Agenda 21 Weilheim feiert 20-jähriges Jubiläum im Pfarrheim Miteinander

Es geht auch anders

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Die Sprecher der sieben AK (v.li.) Professor Dr. Stefan Emeis, „Energie und Klimaschutz“; Peter Mayer, „Stadtentwicklung Bauen und Wohnen“; Dr. Ulf Knabe und Doris Dorsch, „Senioren“; Claudia Hanke, „Eine Welt“; Brigitte Gronau, „Gemeinwohl-Ökonomie“ (hinten); Birgitt Hofmann, „Natur in und um Weilheim“; Markus Loth, erster Bürgermeister und Referent Dr. Wolfgang Kessler (vierter.v.li.). Nicht auf dem Foto vertreten ist der AK „Mobilität und Verkehr“ mit Friederike Vogel.

Weilheim – Klimawandel, zu hoher CO2-Ausstoß und die immer größer werdende Kluft zwischen arm und reich: „Ich habe den Eindruck, alle machen einfach weiter, obwohl eigentlich alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann“, erklärte Dr. Wolfgang Kessler in seinem Vortrag „Faires Wirtschaften – anders leben“. Dann machte er eine kurze Pause und stellte fest: „Aber nicht alle machen einfach weiter, wie die Agenda 21 in Weilheim.“

„Global denken, lokal handeln“ das war und ist die Agenda-Idee von 1992, die fünf Jahre später die Stadt Weilheim erreichte. Anlässlich dieses Jubiläums feierte die Agenda 21 Weilheim im Pfarrheim Miteinander. Für die musikalische Gestaltung sorgte die Schülerband der Gymnasien Weilheim und Schongau „Rowan Tree Hill“.

Ins Rollen kam alles am 15. Oktober 1997 durch den Antrag der damaligen Stadträtin Monika Propach-Voeste (Bündnis90/Die Grünen). Daraufhin wurde in mehreren Sitzungen das Konzept erarbeitet und allen BürgerInnen, Verbänden und Vereinen in der Stadthalle vorgestellt. Damals formierten sich zehn Arbeitskreise (AK) zu verschiedenen Themenbereichen. Heute sind es sieben AK.

„20 Jahre Weilheimer Agenda 21 – das heißt 20 Jahre bürgerschaftliches Engagement zum Wohle unserer Stadt.“ Diese habe sich in dieser Zeit zu einer liebenswerten und familienfreundlichen Wohn, - Arbeits- und Einkaufsstadt entwickelt, vermerkte Bürgermeister Markus Loth in seiner Rede. Die Grundlage dazu wurde 2000 bis 2002 von der Agenda 21, der Stadt und der Bürgerschaft in einem Leitbild gelegt, welches 2017 auf Wunsch der Agenda 21 aktualisiert und überarbeitet wurde. Laut Loth sei dies der „rote Faden“, welcher einerseits den „unaufhaltsamen Wachstumsdruck“ begleitet, andererseits aber auch an eine „nachhaltige Entwicklungspolitik“ erinnert.

Die Arbeitskreise der

Agenda 21 stellten sich vor

– Nachhaltigkeit ist auch in den sieben Arbeitskreisen der Agenda 21 Weilheim ein allgegenwärtiges Thema. Vor allem im kleinsten Arbeitskreis „Eine Welt“, der von Anfang an existiert. Gemeinsam mit dem Weltladen wollen die Mitglieder den Konsum von fair gehandelten Produkten vermehrt in das Bewusstsein der Menschen bringen. So erstellte der AK „Eine Welt“ den „Weilheimer-Fair-Führer“, in welchem alle Weilheimer Geschäfte gelistet sind, die fair produzierte Produkte anbieten. Ihr neuestes Projekt: „Weilheim soll zur Fairtrade Town werden“, erklärte Claudia Hanke vom AK „Eine Welt“ bei der Jubiläumsfeier.

– Ebenfalls seit der Gründung der Weilheimer Agenda 21 vertreten ist der AK „Energie und Klimaschutz“. Die Mitglieder setzen sich für einen effizienteren Energieverbrauch und die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien ein. Sprecher Professor Dr. Stefan Emeis erklärte, dass der globale CO2-Anstieg und die Klimaerwärmung ungebremst weitergehen würden: „Folgen bei uns sind höhere Temperaturen und verstärkte Niederschläge und daraus folgende Überschwemmungen, wie zum Beispiel in Polling 2016.“ Die Stadt Weilheim sei mit der Stadtwerke Weilheim Energie GmbH jedoch schon auf dem richtigen Weg.

