Für den Arbeitsmarkt der Zukunft rüsten – Agentur für Arbeit beschreitet mit "Business Talk" neue Wege der Kommunikation

Der rapide Anstieg der Arbeitssuchenden in den letzten Jahrzehnten wird sich nicht weiter fortsetzen. Politologe Karl-Heinz Kohn geht vielmehr davon aus, dass der demografische Wandel zu einer Umkehr auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Bis 2050, prognostizierte Kohn in Wessobrunn, werden in Deutschland bis zu zehn Mio. Menschen weniger im Erwerbsleben stehen und Fachkräfte äußerst knapp sein. Darum sein Appell an die Unternehmer in der Region: „Wir brauchen Zuwanderung und Qualifikation.“

Mit ihrem „Business Talk“ in schicken weißen Clubsesseln startet die Agentur für Arbeit eine neue Initiative für Arbeitgeber in der Region. Eine der bundesweit 20 Pilotagenturen, die die „Eventreihe“ testen sollen, ist die Arbeitsagentur Weilheim. Neben Informationen und Gesprächen über Perspektiven einer modernen Arbeitsmarktpolitik wurde den 85 Teilnehmern aus den Landkreisen Weilheim, Garmisch und Landsberg in Wessobrunn Comedy geboten. Referent Kohn, als Dozent an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim tätig, setzte sich kritisch mit statistischen Daten des Arbeitsmarktes auseinander. Dieser würde oft „in schiefen Bildern wahrgenommen“, die es zurechtzurücken gelte. Ein Beispiel sei der gern zitierte „Dr. Arbeitslos“, der Akademiker ohne Job. In der Praxis würden aber gerade die ungelernten Kräfte die Arbeitslosenquote in die Höhe treiben. In Zukunft werde jede Erwerbskraft dringend gebraucht. Kohns Überzeugung: „Unsere Arbeitsgesellschaft braucht Visionen“, denn: „Wir sind reich und können uns eine Menge leisten. Aber bringen wir das unserer Jugend wirklich rüber?“ Die Wirtschaft müsse ihre Personalpolitik familienorientiert ausrichten und in der Bildungs- und Sozialpolitik müsse manche Stellschraube neu gedreht werden. Wie sich die Unternehmen im Agenturbezirk dem Wettbewerb stellen und ihre Fachkräfte sichern wollen, kam in der Podiumsdiskussion zum Ausdruck. Dietmar Ahl (Firma Bechtold, Weilheim) erhofft sich von einer ausgewogenen Altersstruktur und einem „ordentlichen Klima“ im Betrieb einen Wettbewerbsvorteil. Roche Diagnostics in Penzberg baut, wie Alois Meier betonte, auf die Partnerschaft mit Schulen und Unis. Ausgebildet wird in Kooperation mit anderen Betrieben; auf der Suche nach wissenschaftlichen Kompetenzen, so Meier, „müssen wir auch ins Ausland schauen“. Das Handwerk rekrutiert zwei Drittel seines Nachwuchses aus der Hauptschule. Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl kritisierte Mängel in der Ausbildungsreife. Um Jugendliche mit Migrationshintergrund im Betrieb besser eingliedern zu können, hat die Handwerkskammer laut Zirngibl einen Integrationsbeauftragten angestellt. Manfred Neupfleger (DGB-Region Oberland) sieht die Betriebe in der Pflicht, in Krisenzeiten mit Kurzarbeit verstärkt auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu achten. Dass die Erwerbstätigen dazu durchaus bereit seien, bestätigte Dr. Stefan Loibl von der IHK („wir verzeichnen unglaubliche Zuwächse bei den Bildungsange- boten“) ebenso wie der Hausherr der Veranstaltung, Ferdinand Pilzweger: Zehn Mio. Euro investiere die Agentur für Arbeit in Weilheim jährlich in Maßnahmen zur Weiterbildung, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung und unterstrich, dass Qualifizierung auch Sache der Arbeitgeber sei.

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