ADAC will mit Wanderausstellung "Schatten – ich wollte doch nur leben!" Jugendliche aufrütteln

"Jeder Tote ist einer zu viel!"

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Eröffneten nach der Diskussionsrunde gemeinsam die Ausstellung des ADAC (v.li.): Schulleiter Detlef Zimmermann, Alexander Kreipl vom ADAC, Bürgermeisterin Manuela Vanni, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und der Landtagsabgeordnete Harald Kühn.

Peißenberg – Ein kleines Kreuz, davor Blumen und eine brennende Kerze: Wenn ein Mensch im Verkehr ums Leben kommt, erinnern Marterl am Straßenrand an den Verstorbenen. Oftmals sind es Jugendliche, die von ihren Angehörigen betrauert werden. Daher versucht der ADAC in einer Ausstellung derzeit, Teenager auf Gefahren beim Autofahren aufmerksam zu machen. Die Zehntklässler der Realschule waren jüngst die Teilnehmer der Aktion des Automobilclubs.

Sascha (19) war nicht angeschnallt, Roccy (16) wurde auf seinem Moped von der Sonne geblendet, Jasmin (24) hatte selbst gar keine Schuld – doch sie alle sind tot. Sechs Schicksale zeigt die Wanderausstellung „Schatten – ich wollte doch nur leben!“, die vergangene Woche in Peißenberg Halt machte. Auf schwarzen Figuren in Originalgröße wurden dabei reale Vorfälle geschildert.

„Den Eltern die Nachricht zu überbringen ist das Schlimmste“, sagte Harald Bauer. „Wenn man mit ernster Miene vor ihnen steht, wissen sie meist sofort, was los ist – und brechen zusammen“, bedauert der Leiter der Weilheimer Polizeiinspektion jeden einzelnen Todesfall, den er in die Polizeiakten aufnehmen muss. Er versuche in solchen Situationen durch das Gespräch mit Kollegen die Eindrücke zu verarbeiten. „Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man sich Hilfe holt – auch professionelle“, ermutigte er Betroffene, sich Unterstützung zu suchen, wenn ein geliebter Mensch stirbt.

Doch am besten sei es, wenn es gar nicht erst zum tödlichen Unfall komme, verdeutlichte Rudolf Vogler vom ADAC. Ziel der Aktion sei es daher, junge Fahranfänger zu sensibilisieren für die Risiken im Straßenverkehr, sie zum Nachdenken anzuregen und im besten Fall ihr eigenes Verhalten in eine verantwortungsvolle Richtung zu lenken. „Es ist sinnvoll, wenn man Fahranfängern einen Anstoß gibt“, erklärte Schulleiter Detlef Zimmermann, warum die Realschule sich für eine Zusammenarbeit mit dem ADAC entschieden hatte. Auch drei Politiker unterstützten bei der begleitenden Diskussionsrunde dieses Ziel.

Das Risiko junger Fahrer im Straßenverkehr tödlich zu verunglücken ist drei Mal höher als das aller anderen Altersgruppen. 459 Unfälle, in denen junge Erwachsene verwickelt waren, seien es im Landkreis zuletzt im Jahr gewesen, hatte der Landtagsabgeordnete Harald Kühn für die Schüler Zahlen parat. Angesichts dieser Zahlen richtete Landrätin Andrea Jochner-Weiß einen emotionalen Appell an die jungen Leute: „Lasst‘s die Finger von Alkohol und Drogen und vor allem vom Handy.“ Aus eigener Erfahrung wisse sie, dass Jugendliche sich oft leichtsinnig verhalten. „Später denkt man: Wie blöd war ich denn eigentlich?“

Auch Manuela Vanni dachte an ihre eigene Jugend zurück. Sie könne sich noch genau an die mahnenden Worte der eigenen Mutter erinnern, vorsichtig zu fahren. „An mir ist das immer abgeprallt“, gab die Bürgermeisterin zu. Erst später habe sie verstanden, wie wichtig es sei, sich zu bewusst zu machen, wie schnell ein Auto tatsächlich fahre und was für verheerende Folgen schon leichte Unfälle haben könnten.

Die Einschätzungen der Politiker ergänzte Alexander Kreipl vom ADAC mit Fakten. Die häufigsten Gründe für Unfälle bei Jugendlichen seien vor allem die mangelnde Erfahrung und die damit verbundene falsche Einschätzung der Situation. Risiken wie Nebel oder nasse Fahrbahnen würden außerdem oft falsch bewertet. In Sachen Alkohol lobte Kreipl zwar die heutige Jugend, denn meistens sei der Fahrer tatsächlich nüchtern, dennoch hätten auch feierwütige Mitfahrer einen hohen Einfluss auf die Sicherheit. „Die anderen machen Gaudi und das hat Auswirkungen auf den Fahrer, denn der wird abgelenkt“, sagte Kreipl. Für Fahranfänger hatte er einen ganz simplen Tipp parat: „Lieber einmal öfter Fuß vom Gas.“

Die Teenager, die gerade den Führerschein machen oder ihn bereits haben, sprach auch Jochner-Weiß nochmal explizit an. „Jeder, der seinen Führerschein abholt, bekommt einen Gutschein für ein Fahrtraining bei der Verkehrswacht“, erklärte sie. Derzeit würden allerdings nur 20 Prozent diesen Gutschein auch wirklich einlösen. Daher hatte sie eine Bitte an die Schüler: „Nehmt die Gelegenheit wahr. Wir finden für jeden von euch einen Platz.“

Von Ursula Gnadl

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