– Der im Herbst 2012 gegründete und damit auch jüngste AK ist die „Gemeinwohl-Ökonomie“. Die Bezeichnung steht für ein alternatives Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten aufgebaut ist. Laut Brigitte Gronau seien die Bemühungen in Weilheim zwar nicht „sehbar“ jedoch „spürbar“. So wirkt dieser AK aktiv am Weilheimer Leitbild mit und sucht das persönliche Gespräch mit Entscheidungsträgern.

– Zwischen vier und acht Leuten engagieren sich im AK „Mobilität und Verkehr“. „Das Problem in Weilheim ist die mittelalterlich strukturierte Innenstadt“, so Friederike Vogel. „Die Infrastruktur ist am Rande dessen, was sie leisten kann.“ In vielen kleinen Schritten bemühen sich die Mitglieder daher um den barrierefreien Ausbau des ÖPNV. Als Beispiel nannte sie den Weilheimer Bahnhof und Busbahnhof.

– „Wir wollen ein grünes Weilheim mit vielen Bäumen und Sträuchern“, sagte Birgitt Hofmann vom AK „Natur in und um Weilheim“. In den letzten 20 Jahren haben die Mitglieder des AK mehr als 800 Bäume und Pflanzen gesetzt. Das erste Projekt war die Pflanzung der 42 Linden und Ahornbäume nördlich des Narbonner Rings.

– Um die Belange der älteren Bewohner Weilheims zu vertreten, wurde 2004 der AK „Senioren“ gegründet. Nach einer kurzen Ruhepause wurde dieser 2012 wieder „erfolgreich reanimiert“, wie Dr. Ulf Knabe humorvoll feststellte. So geht der Weilheimer Seniorenkompass in die vierte Auflage und die zweite Weilheimer Seniorenmesse steht in den Startlöchern.

– Die letzte Gruppe wurde von Peter Mayer vorgestellt. Der AK „Stadtentwicklung“ setzt sich schon 20 Jahre lang für eine nachhaltige Bebauung der Stadt ein. Zudem organisieren die Mitglieder Vorträge und Veranstaltungen, wie den Holzbauworkshop mit ProHolz Bayern, welcher vor einigen Wochen stattgefunden hat. Wie die anderen Referenten auch appellierte Mayer an die Anwesenden, der Agenda 21 beizutreten und mit verschiedenen Ideen für ein lebenswertes Weilheim und für Nachhaltigkeit einzutreten.

Fair wirtschaften

Passend zum Thema hielt im Anschluss Dr. Wolfgang Kessler, Wirtschaftswissenschaftler und Chefredakteur der Zeitschrift „Publik Forum“, einen Festvortrag zum Thema „Fair Wirtschaften – anders Leben. Praktizierte Alternativen zu einer entfesselten Wirtschaft“. Der Referent aus Frankfurt stellte die aktuelle wirtschaftliche Situation Deutschlands infrage und zeigte Projekte auf, die ein alternatives Wirtschaften ermöglichen. „Die Weltwirtschaft ist das Spiegelbild der Spaltung der Gesellschaft. Viele profitieren von der Globalisierung. Die acht reichsten Menschen der Welt besitzen so viel wie 47 Prozent der Menschheit.“ Gleichzeitig hungert eine Milliarde Menschen, obwohl es genug zu essen gebe. „Es ist ein Kampf alle gegen alle um die begrenzten Ressourcen der Natur“, kritisierte Kessler. Wie es anders gehen kann, zeigte er anhand von zahlreichen Beispielen des alternativen Wirtschaftens, wie der GLS Bank Bochum, auf. Bei ihr sei klar definiert, dass keine Kredite bekommt, wer das Geld in umweltzerstörerische Projekte oder Waffen investiert. Auch dürfe jeder Kunde selbst entscheiden, wie die Bank mit seinen Ersparnissen arbeitet.

Auf seine abschließende Frage „Wie können wir die Welt besser machen?“ hatte Referent Kessler sogleich eine Antwort parat: Zum Beispiel durch die Agenda 21 und deren Willen, etwas verändern zu wollen.

Von Maria Lindner

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