IHK-Ausschuss diskutiert Fortschreibung und Umgang mit Flächenverbrauch

Regionalplan im Fokus

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Vor seiner Sitzung begab sich der IHK-Regionalausschuss noch auf einen Firmenrundgang mit Aerotech-Produktionsleiter Bernd Janku (außen re.).

Peißenberg – Das Wachstum in der „Boomregion Oberbayern“ geht weiter. Wie soll es gestaltet respektive gemanagt werden? Und wie geht man mit dem Flächenverbrauch um? Das waren Fragen, mit denen sich der Regionalausschuss Weilheim-Schongau der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Rahmen seiner jüngsten Sitzung bei der Firma „Aerotech“ in Peißenberg beschäftigte. Konkreter Anlass für die Diskussionen war die Fortschreibung des Regionalplans Oberland.

Auch die IHK wird sich an dem aktuell laufenden Fortschreibungsverfahren mit einer Stellungnahme beteiligen. Als zentrale Handlungsfelder sieht die Wirtschaft unter anderem die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Die Schieflage auf dem Immobilienmarkt, so hieß es in der Ausschusssitzung, sei ein wesentlicher Grund, warum sich die Unternehmen bei der Rekrutierung von Fachkräften so schwertun würden. Das Oberland stellt acht Prozent der oberbayerischen Fachkräfte. Derzeit besteht ein Mangel von rund 8000 qualifizierten Arbeitskräften. Den Prognosen nach wird er bis 2030 auf 14 000 ansteigen. Ein weiteres Thema, das nach Meinung des IHK-Gremiums ganz oben auf die Agenda gehört, ist die Aufwertung des ÖPNV – und zwar mit einer Taktung, die nicht nur auf den Schüler-, sondern auch auf den Berufsverkehr ausgerichtet ist. Zudem gelte es die Verkehrswege auszubauen und zu modernisieren. Hier gelte es vor allem, den „Kreuzungspunkt Weilheim“ zu entlasten.

Grundlage für die Debatte im Ausschuss zur Regionalplan-Stellungnahme war ein von IHK-Chefvolkswirt Dr. Robert Obermeier vorverfasstes Entwurfspapier. Nicht alle Gremiumsmitglieder waren damit restlos glücklich. Obermeier referierte über „Wachstum“. Selbiges sei „weder per se schlecht noch gut“, sondern nötig, um den Wohlstand zu erhalten. Die Region Oberland, so Obermeier, zeichne zwar eine herausragende Natur- und Kulturlandschaft aus. Aber auch Handel- und Gewerbe bräuchten Entwicklungsmöglichkeiten – und dazu gehöre auch die Ausweisung von entsprechenden Gewerbegebieten. Nach seiner Ansicht wird die Wirtschaft zu Unrecht als Hauptverantwortliche für den von den „Flächenfraß“ – ein Begriff; der von den Grünen stammt – kritisiert. Immerhin 93 Prozent der Gesamtfläche im Oberland seien nach wie vor reine Natur. Hauptreiber des Flächenverbrauchs sei vor allem der Wohnungsbau. Obermeiers Forderung: Keine starren Verbrauchsobergrenzen, sondern Flexibilität für die Kommunen, um auf die Bedürfnisse der Wirtschaft reagieren zu können.

Michael Sendl kontert

Heftigen Widerspruch erntete Obermeier im Ausschuss von Michael Sendl: „So undifferenziert wie Sie an das Problem rangehen, das geht nicht. Das ist provozierend und platt – und für ein solches Gremium unwürdig“, monierte der Bio-Supermarktbetreiber: „Wir gehen mit der Fläche sehr wohl unsäglich um.“ Laut Sendl braucht es „intelligente Lösungen“, um den Flächenverbrauch einzudämmen. Ein weiterer Kritikpunkt, den Sendl an der Entwurfsvorlage äußerte, bezog sich auf den ÖPNV: „Der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke München-Garmisch fehlt. Den möchte ich aber gerne in dem Entwurf drinstehen haben.“ 

Von Bernhard Jepsen

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