Aktionstag "Weilheim TobT" setzt Zeichen gegen Schließung des Call-Centers der Telekom

Laute Trommelklänge, schrilles Pfeiffen und scheppernde Rasseln hallen am Samstagvormittag über den Weilheimer Marienplatz. „Heute tobt Weilheim, aber friedlich“, ruft Telekom-Betriebsseelsorger Erwin Helmer in ein Mikrofon vor dem Stadtmuseum. Dicht gedrängt stehen vor ihm etwa 250 Passanten, Landkreispolitiker und Arbeitnehmervertreter. Weilheim tobt, um die Schließung des Call-Centers zu verhindern.

Immer lauter, immer schneller trommelt die Weilheimer Musikgruppe „Rhythmuskreis Klangland“. Demonstranten erhalten Rasseln und Trillerpfeifen, das „Konzert“ auf dem Weilheimer Marienplatz ist auch in den Nebenstraßen zu hören. „Wir toben für die Beschäftigten, wir toben für jeden Arbeitsplatz“, sagt Helmer auf dem vom „Solidaritätsteam Call-Center“ initiierten Aktionstag. Die Telekom plant etwa 70 Arbeitsplätze von Weilheim nach Kempten zu verlegen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies eine weitaus längere Fahrtzeit und damit auch einen höheren finanziellen Aufwand. „Das ist eine Frechheit und ein Affront besonderer Klasse“, kritisiert Landrat Dr. Friedrich Zeller (SPD). Das Verhalten des Telekom-Vorstandes um René Obermann sei „exorbitant fern der Realität“. Unterstützung bekommen die Telekom-Beschäftigten nicht nur von der SPD. Parteiübergreifend setzen sich die Politiker im Landkreis für den Erhalt des Call-Centers ein. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Dobrindt will notfalls mit Obermann das direkte Gespräch suchen und für jeden einzelnen Mitarbeiter eine individuelle Lösung finden. Zwar sind die Verhandlungen zwischen Telekom und Betriebsrat gescheitert, doch hegt Dobrindt Hoffnung, dass ein Schlich- tungsverfahren Ende November Erfolg bringt. Darin werden „beide Seiten ihre Argumente austauschen“. Von der Solidarität der Bevölkerung zeigt sich Telekom-Mitarbeiterin Christine Schrötter positiv überrascht. „Es ist super“, sagt sie und sammelt auf dem Marienplatz Unterschriften. 60 sind es an diesem Tag. Insgesamt sprachen sich in den vergangenen Wochen über 4000 Bürger für den Erhalt des Weilheimer Call-Centers aus. All diese Unterschriften erhält Dobrindt, der die Listen Bundeskanzlerin Angela Merkel zukommen lassen wird. Telekomkunden, die sich mit den Beschäftigten solidarisieren möchten, empfiehlt Betriebsrätin Anni Eiler, ihren Unmut in Briefen an Obermann kund zu tun. Der Aktionstag bildet den Höhepunkt in einer Reihe von Kundgebungen gegen die Schließung des Call-Centers. Zum Abschluss der Kundgebung schweigen Trommeln und Pfeifen. Stattdessen singen die Anwesenden das Lied „Skandal um Rosi“, umgedichtet in „Skandal in Rosa“.

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