Hilfe in Zeiten von Corona

So agieren Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen in der Krise

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Wer Hilfe benötigt, sollte sich auch jetzt nicht scheuen, zum Telefon zu greifen.

Landkreis – Die Corona-Pandemie wirkt sich auf den Alltag von jedem aus – egal ob Rentner oder Grundschüler, Großfamilie oder Singlehaushalt.

Jeder muss sich in der veränderten Situation neu zurechtfinden und versuchen, das Beste daraus zu machen. Während dessen tun sich aber oft neue Probleme auf beziehungsweise schwelende Konflikte treten in den Vordergrund. Und natürlich pausieren auch bestehende Erkrankungen, wie eine Essstörung oder ein Suchtproblem, während Corona nicht. Der Kreisbote hat daher bei verschiedenen Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen nachgefragt, wie sie in der Krise agieren und den Menschen trotzdem weiterhin zur Seite stehen.

Bei der Beratungsstelle im Therapienetz Essstörung (BiTE) liegen die Gruppen derzeit auf Eis. Die Beratungsstelle hat aber trotzdem geöffnet und Termine für Einzel- und Ernährungsberatungen können unter Tel. 0881/9270808 vereinbart werden. Die Betroffenen werden dann zurückgerufen und am Telefon beraten, wie eine Mitarbeiterin erklärte. Ab Montag, 18. Mai, sind auch wieder persönliche Termine möglich.

Beim NETZ e.V. – Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kinder- und Jugendlichen kann ebenfalls telefonisch (Tel. 0881/92792294) ein Termin für eine Beratung ausgemacht werden. Diese findet dann telefonisch oder in dringenden Fällen persönlich, selbstverständlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln, statt. Der Bedarf von Hilfesuchenden sei zwar nicht gestiegen, die bestehenden Beratungen würden aber intensiver werden, wie eine Mitarbeiterin der Stelle angab. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass sich die Betroffenen in der aktuellen Situation hilfloser fühlen, so die Interpretation der Beratungsstelle.

Condrobs e.V., der unter anderem in Murnau mit einer Suchtberatungseinrichtung vertreten ist, ermöglicht seit letzter Woche wieder mehr persönliche Termine. Dabei würde sehr stark auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geachtet werden, wie Daniel Wittmann, Einrichtungsleiter Suchtberatungsstellen, Jugendtreff und betreutes Einzelwohnen, bestätigte. Zuvor habe man versucht, möglichst vielen Anliegen telefonisch oder online nachzukommen. In Notsituationen sei aber auch ein persönliches Treffen machbar gewesen, erklärte Wittmann weiter. Unter Einhaltung der Regeln sind nun wieder Gruppenangebote mit maximal fünf Teilnehmern verfügbar. Was die Nachfrage anbelangt, sei bei Condrobs der „Ausnahmezustand“ deutlich spürbar gewesen, da sich die Ängste der Menschen in der Krise eher verschlimmern würden.

Der Verein Primi Passi, der Akutbegleitung und Unterstützung für Eltern und Geschwister nach dem Tod eines Kindes in der Region Oberland anbietet, hielt sein monatliches Treffen der Selbsthilfegruppe wegen der Krise zum ersten Mal online ab. Die Akutbegleitung sei telefonisch aber auch persönlich, unter Einhaltung der Vorschriften, möglich, so eine Ehrenamtliche.

Laut Stefan Helm, Geschäftsführer und Bezirksleiter Diakonie Oberland, sei es bei ihnen bis zu den Osterferien sehr ruhig gewesen und die Beratungen hätten gut über das Telefon oder über Video durchgeführt werden können. Nach den Ferien sei der Wunsch nach persönlicher Beratung aber sehr stark angestiegen. Daher werden diese im Notfall, unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen, auch angeboten. Gerade sei eine Phase des Umbruchs, so Helm. Sobald das Hygienekonzept steht, sollen wieder vermehrt persönliche Beratungen durchgeführt werden. Zu erreichen ist die Diakonie unter Tel. 0881/929170 (Ehe-, Familien- und Lebensberatung) und Tel. 0881/929173 (Migrationsberatung).

Von Sofia Wiethaler

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