Analphabetismus: Mehrgenerationenhaus setzt 2018 einen Sonderschwerpunkt

Aufklärung und Hilfe

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Vereint gegen Analphabetismus: Das ALFA-Mobil und die Vertreter aus Mehrgenerationenhaus, Kommunen und Sozialverbänden. V.li.: Barbara Mahlke (Mehrgenerationenhaus), Dan Mohr, Monika Funk (Caritas), Regina Bartusch (dritte Landrätin), Weilheims Sozialreferentin Marion Lunz-Schmieder, Friederike Risse, Nicole Pöppel (ALFA-Mobil), Eva Kaletsch-Lang (Koordinatorin), Petra Gerth (Bildungskolleg) und Andrea Olschewski-Schmitt.

Weilheim– In Deutschland leben 7,5 Mio. sogenannte „Funktionale Analphabeten“, in Oberbayern gibt es knapp 400 000 davon.

Um den Betroffenen zu helfen, legten Bund und Länder das Förderprogramm „Alpha-Dekade“ auf. Es ist vorerst auf zehn Jahre befristet. Seit Anfang des Jahres nimmt das Mehrgenerationenhaus in Weilheim mit einem eigenen, intensiven Jahresschwerpunkt am bundesweiten Projekt teil. Im Angebot sind unter anderem regelmäßige Sprechstunden für Betroffene, deren Lebenspartner, Freunde, Arbeitgeber, Kollegen. Lernangebote und eine Selbsthilfegruppe ergänzen die Hilfe.

Um das Projekt in die Öffentlichkeit zu tragen lud Koordinatorin Eva Kaletsch-Lang kürzlich das ALFA-Mobil nach Weilheim ein und bat potentielle Kooperationspartner, wie Vhs, Bildungskolleg, Kommunen, Arbeitsagentur, Jobcenter und Sozialverbände als Multiplikatoren zum Pressegespräch ins Stadtmuseum.

Das vom Bundesverband für Alphabetisierung getragene ALFA-Mobil ist mit zwei Fahrzeugen und Spezialisten bundesweit im Einsatz, um Lese- und Schreibkurse vorzustellen, führt Info-und Sensibilisierungsveranstaltungen durch. Als erster hatte in Weilheim Dan Mohr, ein Betroffener, das Wort. Das Handicap des heute 60-Jährigen ist ein Sprachfehler. Es folgten Schulabbruch, eine mit Hilfe des verständnisvollen Firmenchefs gemeisterte Dachdeckerlehre, 25 Jahre Berufsleben, danach eine Selbstständigkeit, die an familiären Problemen scheiterte. „Die richtigen Schwierigkeiten begannen beim Ausfüllen von Bewerbungsbögen. Meine Frau und Freunde schleiften mich vor einem Jahr zum Beratungsgespräch bei der Vhs, ich besuchte Kurse und es ist sehr viel besser geworden“, stimmte er auf das Thema ein.

Überrascht von der Vielzahl Betroffener zeigte sich die dritte Landrätin Eva Bartusch. „Ich bin dankbar für das Engagement des Mehrgenerationenhauses und der Wohlfahrtsverbände. Die Enttabuisierung, Hilfe und Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern ist eine gute Sache, die wir unterstützen“, sagte sie. Auch zweiter Bürgermeister Horst Martin befürwortete den neuen Arbeitsschwerpunkt und versprach – wie nach ihm die anwesenden Vertreter der Sozialverbände – Unterstützung.

Für Petra Gerth, Pädagogin des Bildungskollegs, haben reguläre Schulen nicht die Möglichkeiten, Unterrichtsstoff noch einmal neu zu beginnen. „Wir können die Kinder nur mitnehmen. Die Hilfe muss von anderen Einrichtungen kommen“, sagte sie. Am Schluss des Treffens stand die Bitte, die Angebote des Mehrgenerationenhauses bekannt zu machen und mit Hilfe der Politik weitere unterstützende Netzwerke zu öffnen. Mehr Informationen über Hilfsangebote unter Tel. 0881/9095900.

Von Georg Müller

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