Albanienhilfe Weilheim setzt weiter auf spendenfreudige Bürger

Hoffnung geben im Armenhaus Europas

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Evelyn Huber (li.) und die vor Ort wirkende Schwester Slavka (re.) sind stolz auf Argenta und Denalda.

Weilheim – Sie erinnern sich an Argenta und Denalda? Die „Albanienhilfe Weilheim“ hatte die beiden jungen Frauen, 18 und 19 Jahre, im vergangenen Sommer aus dem Mädchenwohnheim „Antonia“ nach Weilheim geholt, wo sie im Bildungskolleg einige Wochen lang eifrig Deutsch lernten. Beide studieren inzwischen in ihrer Heimat und haben konkrete Zukunftspläne.

„Wir sehen uns in der Verantwortung, diesen jungen Menschen in Albanien eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen, damit sie in dem Land bleiben und ihre Heimat ein Stück vorwärts bringen können“, begründet die Weilheimerin Evelyn Huber ihr Engagement in einem Staat, wo die Korruption allgegenwärtig ist. 

Seit Hubers Vater Fritz Sommer im Jahre 1992 zusammen mit Freunden der Kolpingfamilie den Arbeitskreis „Albanienhilfe Weilheim“ gegründet hat, ist viel geschehen. Denn das große Elend und die Hungersnot, welche der Weilheimer dort bei seinen Besuchen erlebt hatte, ließen ihm einfach keine Ruhe mehr. Über 80 Hilfstransporte wurden organisiert und Patenschaften für die in ärmsten Verhältnissen lebenden Mädchen und Buben vergeben. Die „Albanienhilfe“ finanziert Suppenküchen, in denen die Hungrigen einmal am Tag eine warme Mahlzeit ausgeschenkt bekommen. Weitere soziale Einrichtungen, wie Kinderhäuser und ein Ausbildungszentrum für Jugendliche, wurden aufgebaut. Ganz im Sinne des Vereinsgründers setzt seine Tochter Evelyn Huber nun das Werk ihres verstorbenen Vaters fort. 

 „Der Grundstock ist gelegt. Aber es gibt noch viel zu tun. Wir brauchen jährlich 220 000 Euro an Spendengeldern, um unsere Projekte am Laufen zu halten“, umreißt die Weilheimerin die Vorhaben der „Albanienhilfe“ für 2014. Priorität hat der bereits im Vorjahr begonnene Um- und Einbau einer neuen Heizungsanlage für das Kinderhaus „Sternstunden“ in Elbasan. Die 150 000 Euro teure Investition ist dringend nötig: Sämtliche Leitungen waren durchgerostet, der Brenner funktionierte nicht mehr. Das osteuropäische Hilfswerk der katholischen Kirche, „Renovabis“, erklärte sich nach einer Ortsbesichtigung sofort bereit, einen Großteil der Kosten zu übernehmen, berichtet Huber in einem Gespräch mit dem Kreisboten. „Die Kinder mussten hier im Kalten leben“, beschreibt sie die prekäre Situation. 

 Mehrmals im Jahr fliegt die Weilheimerin nach Albanien. Mit 15 ehrenamtlichen Helfern sorgt sie dafür, dass die Spendengelder des Vereins zu 100 Prozent an die Objekte in Albanien weitergeleitet werden. Darauf darf man schon ein wenig stolz sein. „Wir sind die einzige Hilfsorganisation, die seit dem Ausbruch der großen Hungersnot in Albanien vor 23 Jahren ununterbrochen vor Ort ist“, unterstreicht Huber. Bisherige Bemühungen des Vereins, das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) zu erhalten, seien an den hohen Gebühren gescheitert, die bereits für den Erstantrag fällig werden, so Huber. 

Im Haus „Sternstunden“ in Elbasan, das mit Unterstützung der gleichnamigen Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks errichtet wurde, leben 27 Kinder. Die 21-jährige Sadette kam mit 13 dorthin. „Das Mädchen hatte bisher mit seinem Vater im Freien unter einer Brücke gelebt. Ein festes Dach über dem Kopf und geregelte Mahlzeiten waren ihr ebenso fremd wie der Besuch einer Schule.“ Evelyn Huber war erschüttert, Sadettes trauriges Schicksal berührte sie: „Da war ein gewisses Flehen in ihren Augen, als ich dieses Mädchen zum ersten Mal sah.“ Die junge Albanierin hat es geschafft! Mit viel Zuwendung, Geduld und in kleinen Lernschritten wuchs sie im „Sternstundenhaus“ zu einer selbstbewussten jungen Frau heran, machte ihr Abitur und lebt jetzt in Tirana, wo sie „einen netten Mann kennengelernt hat“. Vor Kurzem nahm die „Albanienhilfe“ im Norden des Landes ein Betreutes Wohnen für Jungen in Betrieb, das aktuell von zwei jungen Männern besucht wird. Tagsüber gehen die Burschen einer geregelten Ausbildung nach, samstags bringt ihnen ein Schreiner handwerkliche Fähigkeiten bei. Ihr Weg in die Zukunft wird lang und steinig sein. Dies gilt für alle von der „Albanienhilfe Weilheim“ Unterstützten. „Erst wenn diese jungen Menschen ein selbständiges Leben führen können, wird unsere Hilfe im Armenhaus Europas nicht mehr nötig sein“, ist Huber überzeugt.

Mehr Infos: www.Albanienhilfe-Weilheim.de. Spendenkonto: Vereinigte Sparkassen Weilheim, IBAN: DE38 7035 1030 0000 0253 61, SWIFT-BIC: BYLADEM1WHM.

Maria Hofstetter

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