Zukunft der Landwirtschaft im Voralpenraum: Kontroverse Diskussion im Antdorfer Festzelt

Die Bauern und die Bienen

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Die Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft, an welcher unter anderem Ludwig Hartmann, Hubert Aiwanger und Martin Schöffel (v. li.) teilnahmen, verfolgte ein großes Publikum im Antdorfer Festzelt.Die Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft, an welcher unter anderem Ludwig Hartmann, Hubert Aiwanger und Martin Schöffel (v. li.) teilnahmen, verfolgte ein großes Publikum im Antdorfer Festzelt.

Antdorf – Wer glaubt, dass zum hundertjährigen Jubiläum der Antdorfer Trachtler nur fingergehakelt und geplattelt wird, hat weit gefehlt. Hier auf dem Land drückt der Schuh, und zwar gewaltig. Nach dem Bienen-Volksbegehren und einer EU-Auflage nach der anderen wird die Luft für Bayerns Landwirte dünner. Zudem lassen Dumpingpreise der Discounter den Spielraum für die Bauern immer kleiner werden. In einer Podiumsdiskussion versuchten Vertreter der CSU, Freien Wählern, Grünen und des Deutschen Bauernverbands, die Interessen von Landwirten, Naturfreunden und Verbrauchern unter einen Hut zu bringen – mit mäßigem Erfolg.

Es herrschte dicke Luft, auf den Feldern, wo kürzlich Gülle ausgebracht worden war, aber auch im Antdorfer Festzelt. Auf den Bierbänken saßen viele derjenigen, welche sich der Fraktion der Landwirte, die sich von Politikern und einer breiten Front aus Naturschützern und umweltaffinen Verbrauchern bedroht und diffamiert fühlen, angeschlossen haben: „Die da oben lassen uns da unten alleine“, hieß es da aus den dichten Reihen. Oder auch: „Wir erwarten Lösungen“. Klagen, mit welchen Antdorfs Bürgermeister Klaus Kostalek die rund zweistündige Podiumsdiskussion einläuten ließ.

Am ehesten wusste der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) die Sympathien der Landwirte zu gewinnen: „Die Milch ist untrennbar mit dem Voralpenraum verbunden“, so Aiwanger. Die verschärfte Düngeverordnung passe da genauso schlecht zu den Kühen auf der Wiese wie der Wolf. Wenn denn die Kühe mal auf der Wiese stünden. Immer mehr ihrer Artgenossen verbringen den ganzen Tag im Stall und nicht draußen, wie es Postkarten aus dem idyllischen Bayern suggerieren.

Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, stieß weniger auf offene Ohren. Als Unterstützer des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ schien er für die Zuhörern die Personifikation ihrer Probleme zu sein. Hartmann war bemüht, die unterschiedlichen Interessen wahrzunehmen: „Wenn alle – Landwirte, Naturschützer und Verbraucher – mit dem Ist-Zustand unzufrieden sind, macht es Sinn, die Aufgaben gemeinsam anzugehen und zielgerichtet zu diskutieren anstatt immer nur mit dem Finger auf den anderen zu zeigen.“ Sein Ziel und das des Bürgerbegehrens sei es, die Mahd von zehn Prozent der Wiesen zeitlich nach hinten, und zwar auf den 15. Juni, zu verschieben. Schon jetzt werden sechs Prozent der Flächen zu diesem späten Termin gemäht. Auch seien rund 80 Prozent der Inhalte, die das Bürgerbegehren vertritt, in anderen Bundesländern längst geregelt, „Bayern hat da einigen Nachholbedarf“, betonte der Grüne.

Von Gesetzesdruck hält der Vorsitzende des Arbeitskreises Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Martin Schöffel (CSU), herzlich wenig. Er sprach sich für eine Freiwilligkeit der ohnehin geförderten Maßnahmen aus und verwies auf das starke Höfe­sterben in den vergangenen Jahren. Dem konnte Karsten Schmal, Milchbauernpräsident des Deutschen Bauernverbandes, nur zustimmen. 60 000 Höfe gibt es laut Schöffel derzeit in Deutschland, das Volksbegehren und die neue Düngemittelverordnung werden seiner Prognose nach jeweils 10 000 den Garaus machen.

An die Verbraucher appellierte das Quartett auf dem Podium, sich mehr über die Arbeit der Landwirte zu informieren. Gerade Kinder und Jugendliche hätten den Bezug zum Landleben verloren. Auch dürfe Artenschutz nicht nur die Landwirte betreffen. „Prozentual bringt der Eigenheimbesitzer genauso viel Insektizide auf seinem Grundstück aus wie der Bauer“, verglich Aiwanger, der der Idee Hartmanns, die Preise für Lebensmittel anzuheben, skeptisch gegenüberstand, denn „viele Menschen hierzulande sind auf die Sonderangebote angewiesen“.

Dennoch waren sich zumindest alle Politiker darin einig, dass die Regionalvermarktung gestärkt werden soll. Produkte zu höheren Preisen werden die Verbraucher dann jedoch wohl in Kauf nehmen müssen.

Von Sandra Gerbich 

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