Flüchtlinge sollen Anfang November in die Hirschberg-Alm einziehen

Asylunterkunft mit Aussicht

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Vom Ausflugslokal zur Flüchtlingsunterkunft: So könnte es in wenigen Wochen aussehen, wenn Asylbewerber verschiedener Nationen in die Hirschberg-Alm einziehen.

Pähl – Was für ein Wandel für die Hirschberg-Alm: Vom einstigen Spitzenhotel mit gepflegter Gastronomie und gefragtem Ausflugsziel zur Flüchtlingsunterkunft.

Die Hotelzimmer bedürfen diesbezüglich keiner Genehmigung, aber für die Gasträume hat jetzt der Pähler Gemeinderat auf Antrag des Eigentümers eine sogenannte „Umnutzung“ einstimmig beschlossen. So werden also bis Anfang November Asylsuchende aus verschiedenen Nationen in den großzügigen Komplex an der Bundesstraße 2 zwischen Starnberg und Ammersee einziehen.

Zugegeben: Die besten Jahre hat die Hirschberg-Alm längst hinter sich. Der Eigentümer und diverse Pächter hatten in den letzten Jahren mit verschiedenen Konzepten vergeblich versucht, dem einstigen Traditionshaus wieder Leben einzuhauchen. Warum das nicht gelang, gehört zu den großen Rätseln der Gastronomie. So steht das Restaurant-Hotel seit Jahren leer. Der Eigentümer, die Herbert Gruber GmbH, sucht seit 2005 einen Käufer für das gesamte 16 000 Quadratmeter große Areal mit Hauptgebäude, Wintergarten (erst 2002 gebaut), Angestelltenhaus und Garagen. Da bislang kein Käufer das Risiko einer Neubelebung eingehen wollte, einigte sich die Gruber GmbH nach Intervention der Gemeinde Pähl mit dem Landratsamt Weilheim für die nächsten zehn Jahre auf die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft.

Geplant ist die Aufnahme von bis zum 80 Flüchtlingen in der Hirschberg-Alm. Der Platz im dreigeschossigen Haupthaus mit 23 Zimmern und eventuell auch dem Angestelltenhaus mit 120 Quadratmeter Wohnfläche dürfte ausreichend sein. Dazu kommt noch das großzügige Restaurant, das sich nach der „Umnutzungsgenehmigung“ ebenfalls als Wohnraum nutzen lässt. Von der Panoramaterrasse werden die künftigen Bewohner einen wunderbaren Blick auf den Hohen Peißenberg, die Alpen und den Pfaffenwinkel haben. Durch den Tunnel unter der verkehrsreichen Bundesstraße kommen die neuen Bewohner schnell zur Bushaltestelle, wenn beispielsweise Behördengänge oder Arztbesuche anstehen.

"Besser als Container"

Freiwillige sind bereit – Die bewegte Geschichte der Hirschberg-Alm

In Bezug auf die Hirschberg-Alm als Asylunterkunft betonte Bürgermeister Werner Grünbauer, dass hier eine sozialverträgliche Lösung gefunden wurde, die allemal besser sei als das Aufstellen von Containern oder Zelten, gerade im Hinblick auf den kommenden Winter.

Und da das Wohnraumangebot in Pähl sehr knapp sei, ist man auf die Idee gekommen, die leer stehende Hirschberg-Alm zu nutzen. „Wir schaffen das hier, im Gegensatz zur Kanzlerin“, meinte Grünbauer zu seinen Gemeinderäten. Und mit einem Seitenhieb auf Kollegen in anderen Kommunen, die noch untätig den Kopf in den Sand stecken, lobte er das schnelle und vorausdenkende Handeln seiner Gemeinde. Der Pähler Unterstützerkreis von rund 30 Freiwilligen, Kindergärten und Schulen sei informiert und vorbereitet auf die Flüchtlinge, die man unvoreingenommen schnell integrieren wolle. Es kommen laut Grünbauer nur registrierte Flüchtlinge in die Hirschberg-Alm, deren Asylverfahren schon eingeleitet wurde.

Als Betreiber der Asylunterkunft bekommt die Gruber GmbH für jeden Flüchtling pro Tag vom Landratsamt eine Summe, die aber vertraulich behandelt wird. Bundesweit schwankt der Betrag zwischen 10 und 25 Euro pro Person und Tag. Davon muss der Betreiber aber Heizung, Strom und Reparaturen übernehmen. Für die sogenannte Buffetverpflegung der Flüchtlinge sorgt ebenfalls die Gruber GmbH, den Wachdienst steuert das Landratsamt bei.

Noch müssen Brandschutzfragen und die Wasserversorgung geklärt werden, bevor die ersten Asylsuchenden Anfang November nach Pähl gebracht werden.Die Hirschberg-Alm wurde 1930 eröffnet und war – abgesehen von der Kriegszeit – für viele Jahre ein begehrtes Ausflugsziel. In den sogenannten „Autowander-Routen“ des ADAC gehörte das Haus regelmäßig zu den Top-Empfehlungen. Auch die Prominenz kehrte gerne ein. So standen auf dem Parkplatz inmitten eines Heers von „Käfern“ der berühmte weiße Jaguar von Heinz Rühmann, das Karmann-Ghia Cabriolet von Petra Schürmann oder der Alfa Romeo von Formel-1-Pilot Jochen Rindt. Die Küche war legendär, die Süßspeisen waren ein Geheimtipp. Die gastronomische Vielfalt im Fünfseenland wuchs ebenso wie das Hotelangebot und die in die Jahre gekommene Hirschberg-Alm verlor langsam ihre Zugkraft. Immer weniger Gäste bremsten am Wahrzeichen, dem lebensgroßen Hirschen, ab und legten einen lukullischen Stopp ein oder übernachteten. Im Jahr 2000 verkaufte die Münchner Hoteliersfamilie Kling schließlich an den jetzigen Besitzer, der unter anderem erfolgreich die Asado-Steakhaus-Kette betreibt. Was in ganz Deutschland bestens funktioniert, schlug aber in der Hirschberg-Alm fehl. Das Angebot mit Argentinischen Steaks brachte nicht den erwarteten Zulauf.

So wird jetzt die einst berühmte Hirschberg-Alm die nächsten Jahre als Flüchtlingsunterkunft einen Dienst an der Menschheit erfüllen.

von Dieter Roettig

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