Arbeitsgruppe soll sich um die Zukunft des Penzberger Krankenhauses kümmern - Kein Beschluss im Kreistag

Das Penzberger Krankenhaus sorgte bei der Kreistagssitzung am vergangenen Freitag in Penzberg für eine knapp dreistündige, zum Teil sehr kontrovers verlaufenen Debatte. Dieser Disput war nach Ansicht einiger Kreisräte notwendig, „um einmal richtig Dampf abzulassen“, wie hinter vorgehaltener Hand zu hören war. Am Ende einigte sich das Gremium darauf, dass eine Arbeitsgruppe einberufen wird, die bis zur nächsten Kreistagssitzung im Oktober alle Optionen abwägen und dann eine Empfehlung aussprechen soll.

Zwar schloss ich Landrat Dr. Friedrich Zeller (SPD) der Meinung vom Penzberger Bürgermeister Hans Mummert (SPD) an, dennoch demonstrierten etwa 350 Menschen für den Erhalt des Krankenhauses. Mit Plakaten, Transparenten, vor allem aber mit ihrer bloßen Anwesenheit für den Erhalt der Klinik mitsamt internistischer und chirurgischer Abteilung machten sie ihrem Unmut Luft. Berta Senger, die Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins steckte Mummert einen weiteren Karton mit Listen zu, so dass sich die Zahl der Untrerschriften für den Erhalt des Krankenhauses auf rund 15000 erhöhte. Für einen hübschen Versprecher sorgte Elisabeth Ulmer, Geschäftsführerin der Krankenhaus GmbH. Sie stellte noch einmal das Konzept der von Zeller favorisierten „Klinikgruppe Enzensberg“ vor: Das Krankenhaus soll in eine Fachklinik wie in Bad Heilbrunn umgewandelt werden. In diesem Zusammenhang sprach Ulmer von der „Fachklinik Penzensberg“. Während dies für dezente Heiterkeit sorgte und die Anspannung wenigstens für einen Moment aus der Diskussion nahm, hörte das Publikum in der rappelvollen Stadthalle aber noch lieber, was Hans Schütz (Grüne) zu sagen hatte. An die Zuhörer gewandt rief er aus: „Die Leute in Penzberg haben durch ihr Einmischen in die Politik erreicht, dass der Kreistag über dieses Thema noch einmal nachdenkt.“ Im Klartext bedeutete dies: Die 15000 Unterschriften haben ihr Ziel erreicht. Zuvor hatte Schütz aber Landrat Zeller verteidigt, der im Hinblick auf das Defizit der Krankenhaus GmbH „gehandelt hat“, während dessen Vorgänger Luitpold Braun sen. (CSU) „die Sache lange Zeit hat schleifen lassen und einiges an Informationen zurückhielt“. Im Gegenzug attackierte Hubert Pfeiffer (CSU) aus Steingaden den Landrat, als er Zeller vorwarf, dass dieser mit seinem Verhalten den Kreistag „überrumpeln“ wollte. Und weiter sagte Pfeiffer: „Penzberg sollte angesichts der finanziellen Entwicklung der Krankenhaus GmbH als Südenbock herhalten. Deshalb kann man den Eindruck gewinnen, dass Penzberg von der GmbH in der Vergangenheit schlecht behandelt wurde.“ Als Peitings Bürgermeister Michael Asam (SPD) das „Abwatschen“ des Landrats als „infam“ bezeichnet hatte, „weil es einfach nicht stimmt, dass die GmbH Penzberg links liegen gelassen hat“, ging es ungleich sachlicher weiter. So forderte Alfried Schinz (FDP) die Umwandlung des Krankenhauses in eine Belegarztklinik. Denn nur so könnte, „die Grundversorgung gesichert werden“. Schinz, selbst Mediziner, führte weiter aus, Penzberg habe nicht zu wenig Patienten, sondern einfach zu viele Betten, weil nur 60 der vorhandenen 100 stets belegt seien. Folglich sollte das Krankenhaus sein Angebot eben auf diese 60 Betten reduzieren und die restlichen 40 der „Klinikgruppe Enzensberg“ übertragen. Doch dieses Denkmodell gehört nach Ansicht von Bürgermeister Mummert in der Arbeitsgruppe ebenso diskutiert wie alle anderen Angebote von Klinikbetreibern wie „Artmed“ oder der „promedklinik“. Auch sie hatten in den vergangenen Wochen erklärt, das Penzberger Krankenhaus in seinem derzeitigen Bestand betreiben zu wollen. Erstmals zusammentreten wird die Arbeitsgruppe am Montag, 27. Juli, unklar ist derzeit aber noch die Besetzung. Bürgermeister Mummert legt aber großen Wert darauf, dass neben Mitglieder des Kreistags und der Krankenhaus GmbH auch Vertreter des Krankenhauses, des Stadtrates (im Gespräch sind Regina Bartusch und Ludwig Schmuck) sowie der in Penzberg niedergelassenen Ärzte in dieser Gruppe sind. Ferner soll eine neutrale Person die Moderation übernehmen. Der Grünen-Kreisrat Alfred Honisch warnte davor zu glauben, der Runde Tisch könne Wunder vollbringen, denn „vielleicht kommt was raus, was keiner von uns will“. Das aber, nämlich das Aus des Krankenhauses in seiner bestehenden Form, ist für Klaus Breil (FDP) keine Alternative. Er jedenfalls unterstrich: „Penzberg muss weiter attraktiv bleiben, denn Penzberg ist für den Landkreis der entscheidende Finanzierungsfaktor. Und den dürfen wir nicht gefährden.“ Ein Krankenhaus, so Breil, sei für die Stadt ein „enorm wichtiger Standortfaktor.“

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