Welt-Alzheimertag: Weilheimer Stadtbücherei und Alzheimer Gesellschaft klären auf

Das Tabu bewusst brechen

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Wollen Demenzkranken und deren Angehörigen helfen: V.li. Simone Groß, Bibliothek Weilheim und Petra Stragies, Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel-Werdenfels.

Weilheim – „Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll?“ „Wie soll ich damit umgehen?“ Dies sind die ersten Fragen, die besorgte Angehörige Demenzkranker an Petra Stragies richten, wenn sie den Telefonhörer abnimmt. Stragies ist Erste Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel-Werdenfels. Unterstützt durch die Stadtbücherei beantwortet sie solche und ähnliche Fragen zum diesjährigen Welt-Alzheimertag und anlässlich der Demenzwochen.

„Demenz. Die Vielfalt im Blick“ ist das Motto der Demenzwochen 2017. Vielfältig ist auch die Ausstellung, welche von der Stadtbücherei und der Alzheimer Gesellschaft präsentiert wird: Bücher über die Krankheit für Kinder und Erwachsene, ihre medizinische und gesellschaftliche Bedeutung, Flyer und Broschüren, Erfahrungen von Angehörigen und Hilfsangebote.

An einem der Ausstellungstische steht eine Frau, die gerade ein Infoblatt durchliest. „Ich bin hier, um mir Informationen zu holen, die ich weiter verwerten kann.“ Auch neue Forschungsergebnisse und Kontakte interessieren die Besucherin. Sie ist Yogalehrerin in Peißenberg und macht Yoga für demenziell veränderte Menschen.

Dass die Alzheimer Gesellschaft in der Stadtbücherei ausstellt, sei die Idee der stellvertretenden Bibliotheksleiterin Simone Groß gewesen. Anlässlich des dortigen Mottos „Miteinander“ werden in der Bücherei das ganze Jahr über Themen angesprochen, die sich mit Aus- und Abgrenzungstendenzen befassen. Dies treffe auch auf die Krankheit Demenz zu, welche laut Stragies von Seiten der Politik nach wie vor zu wenig Unterstützung findet. So sei die Anschaffung eines Fahrzeuges, welches Demenzkranken die Mobilität erleichtern könnte, erst kürzlich vom Kreisausschuss Weilheim-Schongau abgelehnt worden. „Die Kreisräte haben keinen Bedarf dafür gesehen“, erklärte Landratsamtssprecher Hans Rehbehn auf Nachfrage des Kreisboten.

Nach einer Prognose wird es laut Stragies 2020 knapp 3000 Demenzkranke im Landkreis geben, 2032 schon 3800. Grund dafür seien die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er.

Die Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel-Werdenfels gibt es bereits seit 15 Jahren. Besonders werden von ihr die Angehörigen demenzkranker Menschen unterstützt. Für sie sei es schwierig, mit der Situation umzugehen, denn sie „begleiten die Kranken über viele Jahre bis hin zum Abschiednehmen“. „Man kann einfach vorbei kommen, anrufen oder eine E-Mail schreiben“, lädt Stragies zur Kontaktaufnahme ein. An den Erstkontakt schließen sich Folgegespräche, Informationen zu den speziellen Krankheitsformen und weitere Unterstützung an. Es gibt auch Entlastungsangebote. So besteht die Möglichkeit, dass sich ein Helfer der Alzheimer Gesellschaft stundenweise um den Erkrankten kümmert und der Angehörige sich eine Auszeit nehmen kann. Zudem gibt es ein Angehörigentreffen, in welchem der Austausch mit anderen möglich ist und man sich besser verstanden fühlt. Für Erkrankte findet zweimal wöchentlich ein Gruppentreffen statt. Stragies erzählt: „Es ist ein Gedächtnistraining anderer Art, ein Aktivtraining für den ganzen Menschen und es wird gesungen.“

Als nächsten Termin der Alzheimer Gesellschaft Pfaffenwinkel-Werdenfels e. V. kündigt Stragies einen ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Apostelkirche Weilheim am Sonntag, 12. November, ab 15 Uhr an. Anschließend wird zu einer kleinen Feier im Gemeindehaus eingeladen, in der ehrenamtliche HelferInnen geehrt werden. Wer sich über das Thema Alzheimer intensiver informieren möchte, erhält unter Tel. 0881/9276091, info@alzheimer-pfaffenwinkel.de oder unter wwww.alzheimer-pfaffenwinkel.de nähere Auskünfte.

Von Maria Lindner

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