Abfallwirtschaftssatzung geändert

Ab 2020 Papiertonnen in Schongau

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Auch in der Marktgemeinde Peißenberg türmen sich in den Sammelfahrzeugen die Kartonagenberge, wie dieses Foto zeigt.

Weilheim/Landkreis – Es war viele Jahre lang eine „Win-Win-Situation“, wie es Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der jüngsten Kreistagssitzung formulierte: Die Vereine oder caritativen Organisationen übernahmen in den Landkreiskommunen für die Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungs-GmbH (EVA) die Altpapiersammlung und besserten sich damit ihre Vereinskasse auf.

Doch flächendeckend funktioniert das (Erfolgs-)System nicht mehr – vor allem in den Städten und größeren Kommunen sind immer weniger Vereine bereit, die Sammlungen zu übernehmen. Für Schongau gibt es deshalb bereits Konsequenzen: Dort wird die EVA ab 2020 eine Altpapiertonne einführen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2007 wurden im Landkreis von den Vereinen noch 12,26 Tonnen Altpapier gesammelt. 2018 waren es nur noch knapp über zehn Tonnen. Ein vorläufiger Negativrekord. Der Trend ist leicht zu erklären: Im Zuge des digitalen Wandels sinkt die Menge von Zeitungen, Katalogen und sonstigen Druckerzeugnissen, während durch den Onlinehandel gleichzeitig die Menge an Kartonagen massiv zunimmt. Für die Vereine bedeutet das mehr Aufwand beim Sammeln, aber wegen des Papiermengenrückgangs auch weniger Verdienst.

Die Folge: Wegen der nachlassenden Bereitschaft unter den Vereinen musste die EVA für bestimmte Sammelgebiete bereits private Entsorgungsfirmen beauftragen. Die größten Probleme gibt es diesbezüglich in Schongau. Der Kreistag beschloss deshalb einstimmig, dort ab 2020 eine Papiertonne (240-Liter-Tonne respektive ein 1100-Liter-Müllraumgroßbehälter) einzuführen.

Vereinssammlungen wird es in Schongau dann nicht mehr geben. In den anderen Landkreiskommunen wird vorerst am Vereinssammelsystem festgehalten – und damit auch an den grauen Kunststoffsäcken. „Die blaue Tone ist die Ausnahme“, betonte EVA-Geschäftsführer Fritz Raab im Kreistag: „Sie wird nur dort eingesetzt, wo die Vereinssammlung nicht mehr funktioniert.“ Doch wie lange das Mitte der 1990-er Jahre eingeführte System noch aufrechterhalten werden kann, ist ungewiss. „In Weilheim funktioniert´s noch ganz gut“, konstatierte Klaus Gast (CSU), was wiederum Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfL) mit einem kurzen Zwischenruf kommentierte: „Noch!“

Keine Auswirkungen auf die Gebühren

Die „blaue Tonne“ für Altpapier wird übrigens nur einen blauen Deckel erhalten. Der Korpus indes wird wie die Restmülltone schwarz-grau gestaltet sein. Der Hintergrund: Nur in der schwarz-grauen Farbgebung kann der Korpus aus Recycling-Kunststoff hergestellt werden. Die Beibehaltung des Papiersacks in Schongau wäre den Mitarbeitern der beauftragten Entsorgungsfirmen „nicht zumutbar“ gewesen, so Raab – und: Die Einführung der blauen Tonne habe keine Auswirkungen auf die Gebührensatzung. Ganz ohne Bedenken wurde die Einführung der Altpapiertonne für Schongau im Kreistag nicht durchgewunken. Dritte Landrätin Regina Bartusch (SPD) stellte in Frage, ob in die Tonnen überhaupt größere Kartonagen hineinpassen. Auch Schongaus Rathauschef Falk Sluyterman (SPD) meldete praktische Einwände an. In vielen Wohnanlagen gebe es schlichtweg keinen Platz für zusätzliche Tonnen. „In manchen Wohnblöcken können die Tonnen nur im Flur abgestellt werden.“ Das wiederum könne Probleme mit den Brandschutzauflagen geben. Klaus Gast wiederum verwies auf das „Gemeinschaftsgefühl“, das in den Vereinen im Zuge der Papiersammlungen gestärkt werde. Dafür erntete er von Vize-Landrat Karl-Heinz Grehl Widerspruch: „Die Glorifizierung der Altpapiersammlung ist fehl am Platz. Es ist eine Mordsschinderei, bei der es alleine um den Verdienst für die Vereine geht.“

Von Bernhard Jepsen

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