Weilheimer Asylunterstützerkreis sieht sich an der Belastungsgrenze – Kritik an der Stadt

Koordinierungsstelle gefordert

+
Um der Bevölkerung das Basiswissen zu vermitteln und Vorurteile abzubauen, hat der Unterstützerkreis „Asyl im Oberland“ eine Broschüre herausgebracht. Unter anderem werden die Fragen „Wie lange dauert ein Asylverfahren?“, „Nehmen uns die Asylbewerber die Arbeitsplätze weg?“ und „Warum kommen fast nur Männer?“ beantwortet. Die Broschüre wurde mit einer Auflage von 7 000 Exemplaren gedruckt und ist in den Kirchengemeinden erhältlich. Präsentiert wurde das 23 Seiten umfassende Heft beim Pressegespräch von Axel Piper, Annette und Jost Herrmann, Gudrun Grill und Weilheims katholischem Stadtpfarrer Engelbert Birkle.

Weilheim – „Noch ist es relativ ruhig“, sagt Weilheims evangelischer Pfarrer Jost Herrmann, als er im Rahmen eines Pressegesprächs auf die aktuelle Flüchtlingssituation in der Kreisstadt eingeht.

Die Betonung liegt aber deutlich auf „noch“: „Im Oktober und November wird der große Schwung aus den Erstaufnahmelagern zu uns kommen“, prognostiziert Herrmann. Bis zum Jahresende, so die Schätzungen, wird sich die Zahl der Asylbewerber in Weilheim auf rund 600 verdoppelt haben. Im Januar stehen vermutlich 250 weitere Flüchtlinge auf der Ankunftsliste. Das Problem: Die überwiegend ehrenamtlich organisierte Betreuung der Asylbewerber ist schon jetzt an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt.

Rund 140 aktive Helfer zählt der Weilheimer Asylunterstützerkreis derzeit. Einen Schwerpunkt der Arbeit bilden die Deutschkurse, aber auch die Begleitung bei Arztbesuchen und Behördengängen, die Vermittlung von Kontakten für Freizeitaktivitäten, Übersetzerdienste sowie die psychische und seelsorgerische Betreuung stehen auf dem Programm. Auch muss in der heimischen Bevölkerung Aufklärungsarbeit betrieben werden, um Sozialneid und Fremdenfeindlichkeit vorzubeugen. Laut Dekan Axel Piper wird das Engagement der Kirchen in der Flüchtlingsbetreuung „nicht ganz kritiklos“ begleitet: „Es kommen ja überwiegend Moslems und keine Christen. Aber wenn wir nichts täten“, so Piper, „dann hätten wir unsere christlichen Werte bereits verloren.“

In dem von der evangelischen und katholischen Kirche gemeinsam getragenen Weilheimer Unterstützerkreis werden im Durchschnitt rund 400 Stunden in der Woche geleistet – freiwillig und ohne Bezahlung: „Das entspricht etwa elf hauptamtlichen Stellen“, rechnet Herrmann vor, der sich zusammen mit Gudrun Grill, katholische Pastoralmitarbeiterin, um die Koordinierung der ehrenamtlichen Helfer kümmert. Zwischen 15 und 25 Stunden in der Woche kommen dabei für beide jeweils zusammen.

Für Piper steht ob des hohen Arbeitspensums fest: „So in dieser Form werden wir es nicht mehr lange durchhalten.“ Gemeint ist damit nicht nur, dass der Weilheimer Asyl- unterstützerkreis noch mehr ehrenamtliche Helfer und einen Lagerraum für Sachspenden braucht. Beim Pressegespräch wird auch eine klare Forderung an die Politik formuliert: „Wir werden nicht umhinkommen, eine Stelle zu schaffen. Sonst bricht das System zusammen“, erklärt Piper – und Herrmann nimmt die lokalen Entscheidungsträger in die Pflicht: „Die große Politik muss etwas machen, die Stadt aber auch.“ Natürlich erfahre man aus dem Weilheimer Rathaus Anerkennung für die geleistete Arbeit in der Flüchtlingsbetreuung, „aber bislang hatte der Bürgermeister die Meinung, dass das Landratsamt verantwortlich ist“, kritisiert Herrmann. Sein Fazit: „Die Stadt macht zu wenig.“ Aber auch von der Ausländerbehörde am Landratsamt würde sich Weilheims evangelischer Pfarrer „mehr Flexibilität“ und eine bessere Kommunikation wünschen: „Wir erfahren leider alles nur aus der Zeitung“, bedauert Herrmann.

von Bernhard Jepsen

Meistgelesen

Weilheimer Gesundheitstag
Weilheimer Gesundheitstag
Fällaktion in Murnau
Fällaktion in Murnau
Made in Weilheim
Made in Weilheim
Kleiner Käfer, großer Schaden
Kleiner Käfer, großer Schaden

Kommentare