Fachtagung "Die Ammer ist der Hammer" dokumentiert Einzigartigkeit und Probleme des Flusses

Größter Feind ist der Mensch

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Fachtagung mit zahlreichen Referenten (v.li.): Nikolaus Stöger (Staatsforsten), Monika Hirl (Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern), Matthias Luy, Karl-Heinz Grehl, Dr. Norbert Schäffer (LBV-Vorsitzender), Dr. Sebastian Hanfland, Roland Kriegsch (Leiter Wasserwirtschaftsamt Weilheim) und Alfred Ringler.

Peißenberg – Welche Fischarten und botanische Juwelen gibt es im Ammersystem? Welche verschiedenen Nutzungsinteressen gibt es an dem Fluss und wie könnte eine naturnahe Entwicklung der Ammerlandschaft aussehen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Fachtagung, zu der die „Ammer-Allianz“ und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in die Tiefstollenhalle nach Peißenberg eingeladen hatten.

Über drei Stunden zog sich das dichtgedrängte Programm mit Expertenvorträgen, Imbiss und „Netzwerken“. Das Motto der Veranstaltung lautete „Die Ammer ist der Hammer!“ – doch die Beschreibung trifft nicht auf den gesamten Flusslauf zu. „Die Ammer ist nicht nur Licht“, konstatierte Moderator Matthias Luy (LBV) in seinem Vortrag über die „Visionen der Ammer-Allianz“: „Es gibt Bereiche, wo die Ammer zwischen den Deichen stark eingezwängt und von den Flussauen entkoppelt ist.“ Luy meinte damit vor allem den Unterlauf zwischen Weilheim und der Einmündung in den Ammersee. Nördlich der Ammerbrücke bei Raisting könne man beispielsweise den westlichen Dammbereich zurückversetzen und die Auen wieder an die Fließwässer anschließen.

Überhaupt solle die Ammer ein „Referenzfluss für den Typ der alpinen Flüsse“ werden, der durch Artenvielfalt und naturverträgliche land- und forstwirtschaftliche Nutzung in den Pufferzonen besticht. Laut Luy seien das Visionen, die in den nächsten Jahrzehnten und im Dialog mit allen Beteiligten umgesetzt werden sollen. „Wir arbeiten an einer ganz langfristigen Perspektive.“ Das wiederum dürfte Wolfgang Scholz beruhigt haben. Der Bauernverbands-Kreisobmann sprach von „sehr guten wirtschaftlichen Flächen“ speziell entlang des Ammerunterlaufs, aber auch von einem „Angstpotenzial“ der Landwirte, dass weiterer Grund und Boden zur Renaturierung und Auenanbindung wegfallen könnte. „Wir fühlen uns bedroht von den Ansprüchen der Gesellschaft“, so Scholz.

Ein Grußwort zur Fachtagung sprach Karl-Heinz Grehl – wobei sich der Vize-Landrat als Gesteinsexperte entpuppte. Schon als kleiner Junge habe er an der Ammer Steine gesammelt. „95 Prozent der Arten kann ich bestimmen“, erzählte Grehl, der ein seltenes Exemplar eines Korallenriffs nach Peißenberg mitgebracht hatte: „Im Trias vor rund 200 Mio. Jahren war hier ein warmes Meer.“ Die Ammer biete einen „wunderbaren Überblick“ über die Geologie der nördlichen Alpen. Der Fluss sei zwar ein Juwel, leider aber auch in Gefahr: „Der größte Feind der Ammer ist der Mensch. Wir quälen sie an allen Ecken und Enden“, stellte Grehl unter anderem im Hinblick auf die Fluss-Kanalisierung und die Nutzung als Freizeitgebiet fest.

Und wie geht es den Fischen in der Ammer? „Nicht so gut wie man meinen könnte“, erklärte Dr. Sebastian Hanfland vom Landesfischereiverband. Vor allem die Äsche-Bestände seien „deutlich zurückgegangen“. Gründe dafür seien die Wehrverbauungen, die intensive Landwirtschaft entlang des Flusses und die Kormoranbestände. Hanflands Vision: Die Ammer soll vom Unter- bis zum Oberlauf frei von Querverbauungen und damit für die wandernden Fische komplett durchgängig werden. „Dann wären wir nicht mehr auf Besatz angewiesen“, erklärte Hanfland.

Von Bernhard Jepsen 

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