Klavierkonzert mal anders

Ausnahmepianisten spielten in Peißenberg

Stefan Weh und Marcel Dorn am Flügel
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Nur selten saßen Stefan Weh (hinten) und Marcel Dorn so ruhig am Flügel.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Peißenberg – Der Kulturverein in der Tiefstollenhalle lässt es nach und nach wieder angehen. Am vergangenen Wochenende fand das zweite Konzert nach der Corona-Pause statt und punktete gleich mit außergewöhnlichem musikalischem Können und viel Humor.

Fast heimelig ging es am Samstag zu im großen Saal der Halle. Auch die Corona-Auflagen, die der Verein perfekt umsetzte, störten da nicht: Rund 60 Neugierige hatten sich auf den Weg gemacht, um herauszufinden, was hinter dem angekündigten „Pianotainment“ steckt. Wer ein ganz normales Klavierkonzert erwartet hatte, der wurde überrascht. Denn Stefan Weh und Marcel Dorn machten aus dem Abend ein unvergessliches Erlebnis. In Anbetracht der sonstigen Spielorte von „Pianotainment“ war es für den Kulturverein ein Glücksfall, dass die Allgäuer Zeit gefunden hatten, um nach Peißenberg zu kommen. Für gewöhnlich konzertieren sie in der ganzen Welt und haben schon in über 100 Ländern gespielt. Trotz Corona ist auch der Tourplan der nächsten Monate schon gut gefüllt. Bereits seit 25 Jahren treten die beiden Berufsmusiker zusammen auf und das nicht etwa jeder an einem eigenen Instrument. Sie teilen sich die 88 Tasten des Flügels und führen alle Stücke gemeinsam auf. Da muss jede Bewegung sitzen, vor allem wenn nebenbei noch zur Erheiterung des Publikums herumgeblödelt wird. Eigentlich sind die meisten Stücke, die die Ausnahmepianisten vortragen, gar nicht für vier Hände konzipiert. So mussten alle neu arrangiert werden und das alles andere als eintönig und fast immer vermischt mit anderen Liedern.

Am Samstag durften die Besucher daher über allerhand skurrile kompositorische Zusammenkünfte staunen. Bei der „Himmlische Saufrunde“ zum Beispiel. Denn viele bekannte verstorbene Komponisten hätten Laster gehabt und seien vor allem dem Alkohol zugeneigt gewesen, erklärte Dorn. Somit irgendwie naheliegend, dass er und sein Bühnenkollege Stücke wie Franz Schuberts „Ave Maria“ oder Pjotr Iljitsch Tschaikowski „Klavierkonzert Nr. 1“ mit traditionellen Trinkliedern kunstvoll vermengten. Aus dem üblichen Rahmen zu fallen, das gelang auch bei nahezu jedem anderen Stück des Abends. Schon bei den ersten Tönen gab es oft Lacher oder Staunen im Publikum.

Ein besonderes Schmankerl: Mit zwei Kameras wurden die Gesichter und die Hände gefilmt und auf eine große Leinwand übertragen, damit wirklich jede kleinste Bewegung an Händen und Gesicht erhascht werden konnte. Und davon gab es jede Menge. Die Mimik beider Männer ist sehr ausgeprägt. Von höchster Konzentration bis zum Glitzern in den Augen bei einem Schabernack: Mit wenigen Worten wurden die passenden Emotionen an die Gäste weitergegeben. Und auch die unglaubliche Spielfreude, die versprüht wurde, sorgte für gute Laune. Mit einer lässigen Leichtigkeit wurden sogar sehr schnelle Stücke runtergeklimpert, als wären sie ganz einfach. Bei Astor Piazollas „Libertango “ spielten sich die Musiker regelrecht in Ekstase und auch bei Zequinha de Abreus „Tico-Tico no Fubá“ stachelten sich die Kemptener an und schaukelten sich zu atemberaubenden Tempi hoch.

Ein kompletter Kontrast zu den lateinamerikanischen Stücken und einer der Ausflüge in die moderne Musik: Queens „Bohemian Rhapsody“. „Es sind ungefähr 25 Rhythmuswechsel“, kündigte Dorn seinen „Angstgegner“ an. Und tatsächlich waren die Künstler bei keinem anderen Lied des Konzerts so vertieft in ihr Instrument. Für Blödeleien blieb da keine Zeit mehr. Anders beim kurz darauf folgenden Boogie „in allen Tonarten, die es gibt“. Wie beim Rundlauf wechselten sich Dorn und Weh am Klavier ab und spielten in einer immer neuen Tonart ein paar Takte. Rasant ging es weiter. Bei einem der schnellsten existierenden Klavierstücke, das es gibt, Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“, der mit Takten aus „Also sprach Zarathustra“ eingeleitet wurde, machte Weh nebenbei noch ein Selfie.

Nach viel Applaus ließen sich die Allgäuer zweimal zurück auf die Bühne locken, um Zugaben zu spielen. Dabei überraschte Dorn noch zwei Mal. Diesmal mit einer Gesangs- und einer Mundharmonikaeinlage.

Nach zwei Stunden war der Zauber vorbei und die Gäste verließen ein Konzert, das genau zum richtigen Zeitpunkt wieder Mut machte, Kultur zu erleben und nach einer so langen Zeit ohne Livemusik schlichtweg Balsam für die Seele war.

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