Ausstellung im Café VerWeilheim gibt Einblick in den Alltag mit einer Hörsehbehinderung

Ein Leben in Stille und Dunkelheit

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Der Münchner Franz Kupka lebt mit seiner Lebensgefährtin Mona noch eigenständig, ist aber auf deren ständige Unterstützung angewiesen.

Weilheim – Wie fühlt es sich an, weder etwas sehen noch hören zu können? Was für die meisten Menschen unvorstellbar klingt, ist für einige bittere Realität: der Alltag muss ohne Augenlicht und ohne Gehör gemeistert werden, stets abhängig von Personen, die Unterstützung leisten.

Das Leben mit einer Hörsehbehinderung – damit beschäftigt sich noch bis kommenden Dienstag die Ausstellung im Café VerWeilheim in der Herzog-Christoph-Straße 1. Bilder, Filme und Interviews zeigen beeindruckende Beispiele, wie mit zwei beeinträchtigten Sinnen auf einmal der Alltag bewältigt werden kann und muss.

Zum Inhalt der Ausstellung beigetragen hat unter anderem der 70-jährige Franz Kupka aus München, der weder sehen noch hören kann. Er ist auf die Unterstützung seiner Lebensgefährtin Mona angewiesen, denn alleine auf die Straße zu gehen ist für ihn unmöglich. „Ich kann in unserer Wohnung immerhin noch alleine Kaffee kochen und Gerichte aufwärmen, aber für alle anderen Dinge brauche ich Hilfe“, erklärt Kupka, der sich mit Mitmenschen nur über die taktile Gebärdensprache unterhalten kann. Als Leiter einer Selbsthilfegruppe für Taubblinde in München organisiert er seit über 20 Jahren monatliche Treffen, um sich miteinander auszutauschen.

Neben der Familie und Lebenspartnern übernehmen speziell ausgebildete Taubblindenassistenten die Begleitung von Menschen mit einer Hörsehbehinderung. „Für uns Taubblinde bedeutet eine Assistenz eigenständig leben zu können und machen zu können, was man möchte, ohne ständig von Familienangehörigen abhängig zu sein“, lobt Kupka bei der Ausstellungseröffnung.

Ebenfalls anwesend war dort Peter Bleymaier, der blind ist, aber aktuell in ruhiger Umgebung immerhin mit zwei Hörgeräten hören und sich verbal unterhalten kann. „Ich werde oft gefragt, was schlimmer ist: nichts zu sehen oder nichts zu hören? Mir macht nichts zu hören mehr aus, denn das Sehen trennt dich zwar von den Dingen, aber das Hören von den Menschen“, bedauert der Referent für Hörsehbehinderte.

Um sich in die Situation dieser betroffenen Menschen hineinzufühlen, besteht am kommenden Dienstag, 27. Januar, von 14 bis 16 Uhr erneut die Möglichkeit, sich im Café untereinander auszutauschen und mit Blindenstöcken, Gehörschutz sowie mit Augenbinden Selbsterfahrung zu sammeln.

Gisela Jäckle aus Polling hat es bereits ausprobiert und mit verdeckten Augen und Ohren verschiedene Gegenstände ertastet, Aufgaben gelöst und Lebensmittel nur mit ihrem Geschmacks- oder Geruchssinn erraten.

Was befindet sich in der kleinen Dose? Gisela Jäckle aus Polling hat versucht das herauszufinden – ohne sehen oder hören zu können.

„Am Anfang hatte ich sogar Angst etwas anzufassen, weil man nicht weiß, was einen erwartet, aber die taktilen Nerven funktionieren gottseidank sehr gut“, erzählt die frühere Physiotherapeutin. „Da merkt man erst mal, wie sehr man dann auf seine anderen Sinne angewiesen ist.“

Schirmherrin der Ausstellung ist Landrätin Andrea Jochner-Weiß. „Ich war schon mal beim ‚Dinner in the dark‘ und war damals glücklich, nach drei Stunden endlich ein Kerzenlicht zu sehen, aber ich konnte wenigstens hören“, erzählt die Landrätin betroffen. „Ich bewundere Menschen mit Hörsehbehinderung und möchte während der Ausstellung erfahren, wie sie damit umgehen und den Alltag meistern.“ Die Ausstellung kann noch bis kommenden Dienstag während der Öffnungszeiten des Café VerWeilheim am Montag von 11 bis 16 Uhr und Dienstag von 9.30 bis 16 Uhr besucht werden.

Von Lea Stäsche

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