Dr. Andreas Segerer spricht zum Auftakt des Volksbegehrens in Oberhausen

Lebensraum für Insekten wird knapp

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Hielt das Hauptreferat: Schmetterlingsexperte und Biodiversitätsforscher Dr. Andreas Segerer.

Oberhausen – Auf großes Interesse stieß die Auftaktveranstaltung für die zweite Stufe des Volksbegehrens „Rettet die Bienen – für den Erhalt der Artenvielfalt“. Gastgeber waren das landkreisweite Aktionsbündnis, dem ÖDP, Grüne, LBV und Bund Naturschutz angehören. Viele kleinere Gruppierungen und private Unterstützer tragen die Initiative mit. Über 200 Vertreter davon und weitere Interessierte verfolgten beim Stroblwirt das Referat von Dr. Andreas Segerer.

ÖDP-Bündnissprecherin Agnes Edenhofer stellte fest: „In jedem Ort im Landkreis gibt es aktive Artenretter.“ Zur Einstimmung sang Emil Graf, solo oder begleitet durch sein Gitarrenspiel, drei Lieder mit Bezug zur Natur. Auf Edenhofers Frage nach seiner Motivation erklärte der Elfjährige: „Weil ich möchte, dass meine Kinder auch noch Schmetterlinge sehen können.“

Wie die Chancen dafür stehen, zeigte Dr. Segerer, der auch Präsident der Münchner Entomologischen Gesellschaft ist, auf. Der Forscher machte klar, dass er wissenschaftlich gewonnene Fakten vorlege und nicht politisch oder verbandsgesteuert sei. Seit Beginn der Industrie- und Agrarrevolution, so Segerer, werden rückläufige Insektenbestände dokumentiert. Doch noch nie sei der Artenschwund so rasant gewesen wie in den letzten zehn Jahren, auch in Naturschutzgebieten. Als Ursachen benannte er unter anderem die Vernichtung und Intensivierung von Lebensräumen, die Verinselung der Restflächen, die einen genetischen Austausch der Arten verhindert, hohe Pestizideinsätze und das Problem des Stickstoff-Eintrags. Segerers Fazit: der Lebensraum für Insekten wird knapp und weiter: „Insekten sind die Grundlage für die relevanten Systeme der Biologie. Am Ende steht der Mensch. Wir befinden uns im sechsten großen Massensterben, ausgelöst durch menschliche Aktivitäten.“ Der Politik warf Segerer vor, dass sie der Ökonomie Vorrang vor der Ökologie gebe. Es sei „höchste Zeit, dass eine Bewegung von unten die Politik zum Eingreifen zwingt“.

Dr. Maiken Winter, Fachsprecherin des Volksbegehrens, fragte nach, inwieweit Gesetzesänderungen Einfluss auf das Artensterben nehmen könnten. Segerer hob das Schaffen von Biotopnetzverbünden und die Verpflichtung auf zehn Prozent Blühflächen in Bayern hervor und stellte fest: „Wir brauchen mehr Hecken, Kleinstrukturen, Feuchtgebiete, Uferstreifen und viele andere Lebensräume, die für Insekten so wichtig sind.“

MdL Andreas Krahl (Grüne) rief dazu auf, die Eintragungsfrist bis zum 13. Februar zu nutzen, um eine Verbesserung des bayerischen Naturschutzgesetzes zu ermöglichen.

Kritische Nachfragen stellten vor allem die Landwirte. Laut Segerer und Winter gehe es bei den geplanten Maßnahmen nicht um ihre Gängelung. Das aktuelle Agrarsystem bringe die Natur, vor allem auch die kleinbäuerliche Landwirtschaft, an ihre Grenzen. Ziele des Gesetzentwurfes seien Vorgaben, die durch Anreizsysteme und sachgerechte Förderung erreicht werden könnten. „Die Bauern werden als Partner benötigt, aktuell werden 45 Prozent der Fläche Bayerns landwirtschaftlich genutzt. Dort anzusetzen bringt den größten Erfolg“, wurde den Vorwürfen entgegnet.

Die Initiatoren des Volksbegehrens argumentierten, dass die Abkehr vom „Wachsen oder Weichen“ mehr Landwirten bessere Überlebenschancen bringen könnte. Auch Maßnahmen beim Ausweisen von Gewerbegebieten, im Straßenbau und in Privatgärten wären ihrer Meinung nach hilfreich für den Erhalt der Artenvielfalt. Mit einer insektenfreundlichen, naturnahen Gartengestaltung mit heimischen Pflanzen könnten „Trittsteine“ für den Artenaustausch geschaffen werden.

Die Veranstaltung schloss mit einer Einspielung der 15-Jährigen Greta Thunberg, die bei der Weltklimakonferenz 2018 in ihrer vielbeachteten Rede gemahnt hatte: „Ihr sagt, ihr liebt eure Kinder über alles. Und doch stehlt ihr vor ihren Augen die Zukunft (…) Solange ihr euch nicht darauf konzentriert, was getan werden muss, sondern darauf, was politisch möglich ist, gibt es keine Hoffnung.“

Von Kreisbote

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