Unfallgefahren am Bahnübergang: Bayerische Regiobahn und der ADAC informieren in Weilheim

"Der Zug gewinnt immer"

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So sieht ein Auto aus, das von einem Zug erfasst wurde. BRB und ADAC hatten es zu Demonstra- tionszwecken nach Weilheim zum Pressetermin mitgebracht. V. li.: Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern; Landrätin Andrea Jochner-Weiß; Harald Bauer, Leiter der Polizeiinspektion Weilheim; dritte Bürgermeisterin Angelika Flock und Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Bayerischen Regiobahn.

Weilheim – Ein rotes Blinklicht am Bahnübergang warnt die anderen Verkehrsteilnehmer: Achtung, ein Zug kommt. Wer in dieser Situation trotzdem die Bahnlinie kreuzt, handelt leichtsinnig und verantwortungslos. Der ADAC und die Bayerische Regiobahn (BRB) wollen mit der Aktion „Die Bahn hat Vorfahrt“ Aufklärungsarbeit leisten und zum umsichtigen Handeln anregen.

Im Landkreis gibt es insgesamt 52 Bahnübergänge. 22 davon sind mit einem Andreaskreuz, 18 mit Andreaskreuz und Blinklicht gesichert und die restlichen zwölf sind beschrankt. Der Appell von Landrätin Andrea Jochner-Weiß an die „hohe Politik“: Sie möge doch Fördergelder locker machen, damit mehr Bahnübergänge im Landkreis mit einer Schranke versehen werden können.

Unabhängig davon, ob ein Bahnübergang beschrankt ist oder nicht, gilt es bei der Annäherung und Querung aufmerksam zu sein. Kommt es zu einem Unfall zwischen einem Zug und einem anderen Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer – „gewinnt in der Regel der Zug“, so Rudolf Vogler vom ADAC. „95 Prozent aller Unfälle an Bahnübergängen sind auf ein Fehlverhalten der Autofahrer oder Fußgänger zurückzuführen. Durchschnittlich jeder vierte endet tödlich“, so Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern. Und dieses Fehlverhalten wäre vermeidbar, denn als Hauptursache machen BRB und ADAC Unwissenheit (Basis: ADAC Umfrage vor einigen Jahren), Unaufmerksamkeit und Leichtsinn aus. Folgende Regeln und Hinweise gilt es zu beachten: An Bahnübergängen nicht überholen, vor dem Kreuzen die Bahnstrecke beobachten, vor allem, wenn sie unbeschrankt ist, nicht schneller als mit 50 km/h über den Bahnübergang fahren, Verkehrszeichen beachten – jeder Bahnübergang wird mit Schildern mit weiß-roten Baken/Streifen in 240, 160 und 80 Metern Abstand angekündigt sowie einem Andreaskreuz unmittelbar am Bahnübergang selbst. Außerdem weisen rote Blinklichter auf das Näherkommen eines Zuges hin und an technisch nicht gesicherten Bahnübergängen warnen die Züge durch ein Pfeifsignal. Auf absolut gar keinen Fall sollten Schranken umgangen oder Warnsignale ignoriert werden. „Es gibt keinen Grund, warum man über Bahnübergänge fährt ohne aufzupassen“, betont Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der BRB. „Einfach stehen bleiben und Zug vorbeilassen“, ergänzte die Landrätin. „Der Zug gewinnt immer“, sagte Kreipl noch einmal ganz eindringlich beim Pressegespräch am Weilheimer Bahnhof.

Wie es aussehen kann, wenn ein Zug auf ein Auto trifft, wurde in einem Crash-Simulationsfilm „Die Bahn hat Vorfahrt“ gezeigt (dieser ist auf der Kreisboten Facebookseite und im youtube-Kanal des ADAC zu finden). Das Auto wird beim Aufprall vollständig eingedrückt und vom Zug mitgeschleift. Ein Zug, der 100 km/h schnell ist, braucht 1000 Meter bis zum Stillstand. Selbst wenn ein Lokführer die Gefahr sieht, kann er trotz Notbremsung den Unfall nicht mehr verhindern. „Das ist für den Lokführer ein Schock“, so Rosenbusch. „Das Leid trifft nicht nur den Kraftfahrer, sondern auch den Lokführer, unsere Zugbegleiter und Fahrgäste“, plädierte Rosenbusch für umsichtiges Verhalten.

Traurige Realität ist ein Unfall aus dem vergangenen Jahr in Dießen, bei dem ein Fahrzeug vom Zug erfasst und 30 Meter weit mitgeschleift wurde. Für die beiden 84-jährigen Insassen endet der Unfall tödlich.

Ziel der Infoaktion ist es, „die Bürger wachzurütteln“, sagte Angelika Flock, dritte Bürgermeisterin von Weilheim, beim Pressegespräch.

Von Melanie Wießmeyer

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