Unattraktive Bahnstrecke?

Ausschuss diskutiert über Zugstrecke zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen

Ein Zug fährt am Bahnhof ein
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Zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen fahren mittlerweile Verstärkerzüge.

Region – Reichlich Zeit kosteten in der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses des Landkreises Garmisch-Partenkirchen die ersten Tagesordnungspunkte. Allesamt drehten sich um die Schienen und Schranken des Zugstreckenabschnittes zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Das Gremium stimmte dabei unter anderem dafür, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) aufzufordern, die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen auf den besagten Gleisen zu untersuchen.

Normalerweise gilt auf der Strecke zwischen Weilheim und Garmisch-Partenkirchen ein Stundentakt. Zu gewissen Zeiten rollen mittlerweile aber mehr Züge auf den Schienen. Nämlich in Zeiten, in denen an den Bahnhöfen viele Pendler den Aktenkoffer schwingen. Morgens beispielsweise, zur Hauptverkehrszeit, fahren inzwischen Verstärkerzüge. „Die Taktung wurde erhöht“, sagte Florian Diepold-Erl, Klimaschutzmanager im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.

Doch da ist noch mehr drin, etwa ein Halbstundentakt, und zwar ganztägig. Also zumindest theoretisch. Denn diese Taktung sei eigentlich erst dann sinnvoll, wenn entsprechende Fahrgastzahlen zu verzeichnen seien, wie Diepold-Erl in der Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses klarstellte. „Wenn 5 000 drin sitzen“, so der Klimaschutzmanager, wäre der Halbstundentakt einführbar. Eine Tageszahl, die vielleicht zwischen Murnau und München erreicht wird, aber nicht südlich dieses Streckenabschnittes, also in Richtung Garmisch-Partenkirchen.

Beim Blick auf eine Informationsvorlage des Landratsamtes findet sich etwa ein Diagramm der BEG, demzufolge die durchschnittlichen Fahrgastzahlen 2018 unter der Woche auf der Strecke zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen deutlich unter den erforderlichen 5 000 Personen pro Tag lagen.

Schneller mit dem Auto

Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) verwunderten diese Zahlen keineswegs. „Für viele dauert die Verbindung zu lang“, monierte sie beim Blick auf die Pendler, die mit dem Auto nicht selten schneller am Arbeitsplatz seien als mit der Bahn. Dementsprechend sei das Zugfahren für viele „unattraktiv“. Meierhofer appellierte daher dafür, die Zugzeiten zu verkürzen, etwa, indem „nicht jeder Zug an jedem Apfelbaum“ hält, so das Ausschussmitglied.

Kreisrat Rolf Walther (Die Linke), der im vergangenen Juli den Antrag auf Untersuchung der notwendigen Infrastrukturmaßnahmen auf der Strecke Weilheim–Garmisch-Partenkirchen gestellt hatte, ergriff dagegen das Wort, um seine Intention zu erklären: „Mir ging’s um die möglichst schnelle technische Voruntersuchung“, so Walther. Denn ohne eine solche „wird es wohl kaum eine Verstärkung geben“. Auf Drängen des Landkreises werde die BEG wohl keine derartige Voruntersuchung durchführen, resignierte Diepold-Erl. Weder ein politischer Anlass noch ausreichend Fahrgäste sprächen für ein solches Unterfangen. Schlussendlich stimmten die Ausschussmitglieder dafür, die BEG aufzufordern, die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen auf besagtem Abschnitt zu untersuchen. Zur Entscheidung wanderte der Antrag in den Kreistag.

Den Ausschuss beschäftigte anschließend noch eine Anfrage von Kreisrat Georg Buchwieser (Grüne), der erfahren wollte, welche Strategie das Landratsamt vorschlägt, um den Halbstundentakt auf der Strecke der Werdenfelsbahn zu erwirken. Diepold-Erl regte unter anderem an, dass sich der Landkreis auf Landesebene stark machen solle, damit der Freistaat Bayern die Maßnahme prioritär unterstützt. Auch könne es sicherlich nicht schaden, die Voraussetzungen für Fördermöglichkeiten bereits vorab zu erfüllen.

Lange Wartezeiten

Noch nicht durchgewunken, sondern bis 2021 zurückgestellt, wurde im Anschluss ein weiterer Antrag von Walther, der ein Gutachten zur Beschrankungssituation der Werdenfelsbahn forderte. Dass der Kreistag eine „neutrale Expertise“, welche die Möglichkeiten einer Verkürzung der Schließzeiten offenlegt, einholt, war in dem Antrag erstrebt worden. „Die Beschrankungssituation stößt auf Unverständnis“, sagte Landrat Anton Speer beim Blick auf die teilweise sehr langen Wartezeiten für Verkehrsteilnehmer an den geschlossenen Schranken, etwa in Oberau oder Farchant.

Diepold-Erl wollte aber zunächst einmal einen Überblick über die aktuelle Schrankensituation von der DB Netz erfragen. Schließlich gebe es diverse gesetzliche Vorschriften. Für eine Beschrankung in Bahnhofsnähe gelten etwa andere Schließzeiten als für Anlagen, die nicht in unmittelbarer Nähe eines solchen Haltepunktes liegen. „Wir würden uns das gerne erklären lassen“, so der Klimaschutzmanager.

Mit der Antragszurückstellung war Walther einverstanden, wollte aber eine Gedankenspielerei noch loswerden: „Wir verbuddeln Milliarden für eine Straße durch die Berge“, sagte der Kreisrat und bat darum, nicht zu lachen, wenn er meine, dass „die Schiene letztlich unter die Erde gehört“. Zumindest vor langen Wartezeiten an Schranken blieben Autofahrer und Fußgänger dann verschont.

Von Antonia Reindl

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