Bernd Zimmers Performance im Buchheim-Museum

Abstrakter Baum in Rot

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Bernd Zimmer (li.) und Druckgraphiker Joe Holzner präsentieren das live vor Publikum entstandene Holzschnittwerk vor dem Buchheim-Museum.

Bernried – Zu einer Sonntags-Matinée der besonderen Art hatte das Buchheim Museum am Starnberger See eingeladen. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Gipfeltreffen Ernst Ludwig Kirchner und Bernd Zimmer“ wurde eine einmalige Holzschnitt-Performance präsentiert. Der weltbekannte Maler und Künstler Bernd Zimmer fertigte live und laut vor Publikum mit der Motorsäge einen expressionistischen Holzschnitt an.

Dabei zeigte sich der in Polling lebende Zimmer als leutseliger, offener Gesprächspartner „zum Anfassen“ für die gut 100 kunstinteressierten Zuschauer. Wann hat man sonst schon mal Gelegenheit, die Entstehung eines Kunstwerkes so hautnah zu erleben und den Schöpfer mit Fragen löchern zu dürfen? Die Performance begann zunächst ganz unspektakulär mit einer großformatigen Holzplatte auf der Wiese vor dem Museum. Zimmer erklärte kurz seine Vorgehensweise – „die Kette ist nicht geölt, damit die Druckplatte nicht fettig wird“ – und warf die Motorsäge an. Beim Film würde es jetzt heißen „Action“!

Moderne Kunst mit der Motorsäge

Virtuos glitt das Sägeblatt über die Holzplatte und schnitt Linien und Muster heraus. Neugierig bestaunt von den Zuschauern, die sich fragten, was wohl als Ergebnis rauskommen wird. Nach gut 20 Minuten verstummte die Motorsäge. Auf die fertig bearbeitete reliefartige Platte wurde jetzt von Druckgraphiker Joe Holzner mittels einer Walze weiße Druckfarbe aufgetragen. Das Werk ging seiner Vollendung entgegen – ein roter Papierbogen wurde aufgelegt. Jetzt zeigte sich, dass diese Kunst nicht nur mit viel Fantasie, sondern auch mit körperlicher Anstrengung zu tun hat.

Bernd Zimmer und Joe Holzner mussten mit Falzbein und Handabreibung das Papier vertikal auf den Druckstock streichen, damit die Farbe gleichmäßig aufgesogen wird. Was bei „industriellen“ Holzschnitten die Buchdruckpresse übernimmt, heißt bei Zimmer Kraft, Geduld und immer wieder Überprüfung, wie dicht die Farbe übernommen wurde. Zimmer präsentierte dem applaudierenden Publikum sein neues Werk, einen ab- strakten Baum in plakativem Rot.

Was mit dem Holzschnitt passiert? Zimmer überlegt, ob er ihn mit weiteren, streng limitierten Abdrucken zum Ende der „Gipfeltreffen“-Aktion im Buchheim-Museum versteigern wird, für einen wohltätigen Zweck in einer sozialen Einrichtung im Großraum Starnberger See. Zimmer hat eine besondere Beziehung zum Fünfseenland und zu Bernried. Sein künstlerisches Erweckungserlebnis hatte er im Haus eines Schulfreundes, dessen Vater niemand geringerer war als Lothar Günther Buchheim, der eine riesige Expressionistensammlung sein eigen nannte.

Der 1948 in Planegg geborene Zimmer studierte zunächst Philosophie und Religionswissenschaft, bevor er in Berlin zur Kunst kam und 1977 mit anderen „Jungen Wilden“ die in Kunstkreisen legendäre Galerie am Moritzplatz gründete. Nach einem Kunststipendium in der berühmten Villa Massimo in Rom kehrte er 1984 nach Bayern zurück, wo er in Polling lebt und in Huglfing arbeitet. Zimmers umfangreiches Werk, ob Gemälde oder Holzschnitte, ist geprägt von einer tiefgreifenden Natur- und Welterfahrung. Seine Werke sind in Museen, Kunstvereinen, Galerien, in öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten. Sogar im Berliner Bundeskanzleramt hängt ein Bild von ihm. Wer sich näher mit dem Künstler Bernd Zimmer beschäftigen will, hat noch bis zum 11. Oktober dazu Gelegenheit im Bernrieder Buchheim-Museum.

Dieter Roettig

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