Hochwasserschutz am Angerbach: Planfeststellungsverfahren wird eingeleitet

Stadtrat segnet Planung ab

Weilheim – 30 Grad und mehr: Beim faulen Räkeln in der Sonne liegt nichts ferner als der Gedanke an bedrohliche Pegelstände und überflutete Keller. Wie schnell es anders kommen kann, haben die Weilheimer erst beim Dauerregen Anfang Juni erfahren.

Der Stadtrat hat jetzt den Planungen für den Hochwasserschutz am Angerbach zugestimmt und damit den Weg für das Planfeststellungsverfahren frei gemacht.

Nach der Präsentation von Diplomingenieur Stefan Steinbacher vom Neusäßer Planungsbüro „Steinbacher Con- sult“ und vor der Abstimmung gab es noch reichlich Klärungsbedarf. Die mitunter erregte Debatte in der letzten Sitzung vor der Sommerpause zeigte auch: Die Wahlen rücken näher, da muss man seine politischen Gegner schon mal mit verbalen Attacken aus der Reserve locken.

Neben dem Schutz der Stadt und ihrer Bürger vor einem 100-jährigen Hochwasser drängt ein weiterer Grund zum zügigen Einstieg in das Planfeststellungsverfahren: Das Sichern höherer staatlicher Fördersätze, die nach dem verheerenden Junihochwasser in Bayern in Aussicht gestellt werden. Auf knapp 15 Millionen Euro belaufen sich die Kosten für den Hochwasserschutz am Angerbach, wobei die Stadt auf Fördermittel bis zu 75 Prozent hofft.

Die Grundwasseruntersuchungen östlich von Weilheim, berichtete Steinbacher in der Sitzung, haben ergeben, dass der „Boden in diesem Bereich sehr durchlässig“ ist. Der Planer empfiehlt deshalb, für das dort geplante Rückhaltebecken (Weilheimer Becken) die kleinste Variante mit maximal 270 000 Kubikmeter Fassungsvolumen zu wählen. Damit sich für die Anlieger am Quellenweg die Situation nicht verschlechtert, sollen unterirdische Pufferspeicher (Rigolen) eingebaut werden. Für diese zusätzliche Ausstattung des Beckens, bei der das Wasser über Rigolen gesammelt und wieder zurück ins Becken zurückgepumpt wird, müssen nach Schätzung des Planers 150 000 Euro zusätzlich einkalkuliert werden. Da das kleinere Weilheimer Becken weniger Wasser zurückhalten kann, muss das Marnbacher Becken größer dimensioniert und näher an die Wohnbebauung herangerückt werden. Für das Gut Gossenhofen seien keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen erforderlich, erklärte der Planer.

Wenn die Stadt zehn Prozent der Kosten für die Rückhaltebecken in den gewässerökologischen Ausbau investiere, könne mit zehn Prozent mehr Zuschuss gerechnet werden, klärte Steinbacher die Stadträte auf.

Das dritte Rückhaltebecken liegt am Ramseer Bach auf Eberfinger Flur, wo die Planungen nach den Ausführungen Steinbachers bereits abgeschlossen sind.

Für den innerörtlichen Ausbau des Angerbachs sind fünf Abschnitte vorgesehen: Vom Weilheimer Becken bis „Rieperdinger Holzbau“, weiter zum vorhandenen Teilungswehr und von dort bis zur Zotzenmühle. Abschnitt vier und fünf führen von Zotzen- bis Bärenmühle beziehungsweise vom Teilungswehr zur Verbauung des Simmetsbaches.

Das Hochwasserschöpfwerk an der Ammer soll als dritter Baustein das Zurückstauen des Wassers in die Rohrsysteme verhindern. Bis zu 13,3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde können damit laut Steinbacher abgepumpt werden.

Aus der CSU regte sich Kritik. Die Stadt und das Planungsbüro seien auf massive Einsprüche der Grundstückseigentümer und Anwohner nicht genügend eingegangen. „Sie hätten das letzte dreiviertel Jahr nutzen können, eine Planung zu erstellen, die alle akzeptieren“, wandte sich Stefan Zirngibl an Planer Steinbacher und konfrontierte Loth mit der Frage, ob er persönlich mit den Betroffenen gesprochen habe. „Bei brenzligen Verhandlungen bin ich dabei“, konterte der Bürgermeister. Der ökologische Ausbau, so Zirngibl, würde die Rechte der Grundstückseigentümer einschränken, weshalb mit langwierigen Klagen zu rechnen sei. CSU-Fraktionssprecher Klaus Gast wollte wissen: „Wer haftet, wenn im Bereich des Quellenweges die Rigolen nicht funktionieren und die Keller bei Hochwasser volllaufen?“ Die Stadt müsse für ihre Anlagen gerade stehen, antwortete Steinbacher.

Nach eineinhalbstündiger Diskussion und einem hitzigen Wortgefecht, in dem sich Zirngibl und Dr. Norbert Vidal (BfW) gegenseitig respektlose Äußerungen und Verzögerungstaktik vorgeworfen hatten, drängte der Bürgermeister auf eine Entscheidung: „Wir möchten keine Grundstückseigentümer gängeln und nehmen ihre Anliegen ernst. Jetzt muss endlich ein Beschluss gefasst werden“, mahnte Loth und plädierte für eine namentlich Abstimmung. Bis auf Matt­hias Bayer (CSU) befürworteten schließlich alle Stadträte die von Steinbacher vorgestellten Planungen.

Von Maria Hofstetter

Meistgelesen

Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau
Kleiner Käfer, großer Schaden
Kleiner Käfer, großer Schaden
Alles auf einen Blick
Alles auf einen Blick
Existenz von Imkerei bedroht
Existenz von Imkerei bedroht

Kommentare