Aktionstag "Discofieber" klärt über die Folgen von riskantem Fahren auf

Jeder Unfalltote ist einer zuviel

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Die Einsatzkräfte demonstrierten den Jugendlichen auf dem Stadthallengelände die oft verheerenden Folgen von Discounfällen. Die beteiligten Autos stammten von der Firma Droscz. Die Stadthalle stellte die Stadt für die Veranstaltung kostenlos zur Verfügung.

Weilheim – „Nüchtern bin ich so schüchtern. Aber voll – da bin ich toll“, mit diesem Partysong von Peter Wackel begann am Montag der jährliche Aktionstag „Discofieber“.

„Hinter Discounfällen stecken Schicksale und Menschen“, so Verkehrserzieher Werner Hoyer von der Polizeiinspektion Weilheim, bei der Veranstaltung des Brücke Oberland e. V. zusammen mit dem Bayerischen Zentrums für Prävention und Gesundheitsförderung und vielen ehrenamtlichen Helfern. Gründe für diese Art von Unfällen, die oft zu später Stunde auf dem Heimweg von einer Disco stattfinden, sind laut Hoyer, der die Moderation des Abends inne hatte, Alkohol, Drogen, Medikamente und Übermüdung. Manchmal ginge es dem Fahrer aber auch darum, zu zeigen, wie toll er fahren könne oder wie schnell sein Auto sei. Als weiteren Unfallfaktor nannte Hoyer das Schreiben von Nachrichten während der Autofahrt. Darüber hinaus würden die Unfälle mit Smartphones zunehmen.

Aktionstag "Discofieber"

Laut dem Verkehrserzieher der Polizei Josef Zeller habe es solche Unfälle natürlich auch schon früher gegeben, aber „die Zeiten sind nicht besser geworden“. Außerdem habe sich die „Fortgeh-Mentalität“ geändert. Damals sei man früher weggegangen und deshalb auch nicht so spät nach Hause gekommen. Des Weiteren machte er auf die Unfallhelfer vor Ort aufmerksam: „Es gibt Leute im Einsatz, die das Erlebte verarbeiten müssen.“

Markus Di Egidio vom Roten Kreuz berichtete den Jugendlichen von einem Unglück, das ihm besonders im Gedächtnis geblieben ist. Dabei handelt es sich um einen nächtlichen Verkehrsunfall, bei dem die Lage vorerst noch unklar war. Als Di Egidio bei dem Unfallfahrzeug ankam, stellte er fest, dass die Beine des Fahrers durch die Wucht des Aufpralls unter dem Cockpit begraben waren. Da das Auto erst nicht stabilisiert werden konnte, wurde über eine Amputation der Beine nachgedacht. Kurz vor der Operation kam dann aber doch noch „die erlösende Nachricht“, dass das Auto stabilisiert werden könne.

Zweck dieser eindringlichen Erfahrungsberichte, gezeigten Unfallfilme und -fotos sei es laut Hoyer, die Jugendlichen zu sensibilisieren, denn: „Jeder Unfalltote, jeder Verletzte ist einer zu viel.“ Notfallseelsorger Dirk Wollenweber sprach von der schwierigen Aufgabe, den Familien die Nachricht des Todesfalls zu überbringen: „Die Menschen, die die Tür aufmachen, wissen, was los ist und wollen es doch nicht hören.“ Wenn die Polizeibeamten wieder gegangen sind, bleibe er bei der Familie und versuche, ihr „das Unfassbare“ begreiflich zu machen. Trotzdem bliebe die Frage nach dem „Warum“ oft ein Leben lang.

Am Ende der Veranstaltung appellierte Hoyer an die Anwesenden, ihr Wissen aus den Fahrschulen zu nutzen und die Heimfahr-Alternativen wie Bahn oder Taxi zu verwenden. Bei der anschließenden Nachstellung eines „Discounfalls“ auf dem Weilheimer Volksfestplatz konnten die Jugendlichen die Arbeit der Einsatzkräfte live beobachten.

Zu der Veranstaltung waren alle Fahrschulen aus dem Landkreis eingeladen.

Sofia Wiethaler

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