Angst vor Radioaktivität – Geothermie in Weilheim bereitet Bürgern Sorgen – "Faktencheck" vorgestellt

Prof. Dr. Stefan Emeis stellte den etwa 80 Zuhörern einen „Faktencheck Geothermie“ vor. Foto: Gsöll

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KATHARINA GSÖLL Weilheim – Das Thema Geothermie brennt den Weilheimern unter den Nägeln. Dies zeigte sich auch bei einer Informations-Veranstaltung zu der der SPD-Ortsverein am vergangenen Montag eingeladen hatte. Etwa 80 Interessierte, sowohl Befürworter wie auch Gegner dieser Form der Energiegewinnung, waren in die „Schießstätte“ gekommen, um sich den „Faktencheck Geothermie“ von Prof. Dr. Stefan Emeis, stellvertretender Vorsitzender des Klimabeirates im Landkreis Weilheim-Schongau und Sprecher des Agenda-Arbeitskreises „Energie und Klimaschutz“, anzuhören und Fragen zum Thema Geothermie zu stellen. Dabei wurde deutlich: In der Bevölkerung herrscht große Unsicherheit darüber, ob und wie sich ein Geothermiekraftwerk in Weilheims Umgebung auf Mensch und Natur auswirken könnte und ob sich diese Investition überhaupt lohnt. Auch Befürchtungen bezüglich Grundwasserverschmutzung, radioaktiver Verseuchung und Beeinträchtigung durch Lärm wurden laut. Den Vorwurf der „Bürgerinitiative für das Oberland“ (BifO), die Stadt Weilheim verschweige den Bürgern die Risiken, die ein Geothermiekraftwerk mit sich bringen kann, wies der zweite Bürgermeister Ingo Remesch (SPD) zurück. „Die Geothermie ist keine technische Spielerei, sondern eine notwendige Option neben anderen Formen der Energiegewinnung, um unabhängig von Rohstofflieferanten zu werden“, stellte Emeis seine Position klar. Eine spürbare Erschöpfung der Ergiebigkeit sei innerhalb der nächsten hundert Jahre nicht zu erwarten. Dies zeigen Simulationen, die im Rahmen eines Gutachtens von der Erdwerk GmbH in München errechnet wurden. Ausgangspunkt der Rechnungen sind mit der 3D-Seismik gewonnene Erkenntnisse. Die Temperaturverteilung nach 125 Jahren in 2 800 bis 5 000 m Tiefe bleibt annähernd gleich, eine geringe Abkühlung um etwa zehn Grad Celsius sei erst nach etwa 300 Jahren im Bereich der Reinjektionsbohrung zu erwarten, nicht aber im Gebiet der Förderbohrung. „Bei der Nutzung von Geothermie wird Radioaktivität freigesetzt“, behauptete Romana Asam, Vorsitzende der Bürgerinitiative für das Oberland (BifO). „Die Radioaktivität des Malmwassers ist sogar geringer als das von Oberflächengewässern“, widersprach Emeis. Jedes Oberflächengewässer enthalte radioaktive Isotope. „Das Wasser im Dietlhofer See ist durch in der Atmosphäre überall vorhandene Radioaktivität stärker belastet als das Bohrwasser, das aus der Malmschicht kommt“, veranschaulichte Emeis. Die von der Bürgerinitiative zitierten erhöhten Werte bezögen sich auf das Wasser aus dem sogenannten Dogger. In den Doggersandsteinen, wie es sie an der Schwäbischen Alb gibt, können Radionuklide im Sandstein vorkommen. Trotzdem werde daraus Trinkwasser gewonnen, welches vor der Verwendung gefiltert wird. Der Dogger liegt laut Emeis unter dem Malm und wird bei den Geothermiebohrungen nicht berührt.

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