Gut - aber zu teuer

Andreas Ruland, Geschäftsführer des Kilinikverbundes Kempten-Oberallgäu, ist optimistisch und sieht die Region gut aufgestellt. Foto: Josef Gutsmiedl

War die internationale Wirtschafts- und Fiananzkrise vor einem Jahr auch beim Neujahrsempfang der Oberallgäuer CSU das Top-Thema, konnte der Kreisvorsitzende, Joachim Konrad heuer bereits von einem „zweiten deutschen Wirtschaftswunder“ sprechen. Andererseits galt diesmal das Thema des Abends der Herausforderung, wie ein bezahlbares und leistungsfähiges Gesundheitswesen sichergestellt werden kann. Andreas Ruland, Geschäftsführer des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu skizzierte die aktuelle Situaton und zeigte Perspektiven auf. Für das Oberallgäu sieht er auf lange Sicht mehr Chancen als Risiken.

Wie kann ein bezahlbares Gesundheitssystem geschaffen werden? „Das wüsste ich auch gerne“, meinte Andreas Ruland, seit gut einem Jahr Geschäftsführer des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu. Eine schlüssige Antwort auf diese wichtige Frage könne er nicht geben. Bestenfalls sei es ihm, als Kenner der Materie möglich, die Einflussfaktoren zu beleuchten. Dreiviertel der Deutschen glaubten ohnehin nicht, dass „gute Gesundheitsleistungen für alle“ sicherzustellen seien, zitiert Ruland eine Untersuchung. Zudem müsse sich das Gesundheitswesen einer veränderten Medienberichterstattung stellen: Kaum ein Tag vergehe, wo nicht von Ärztepfusch, Kostenexplosion oder Hygienemängeln die Rede sei. Aber Deutschland habe die größte Klinikdichte, kurze Wartezeiten und eine weitgehend frei Arztwahl. Rulands Fazit: „Deutschland hat eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung für alle.“ Dennoch, so Ruland, seien mehr als die Hälfte der Menschen mit der Versorgung unzufrieden. „Weit mehr als anderswo.“ „Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt“, sagte Ruland weiter und bringt im Vergleich die statistische Lebenserwartung in unterschiedlichen Ländern ins Spiel, wo Deutschland nicht zu den Spitzenreitern gehöre. „Liegt’s an der Lebensführung?“ fragt Ruland und verweist auf die Folgen einer „ausgeprägten Wohlstands- gesellschaft“ mit falscher Ernährung und Bewegungsmangel. Ein großes Problem sieht der Geschäftsführer auf das Gesundheitssystem zukommen: Immer weniger Erwerbstätige müssten immer mehr Nutznießer mittragen. Verursache etwa ein 50-Jähriger Kosten von rund 3000 Euro pro Jahr, so müsse für einen 85-Jährigen 15000 Euro veranschlagt werden. Und bestimmte Erkrankungen und deren (teure) behandlung nähmen zu: Bewegungsapparat, Herz-/Kreislauf, Krebs. „Enorme finanzielle Herausforderungen“, sagt Ruland. Die Gesellschaft altere und damit steige der Bedarf an Fachkräften in der Pflege. Hier attraktive Arbeitsplätze zu schaffen sei eine weitere Aufgabe. Unterm Strich klaffe die Schere von Einnahmen und Kosten weiter auseinander. Allein im laufenden Jahr zeichne sich eine Finanzierungslücke von 9 Milliarden Euro ab. Ohne mehr Eigenverantwortung werde es nicht gehen. Vom Anspruchsdenken und einer Vollkasko-Mentalität zur Eigenverantwortung und Solidarität. Ruland: „Eine große soziale und politische Herausforderung.“ Andererseits habe der Gesundheitsmarkt mit fünf bis sieben Prozent Wachstumsrate die Automobilbranche überflügelt. Jeder siebte Arbeitsplatzt sei inzwischen hier einzuordnen. Die Chancen des Gesundheitsstandortes Deutschland sind Ruland zufolge gut. Und vor allem das Oberallgäu sei gut aufgestellt und habe viele Angebote. „Aber es muss noch besser vermarktet werden“, appelliert Ruland.

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