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50 Jahre Weilheim-Schongau: Landkreis-Jubiläum gefeiert

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Von: Sofia-Leonie Wiethaler

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Festveranstaltung Landkreis-Jubiläum
Die Geehrten zusammen mit Vertretern der Politik bei der Festveranstaltung in Raisting. © Wiethaler

Landkreis/Raisting – Die Anfänge des Landkreises Weilheim-Schongau seien manchmal etwas holprig gewesen, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß. Weilheim-Schongau habe sich aber entwickelt und könne nun unter anderem mit regionaler Vielfalt und einer hohen Wirtschaftskraft punkten.

Aus der damaligen „Vernunftsehe“ wurden über die Jahre viele Großprojekte auf den Weg gebracht. Ohne freiwilliges Engagement, egal in welchem Bereich, wäre „unsere Welt“ aber nur halb so erfüllt, lobte die Landrätin die Arbeit Ehrenamtlicher. Das brachte sie dann auch gleich zur Verleihung des Goldenen Ehrenrings des Landkreises an den ihrer Meinung nach „schönsten Mann Bayerns“ – Max Bertl.

Verleihung Goldener Ehrenring

Ursprünglich hätte die Vergabe schon in der Weihnachtssitzung des Kreistags stattfinden sollen. Das war coronabedingt aber nicht möglich. „Du bist einer, der zupackt“, so die Landrätin über den Geehrten. Als Zimmerermeister in Wildsteig habe er gute Arbeit geleistet, viele Dachstühle aufgestellt und schöne Holzhäuser erbaut. 1964, mit 18 Jahren, trat Bertl dem Trachtenverein Alpengruß in Wildsteig bei. Sein Engagement zeigte er zuerst als Mitglied im Vereinsausschuss, ab 1984 als zweiter Vorstand und ab 1986 dann als erster Vorstand. Auch im Gauvorstand Oberer Lechgau war er aktiv. Ab 2002 brachte er sich als zweiter Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands ein, ab 2011 dann als erster Landesvorsitzender – und somit „als oberster Trachtler Bayerns“, lobte Jochner-Weiß. 2021 habe er das Amt abgegeben. Auch seiner Gattin Annemarie Bertl dankte Jochner-Weiß. Sie habe das Engagement ihres Mannes immer akzeptiert und respektiert.

Auch Bertls zahlreiche weitere Ehrenämter sprach Jochner-Weiß an. Jedoch gehe es in erster Linie um die Werte, die Bertl vertritt. In seiner ursprünglichen Art verkörpere der Geehrte den Bayern schlechthin. „Du weißt einfach was sich gehört“, fand die Landrätin klare Worte. Bertl wisse, wann das Richtige zu sagen sei – aber auch, wann es besser ist nichts zu sagen. Er habe nie jemanden im Regen stehen lassen: „Wenn du dein Wort gegeben hast, dann hat das gegolten.“

Der Geehrte selbst, dem zunächst die Worte fehlten, bedankte sich mit einem herzlichen „Vergelt´s Gott“ bei der Landrätin und den Kreisräten für die Auszeichnung. Wenn man hinter etwas stehe, dann tue man es gern und empfände es nicht als Belastung. Sonst könne man so etwas nicht machen. Bertl gab zu, dass er den Zusammenschluss der Landkreise damals nicht ganz verstanden habe. Aber es sei sicher die richtige Entscheidung gewesen – auch wenn man innerhalb des Landkreises weit zu fahren habe, witzelte Bertl.

Verleihung des Sozialpreises

Den Sozialpreis 2021, dessen Vergabe ebenfalls verspätet stattfand, durften Gillian Susan Pal und Christine Perzul für die Rheuma Arbeitsgemeinschaft Weilheim-Schongau in Empfang nehmen. Die Arbeitsgemeinschaft sei mehrfach für den Preis vorgeschlagen worden, sagte Jochner-Weiß. Sie engagiert sich seit 2006 für rheumakranke Menschen und betreut derzeit circa 300 Mitglieder im Landkreis. Zu den Zielen der Arbeitsgemeinschaft gehört es unter anderem die Erkrankungen der Öffentlichkeit bekannt zu machen, Menschen, welche an Rheuma erkrankt sind, zu betreuen und zu beraten, Wasser- und Trockenübungen mit speziell ausgebildeten Therapeuten anzubieten und durchzuführen sowie Treffen zum Austausch von Erfahrungen und andere gesellschaftliche Zusammenkünfte zu organisieren.

Für viele Betroffene sei die Arbeitsgemeinschaft ein wichtiger Anker. Die Ehrenamtlichen würden mit zahlreichen und vielfältigen Therapiemöglichkeiten, Plänen und Konzepten unterstützen. „Das tun Sie nur für Gotteslohn“, würdigte die Landrätin den Einsatz. Dies täten sie in einer Zeit, in welcher der Patient allzu leicht zum Kostenfaktor würde. „Machen Sie weiter so – wir brauchen Sie!“, schloss Jochner-Weiß.

Pal bedankte sich im Namen des Vorstands für die Würdigung und den Scheck. Die Arbeitsgemeinschaft habe das Geld „bitter nötig“ und sei immer auf Spenden angewiesen. Die Mitwirkenden seien ein Team mit sehr vielen Ehrenamtlichen und guten Therapeuten.

