"Antenne Bayern Bus-Check" empört Busfahrer – Zahlen sind irreführend

"Das ist eine Frechheit!"

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12.44 Uhr, die Schule ist aus: Der Bus kommt und alle Fahrschüler stürzen sich zur öffnenden Tür. Gibt es Platz für alle?

Weilheim – Aufregung herrscht unter den Busfahrern und Busunternehmen: Antenne Bayern hatte in seinem Check „Wie sicher sind Bayerns Schulbusse?“ am 14. Januar eine negative Bilanz für Weilheim gezogen: „Sieben von elf Bussen waren überfüllt“ heißt es. Das Landratsamt ist sich sicher, dass mit falschen Zahlen gerechnet wurde.

„Die Erhebungen von Antenne Bayern sind nicht von den zugelassenen Gesamtzahlen ausgegangen, sondern nur von den Sitzplätzen. Eine Sitzplatzgarantie ist in den Schülerbeförderungsgesetzen leider nicht vorgesehen“, erklärte Hans Rehbehn, Pressesprecher des Landratsamtes. Er nannte ein Beispiel: Der Bus, der um 7.13 Uhr ankommt, hatte laut Antenne Bayern 42 zulässige Plätze – insgesamt waren aber 61 Personen im Bus. Das widerlegt Rehbehn: „In diesem Bus gibt es 45 Sitz- und 32 Stehplätze, also insgesamt 77 Plätze für die Fahrgäste. Also war die Anzahl der 61 Mitfahrenden total in Ordnung“, sagte der Pressesprecher. 

 1533 Schüler gehen in das Weilheimer Gymnasium, 715 fahren mit dem Bus, berichtete die Schule dem Kreisboten. „In Linienbussen dürfen nur so viele Personen befördert werden, wie im Fahrzeugschein ausgewiesen sind. Die Personenzahl umfasst sowohl Sitz- als auch Stehplätze“, so Rehbehn. 

Der Kreisbote sprach mit Busfahrern am Parkplatz gegenüber vom Dachsbräu, und fragte, was sie von diesem „Check“ halten: „Ich fahre seit 13 Jahren Schulbusse und bei mir ist noch kein Kind umgefallen. Ich finde es eine Frechheit! Ein Bus kann gar nicht so überfüllt sein. Das geht wegen der Anzahl der Schulranzen schon mal gar nicht“, sagte eine Busfahrerin sauer.

RVO sieht Bus-Check gelassen – Landratsamt prüft Ergebnisse

Der Kreisbote konfrontierte die Pressestelle von Antenne Bayern mit den Aussagen, die im Bus-Check getroffen wurden. In einem Anschreiben bezieht sich der Radiosender auf Gesetze und Paragraphen. 

 „Einzelne private Busunternehmer verweisen jetzt darauf, dass bei der landesweiten Schulbuskontrolle von Antenne Bayern in ihrem speziellen Fall zusätzliche Stehplätze im Fahrzeugschein dokumentiert gewesen seien, die nicht offiziell im Bus-Innenraum ausgewiesen sind. Sie berufen sich hierbei auf eine angeblich für sie geltende Sonderregelung für den Transport von Schulkindern. Wir verweisen hier allerdings auf eine Verlautbarung des Bundesministeriums für Verkehr vom 14. Juli 2005 und Paragraph 34a StVZO. Demnach besagt die Straßenverkehrszulassungsordnung, dass die Summe der Steh- und Sitzplätze nur zulässig ist, wie sie in der Zulassungsbescheinigung ausgewiesen und im Fahrzeug angeschrieben ist. Auch die Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr legt gemäß Paragraph 1 Absatz 2 und Paragraph 22 fest, dass Stehplätze im freigestellten Schulbusverkehr dann erlaubt sind, wenn sie in der Zulassung des Omnibusses ausgewiesen sind. Diese Zulassung muss unbedingt auch im Bereich der vorderen Schulbus-Tür angeschrieben werden. 

Alle Angaben der zulässigen Passagierzahl des Antenne Bayern-Schulbus-Checks beziehen sich auf die Zahlen für Sitz- und Stehplätze, die im Bus-Innenraum transparent ausgewiesen sind. Das sind die einzigen Zahlen, die auch für Eltern, Lehrer und alle Passagiere nachvollziehbar und kontrollierbar sind. Deswegen haben unsere Reporter auch ausschließlich anhand dieser offiziellen Angaben der Bushersteller im Fahrzeug- Innenraum kontrolliert.“ 

 Das heißt, alle elf Busse, die dem Check unterzogen wurden, hatten eine zulässige Passagierzahl von mindestens 42 bis maximal 50. Also waren laut Antenne Bayern in diesen elf Bussen keine Zulassungsbescheinigungen angebracht, die die Stehplätze ausweisen. Die Redaktion des Kreisboten fragte sich: Kann das stimmen? Alma Jazbec ging der Sache daher nach. 

 Norbert Ortner ist Busunternehmer aus Polling. Seine Busse sind auch täglich im Einsatz. Er ist sehr sauer über den Bus-Check. Er würde allzu gern einen Gegencheck ausführen, um zu beweisen, dass „der Antenne Bayern Test nicht richtig ist.“ Seine Argumentation: „Man bringt überhaupt nicht so viel mehr Leute in einen Bus. Außerdem macht kein Fahrer so etwas mit. Es kann sein, dass vielleicht mal zwei Leute mehr drin sind, als erlaubt. Der Busfahrer lässt keine zwei Kinder auf der Straße stehen“, sagte Ortner. Laut dem Geschäftsführer des Pollinger Busunternehmens haben alle seiner Linienbusse eine Zulassungsbescheinigung im Bus. 

Er gab aber zu, dass es mehr Busse geben sollte. „Vor allem eine Busaufsicht an den Haltestellen, wo Kinder ein- und aussteigen, das wäre eine sehr gute Idee“, so der Busunternehmer. Auf der Strecke zwischen Polling und Huglfing gibt es eine Aufsicht und seitdem funktioniert alles prima. An der Haltestelle ist es ruhiger, der Busfahrer hat einen besseren Überblick und somit ist der Zeitdruck nicht so hoch. „Da spielen viele Faktoren eine Rolle“, sagte Ortner. 

Jedes Jahr verzeichnet das Busunternehmen Schäden in Höhe von 20 000 Euro durch aufgeschlitzte oder angebrannte Sitze und herausgerissene Plastikteile, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Diese Summe muss Ortner aus eigener Tasche zahlen. „Darüber berichtet natürlich wieder keiner“, sagte er. 

 Ralf Kreutzer, Geschäftsführer der RVO, sieht diesen Check als „Propaganda und unnötige Stimmungsmache“. Da Kreutzer weiß, dass alle seine Busse eine Zulassungsbescheinigung haben, sieht er den Antenne Bayern Check eher gelassen. Allerdings empfindet er den Test als Hetze und Angst-Schürerei: „Wenn ich als Vater eines Busschülers höre, dass sieben von elf getesteten Bussen ‘völlig überfüllt’ waren, würde ich mir große Sorgen machen. Antenne Bayern sollte lieber den U-Bahn Check in München machen, dort stehen die Leute zur Rush-Hour gedrängt“, sagte der RVO-Geschäftsführer. 

 Das Landratsamt möchte, so sagte es Pressesprecher Hans Rehbehn, die Ergebnisse von Antenne Bayern nachprüfen.

Von Alma Jazbec

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