Freie Wähler scheitern im Marktrat mit Antrag

Aufregung um Kabinenneubau - Streit im Marktgemeinderat

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Im Marktgemeinderat Peißenberg gab es Streit wegen der Umkleidekabinen des Eisstadions.

Peißenberg – Der geplante Neubau der Umkleidekabinen am Peißenberger Eisstadion ist inzwischen zum „Riesenpolitikum“ geworden. So zumindest drückte es SPD-Bürgermeister-Kandidat Robert Halbritter in der jüngsten Marktratssitzung aus.

In der stand ein Antrag von Walter Wurzinger und Jürgen Forstner (beide Freie Wähler) auf der Tagesordnung, wonach im Zuge des Themas „Umkleidekabinen“ ein „Gesamtkonzept für das gesamte Sportgelände im Bereich Eisstadion und Rigi-Rutsch´n“, unter anderem mit TSV-Vereinsheim, Reha-Kantine und Bau eines Fußball-Kunstrasenplatzes, erstellt und Fördergelder aus einem Sonderprogramm des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) akquiriert werden sollten. Als Koordinierungsinstrument wurde ein Arbeitskreis mit Markträten, Gemeindewerken und TSV-Vertretern vorgeschlagen. Der FW-Antrag fand bei den Marktratskollegen allerdings keinen Anklang. Zum einen wurde die sachliche Zuständigkeit der Gemeinde bezweifelt: Um beispielsweise Fördergelder beim BLSV zu generieren, müsse ein Verein und nicht eine Gemeinde als Bauherr auftreten und auch entsprechende Planungen vorlegen. Das, so wurde argumentiert, sei mit dem TSV Peißenberg als Eisstadionbetreiber auch so vereinbart worden.

Schwer verärgert über den FW-Vorstoß war Stefan Rießenberger. Dass die FW den Antrag Ende Januar eingebracht hätten, sei der Versuch gewesen, ihn als TSV-Präsidenten „bloßzustellen“. Es sei damit suggeriert worden, dass die TSV-Führung „keine Ahnung von irgendetwas“ habe: „Das ist unter der Gürtellinie“, echauffierte sich der Sprecher der Bürgervereinigung. Der TSV sei durchaus in der Lage, Fördergelder zu beantragen. Bereits 2018 habe man beim BLSV wegen der Umkleiden und des Kunstrasenplatzes insistiert. Mit der Forderung nach einem „Gesamtkonzept“ würden Begehrlichkeiten geweckt, die der TSV nicht erfüllen könne. „Ich möchte einen gesunden Verein hinterlassen und keine Baustellen“, so Rießenberger.

Die Vorwürfe des TSV-Präsidenten wiesen Wurzinger und Forstner vehement zurück. Ziel des Antrags sei es, „das Bestmögliche“ für den TSV, für die Sportstätten und für die Kommune herauszuholen. Jedes Jahr, so Forstner, würde die Gemeinde rund 100 000 Euro an Steuergeldern in das Eisstadion pumpen. Zudem sei ein Zuschuss in Höhe von 200 000 Euro an den TSV für den Kabinenneubau in Aussicht gestellt worden. Dann sei es aber nur legitim, sich als Marktrat über die Zukunft der Sportstätte Gedanken zu machen. Das Eisstadion sei wichtig für Peißenberg – und dementsprechend müsse man auch in breiter Runde über tragfähige und zukunftsfähige Lösungen diskutieren. „Da kann ich nicht so unverschämt sein und sagen, das schaffe ich alles ganz alleine“, kritisierte Forstner in Richtung Rießenberger.

Gegen den FW-Antrag votierte auch die SPD-Fraktion. Was die Akquirierung von BLSV-Fördergeldern anbelange, so hieß es, würde der FW-Antrag „ins Leere laufen“ und die Planung der Container-Lösung für die Umkleiden noch weiter hinauszögern. Die Container nannte Halbritter als „notgedrungen Kompromiss“: „Jeder weiß, dass ich für da hinten andere Pläne hätte.“ Doch ein Konzept für ein Leistungszentrum mit Sporthotel zu entwickeln, benötige Zeit. Halbritter kritisierte generell, dass die Debatte über die Umkleiden mit der Zuschussanfrage des TSV von der Rathausspitze noch vor der Wahl auf die Tagesordnung gestellt wurde – obwohl man sich im Gremium einig gewesen sei, in der Zeit keine Zuschussanträge mehr von Vereinen zu behandeln. Jetzt stecke man in einem „absoluten Schlamassel“. Bürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste) konterte, dass ansonsten 2020 gar nichts mehr in puncto „Umkleiden“ passiert wäre. Außerdem: Wenn man den TSV-Zuschussantrag hätte verschieben wollen, dann hätte man das nur kundtun müssen: „Ich bin nur ein einzelner Mensch und hier sitzen 24 Gemeinderäte“, so Vanni.

Zitate aus der Sitzung:

„Ich bin der Herr Rießenberger, Präsident des TSV Peißenberg, genannt ‚Uli Hoeneß‘. Ein geiler Job ohne Ende. Ich habe 2 500 Mitglieder, einen Jahresumsatz von 1,35 Millionen Euro – und ich hafte mit meinem Privatvermögen. Punkt.“ (Stefan Rießenberger in der Debatte zum FW-Antrag)

„Herr Rießenberger oder Herr Hoeneß, ich weiß nicht, wie Sie jetzt angeredet werden wollen.“ (Jürgen Forstner zu Stefan Rießenberger)

Von Bernhard Jepsen

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