Verabschiedung Fritz Raab

Der Festakt zum Jubiläum bot auch einen würdigen Rahmen für die Verabschiedung des früheren EVA GmbH Geschäftsführers Fritz Raab. Er war ab 1976 beim Landkreis tätig. Seine letzte Tätigkeit als Geschäftsführer der EVA GmbH übte er bis 2021 aus – die Verabschiedung musste aber auch vertagt werden. „Fritz Raab, du bist ein wirklich echtes Gewächs unseres Hauses“, so Jochner-Weiß. Am 1. September 1976 begann er seine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten. Nach einem kurzen Gastspiel in der Registratur sei er in das Sachgebiet Wasserrecht gewechselt. Dort zeigte sich früh seine Begabung, sein Fleiß und seine Kompetenz, denn schon nach zwei Jahren übernahm er die kommissarische Leitung des Sachgebiets Wasserrecht und Energiewirtschaft. Ein Jahr später besetzte er den Posten des Stellvertreters. 1983 wurde er dann zum Sachgebietsleiter für Wasserrecht und Energiewirtschaft berufen. Diese Tätigkeit übte er bis 1992 aus. Als der Landkreis ebenfalls 1992 zusammen mit der Holzmann Umwelttechnik die EVA GmbH gründete, suchte man für sie einen Prokuristen mit guter Vernetzung zu den Landkreisinstitutionen. Raab wurde zum zweiten Mann hinter dem damaligen Geschäftsführer Günter Höß. Als dieser 2003 in den Ruhestand ging, hätte es keine Frage gegeben, wer der richtige Nachfolger ist.

Wichtige Meilensteine in Raabs Zeit als Geschäftsführer seien unter anderem der Kooperationsvertrag mit der WGV, der Einstieg in den PV-Anlagenbau, der Bau der Ersatzbrennstoffanlage und der Ausbau der Grüngutsammelstellen im Landkreis gewesen.

Bereits im vergangenen Jahr hat Raab seinen Posten an Nachfolger Holger Poczka übergeben. Dank Raabs Engagement würde der Landkreis und seine Bürgerinnen und Bürger, „heute der Verantwortung gegenüber der Umwelt und den nachfolgenden Generationen in wachsendem Umfang gerecht“, sagte Jochner-Weiß. Sie dankte Raab des Weiteren für seinen hohen Einsatz in 45 Jahren, seine Zuverlässigkeit und den immer angenehmen kollegialen Umgang. „Du wirst immer mit der EVA verbunden bleiben.“

Raab selbst, der nach eigenen Angaben schon lange nicht mehr so nervös gewesen war, freute sich, dass so viele Kollegen aus dem Landratsamt vor Ort waren. Er sei „außerordentlich dankbar“ und seine Verabschiedung, im Rahmen des Landkreis-Jubiläums, „hätte nicht schöner sein können.“

Im Anschluss sprach Raistings Bürgermeister Martin Höck, der sich freute, dass der Festakt „in unserem Ort“ stattfand, einige Worte. 1881 wurde die Gemeinde dem Bezirksamt Weilheim zugeordnet (seit 1972 Landkreis Weilheim-Schongau). Nach der Gemeindegebietsreform 1978 gehörte Raisting zunächst einer Verwaltungsgemeinschaft mit Wielenbach und Pähl an. Aus dieser hätte sich Wielenbach relativ schnell wieder verabschiedet. 2007 wurde sie dann ganz aufgelöst. Jedoch funktioniere die lose informelle Zusammenarbeit auch ohne „Zwangsehe“ gut, sagte Höck. Auch die Ortsteile Raisting und Sölb seien zusammengewachsen. Bekannt sei Raisting unter anderem für das Radom – die Geburtsstation der „modernen Kommunikation.“

Die Festansprache hielt Sabine Kahle-Sander, Regierungsvizepräsidentin von Oberbayern. Es sei sehr klar, dass der Zusammenschluss der Landkreise inzwischen mehr als nur eine „Vernunftsehe“ sei. Es habe sich gelohnt. Weilheim-Schongau sei ein starker Landkreis in Oberbayern. Jedoch hätten auch die Bürger das Unterfangen kritisch gesehen. Allein zwei Jahre lang sei von einigen über das neue Wappen des Landkreises diskutiert worden, wusste Kahle-Sander als Anekdote zu erzählen. Allerdings sei Weilheim-Schongau ein gelungenes Beispiel dafür, dass durch die Gebietsreform starke, leistungsfähige Landkreise entstehen konnten.

Die hohe Einwohnerzahl Weilheim-Schongaus würde zeigen, wie groß die Anziehungskraft des Landkreises sei. Und auch in Sachen Klimaschutz und im Bildungssektor würde sich der Landkreis sehr engagieren. Die neue Berufsschule sei ein „Leuchtturmprojekt.“ Der Landkreis habe in den letzten Jahren viel geschafft und Kahle-Sander war sich sicher, dass er dies auch in den nächsten Jahren tun wird.

Im Anschluss wurden die Feierlichkeiten ins Radom verlagert, wo die Ausstellung anlässlich des 50-jährigen Bestehens eröffnet wurde. Besuchern wird dort einiges an Informationen und Exponaten zum Besichtigen geboten (siehe Bilder).

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