgten gut 30 Besucher dem Redner sehr aufmerksam, bis Bürgermeister Markus Loth nach fast zwei Stunden die Erdwärme-Thematik beendete. Bei der Tiefen Geothermie, wie sie in Weilheim angewandt werden soll, handelt es sich laut Wiendieck um ein geschlossenes System, eine Gefahr von Bodenabsenkungen sei nicht gegeben. Erdwärme in Bayern sei sauber und sicher, hielt der Redner Geothermie-Skeptikern entgegen, die sich in der „Bürgerinitiative fürs Oberland“ zusam- mengeschlossen haben. Im Gegensatz zu den meisten erneuerbaren Energien sei die Erdwärme grundlastfähig, also rund um die Uhr verfügbar. In Weilheim erhofft sich der Projektträger in 4000 Meter Tiefe 1400 Celsius heißes Wasser. „Wir wissen es noch nicht genau“, schränkte Wiendieck ein. Zur Energiewende im Landkreis, gab sich der Geschäftsführer von „Erdwärme Oberland“ überzeugt, kann die Geothermie einen großen Beitrag leisten: Mit einer zehn MW-Erdwärmeanlage könnten die Hälfte des Strombedarfs der Landkreisbewohner gedeckt und 50 000 Tonnen CO2 eingespart werden. Ein durch die Geothermie ausgelöstes Erdbeben schließt Wiendieck aus: „Die Gegend hier ist eine seismische Ruhezone.“ In der Bohrphase wie auch beim Betreiben des Kraftwerkes ließe sich Lärm nicht vermeiden. „Erdwärme Oberland“ werde sich jedoch strikt an die gesetzlichen Normen halten, versprach Wiendieck. In der Diskussion bekräftigten Stadtrat und Bürgermeister ihre positive Haltung zur Geothermie. Energie- und Umweltreferent Stefan Zirngibl (CSU) sieht darin eine „große Chance“, und Dr. Claus Reindl (BfW) findet es an der Zeit, die regenerativen Energien weiter auszubauen. Allerdings, so Reindl, müssten Befürchtungen über Erdbewegungen durch die Bohrungen und daraus resultierende Risse in den Wänden ausgeräumt werden. „Die Menschen haben Angst“, hat Reindl festgestellt. Versicherungsrechtliche Fragen bei Folgeschäden wurden aufgeworfen und der Landverbrauch hinterfragt. Für einen Bohrplatz sind laut Wiendieck 3000 m2 nötig, später wird „auf wenige hundert Quadratmeter zurückgebaut“. Die Fläche für die gesamte Geothermieanlage inklusive Kraftwerk bezifferte er mit eineinhalb Hektar, was der Fläche von zwei Fußballfeldern entspricht. „Erdwärme Oberland“, erklärte Wiendieck auf Nachfrage von Uta Orawetz (CSU), werde ein Kraftwerk errichten und ist daran interessiert, der Stadt Wärme zu verkaufen. Wie diese zum Verbraucher transportiert wird, sei allerdings Sache der Stadt. Ab 2014 könnte „Erdwärme Oberland“ nach Wiendiecks Prognose Strom aus dem Weil­heimer Kraftwerk liefern. Was mit dem Aushub geschehe, wollte Ingo Remesch (SPD) wissen. Das „weder radioaktive noch anderweitig gefährliche Material“ werde analysiert und entsprechend entsorgt, antwortete ihm der anwesende Geowissenschaftler der Firma, Winfried Büchl. Auf behördliche Kompetenzen ging die Leiterin der städtischen Bauverwaltung ein. Für Genehmigungen, die das Bergrecht betreffen (von seismischen Untersuchungen bis zur Gewinnung von Erdwärme), sind Regierung und Wirtschaftsministerium zuständig. Alle Maßnahmen über dem Erdboden (Geothermiekraftwerk, Fernwärmenetz) werden im Zuge von Baugenehmigungsverfahren über Landratsamt und Kommune abgewickelt. „Der Flächennutzungsplan muss geändert und ein Bebauungsplan für das Gelände erstellt werden“, klärte Karin Groß auf und zog ein Raumordnungsverfahren in Betracht. Bürgermeister Loth verwies auf die Bürgerversammlung am Dienstag, 24. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadthalle, in der „Erdwärme Oberland“ ihr Weilheimer Projekt vorstellen wird. Gelenkt von einem neutralen Moderator, sollen die Chancen und Risiken der Geothermie mit den Weilheimern diskutiert werden.

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