3D-Seismik holt Daten aus der Tiefe – Geothermie Weilheim: "Erdwärme Oberland" startet im November Messkampagne

Das Erlaubnisfeld „Weilheim“ umfasst Teile unseres Landkreises und Randgebiete der Nachbarlandkreise Landsberg und Starnberg. Quelle: Erdwärme Oberland GmbH

Nach ersten seismischen (geowissenschaftlichen) Untersuchungen im Jahr 2007 und dem Rückzug der inzwischen nicht mehr existenten „Geothermie Weilheim GmbH“ kommt wieder Bewegung in das Weilheimer Geothermieprojekt. Um festzustellen, ob Bohrungen nach unterirdischem Heißwasser sinnvoll sind, startet jetzt die „Erdwärme Oberland GmbH“ im November eine 3D-seismische Messkampagne.

„Die Region ist gesegnet mit dem Schatz Erdwärme. In der Umgebung von Weilheim lagern vermutlich in 4 000 Meter Tiefe Heißwasservorkommen, die sich über geothermische Anlagen als Heizenergie oder zur Erzeugung von klimafreundlichem Strom nutzen lassen,“ ist Dr. Markus Wiendieck, Geschäftsführer von „Erdwärme Oberland“, überzeugt. Sein Unternehmen, eine Tochter der international tätigen „GeoGlobal Energy Europe GmbH“ mit Sitz in München, hat für das Feld (Claim) „Weilheim“ die Erlaubnis, nach Erdwärme zu suchen. Noch besitzt der frühere Claim-Inhaber „Exorka“ Rechte an dem Areal. Diese sollen 2011 ganz an „Erdwärme Oberland“ übergehen, verkündete Wiendieck bei einem Pressegespräch im Rathaus. Ziel des Unternehmens ist, auf eigenes Risiko Erdwärme zur Strom- und Wärmegewinnung zu erschließen. Zurzeit sind in dem 150 km2 großen Untersuchungsgebiet Mitarbeiter der Firma IPS unterwegs. Sie erkunden den optimalen Verlauf der Messstrecken und holen bei den Grundstückseigentümern die Genehmigungen für das Auslegen der Sensoren (Geophone) ein. „Über 1000 Personen wurden bereits angesprochen“, berichtete Projektplaner Heiko Wilhelm; die „überwiegende Mehrheit“ habe zugestimmt. Selbst wenn nicht alle Grundeigner ihr Einverständnis geben, stünden genügend Flächen für die Messungen zur Verfügung, betonte Wilhelm. Mit den eigentlichen geophysikalischen Messungen kann die deutsche Firma „DMT“ beginnen, sobald die Zustimmung des Bergamtes Südbayern vorliegt. „Erdwärme Oberland“ peilt Mitte November an. Je nach Wetter sind dafür acht bis zehn Wochen veranschlagt, denn starker Regen behindert laut Wilhelm die Arbeit. Im Anschluss werden die Speziallastwagen im Konvoi die Trassen entlang rollen und mit abgesenkten Platten Vibrationen erzeugen. Diese Signale werden in den Untergrund gesendet und von den Geophonen aufgezeichnet. Die Auswertung gibt einen dreidimensio- nalen Einblick in den tiefen Untergrund und spürt geologische Strukturen auf, in denen heißes Wasser zu erwarten ist. Gefahren gehen von dieser Technik keine aus, hieß es und dass die Fahrzeuge nicht von Straßen und Wegen abweichen werden. Auf der B2 wird der Konvoi ebenso unterwegs sein wie innerorts. Mit Verkehrsbeeinträchtigungen muss gerechnet werden. Gemessen wird alle 50 Meter. „Jeder Punkt wird drei Mal vibriert, während der Aufzeichnungen müssen die Lkw stehen bleiben“, begründet dies Wilhelm. Bis zum Frühsommer sollen die Ergebnisse vorliegen. Dann fällt laut Wiendieck „die Entscheidung, ob in Weilheim ein Bohrturm aufgestellt wird“. Dessen Standort sei noch völlig offen. Zu den Kosten der seismischen Untersuchungen wollte sich der Geschäftsführer nur soweit äußern, dass sie „deutlich über einer Million Euro“ liegen. Läuft alles nach Plan, so könnte die Geothermie Weilheim in drei bis fünf Jahren Strom und Wärme liefern. „Endlich nimmt die Geothermie konkretere Formen an“, begrüßt Bürgermeister Markus Loth die Initiative und hofft, bei den Bürgern „mit größtmöglicher Transparenz Verständnis zu wecken und Ängste abzubauen“. Das Projekt wird auch Thema der nächsten Bürgerversammlung sein. „Erdwärme Oberland“ wird vor Messbeginn an die betroffenen Haushalte Flyer verteilen und am Donnerstag, 26. Oktober, von 14 bis 16 und 18 bis 20 Uhr im Rathaus Sprechstunde halten. Mehr Informationen zur Geothermie Weilheim im Internet unter www.erdwaerme-oberland.de (wird in Kürze frei geschaltet). Ein Verlinken mit der städtischen Homepage ist geplant.

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